Die Erfolgs-Geheimnisse des Silicon Valley: Steve Jobs begeistern und andere Insider-Tipps


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Text stammt aus: Der Trillion Dollar Coach: Bill Campbell, der Mann hinter den Erfolgsgeschichten des Silicon Valleys (2020) von Eric Schmidt, erschienen bei Münchener Verlagsgruppe (MVG), Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Verlags.
Bildrechte:  Bildmaterial erstellt im Rahmen einer kostenlosen Kooperation mit Shutterstock. .

Wie wird man im Silicon Valley erfolgreich? Was hat Unternehmen wie Google zu dem gemacht was Sie heute sind? Und wie begeistert man Menschen wie Steve Jobs? Ein Insider-Überblick.

Die Erfolgs-Geheimnisse des Silicon Valley: Steve Jobs begeistern und andere Insider-Tipps

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Eric Schmidt ist u.a. Ex-CEO von Google.

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Helden der Technologiebranche

An einem warmen Apriltag des Jahres 2016 versammelte sich auf dem Footballfeld der Sacred Heart School im Herzen des kalifornischen Städtchens Atherton, Kalifornien, eine gewaltige Trauergemeinde, um William Vincent Campbell jr. das letzte Geleit zu geben, nachdem dieser im Alter von fünfundsiebzig Jahren einem Krebsleiden erlegen war. Bill Campbell hatte, seit er 1983 in den amerikanischen Westen gezogen war, entscheidenden Anteil am Erfolg von Apple, Google, Intuit und zahlreichen anderen Unternehmen gehabt.

Zu behaupten, er hätte sich in der Technologiebranche größten Respekt erworben, wäre eine grobe Untertreibung – »Liebe« trifft es da schon besser. Unter den Gästen waren an diesem Tag in Scharen die Top-Vertreter der Branche versammelt: Larry Page, Sergey Brin, Mark Zuckerberg, Sheryl Sandberg, Tim Cook, Jeff Bezos, Mary Meeker, John Doerr, Ruth Porat, Scott Cook, Brad Smith, Ben Horowitz und Marc Andreessen, um nur einige zu nennen. Solch geballtem Pioniergeist und so viel Macht begegnet man selten – zumindest im Silicon Valley.

Vom schrulligen StartUp zum wertvollsten Unternehmen der Welt

Wir saßen unter den Trauergästen und unterhielten uns in gedämpftem Ton, während die Sonne freundlich auf uns herabschien und einen merkwürdigen Kontrast zur gedrückten Stimmung bildete. In den vJahren, in denen ich als CEO für Google tätig war hatten wir eng mit Bill zusammengearbeitet. Bill war unser Coach gewesen. Alle ein bis zwei Wochen hatten wir uns getroffen, um über die diversen Herausforderungen zu sprechen, vor die uns die Entwicklung des Unternehmens stellte. Er begleitete uns – meist hinter den Kulissen – als Individuen und als Team auf dem Weg, der Google vom schrulligen Start-up zu einer der wertvollsten Firmen und Marken der Welt geführt hat.

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Möglich, dass vieles anders gekommen wäre, hätte Bill uns nicht geholfen. Wir nannten ihn unseren Coach, aber auch unseren Freund und unterschieden uns darin kaum von der übrigen Trauergemeinde. Wie wir später erfuhren, hielten viele von ihnen – und es waren mehr als eintausend Gäste – Bill sogar für ihren besten Freund. Wer von all diesen besten Freunden also würde die Ehre haben, eine Rede auf unseren Coach zu halten? Welche Hightech-Koryphäe würde ans Pult treten?

Der Champion aus Homestead

Als Bill Campbell zum ersten Mal nach Kalifornien kam, war er bereits Anfang 40. Seine Businesskarriere hatte er erst wenige Jahre zuvor eingeschlagen. Was er dann aber im Silicon Valley leistete, war ein Vielfaches dessen, was jeder andere 75-Jährige am Ende eines langen Arbeitslebens hätte vorweisen können. Schon als Kind war Bill ein ambitionierter und heller Kopf gewesen. Er wuchs in der von der Stahlindustrie geprägten Kleinstadt Homestead im Westen Pennsylvanias auf, wo sein Vater Sportlehrer an der örtlichen Highschool war und nebenher im Stahlwerk arbeitete.

Bill war ein guter und fleißiger Schüler. Clever war er auch: Im April 1955 schrieb er einen Artikel für die Schülerzeitung, in dem er seine Mitschüler daran erinnerte, dass »es nichts Wichtigeres für das spätere Leben gibt« als gute Noten. »Wer in der Schule bummelt, vergibt sich damit wichtige Erfolgschancen.« Das war in seinem ersten Highschool-Jahr.

Auf die richtige Einstellung kommt es an

Im Herbst 1958 verließ Bill seine Heimat, um an der Columbia University in Manhattan zu studieren. Auf der Highschool war er zum Football-Star geworden. Dabei war er mit seinen 1,77 Meter und 75 Kilogramm (auch wenn er mit 82 Kilogramm gemeldet war) äußerlich gar nicht der Typ dazu – selbst für damalige Verhältnisse, als Football-Spieler noch nicht die Kolosse von heute waren. Mit seiner Einsatzfreude und seinem intelligenten Spiel erwarb er sich die Achtung von Trainern und Mitspielern. In seinem letzten Highschool-Jahr verbrachte er – mittlerweile als Mannschaftskapitän – praktisch jede Spielminute als Linebacker in der Defense oder als Lineman (Guard) in der Offense auf dem Spielfeld. Er verhalf seinem Team zum einzigen Meistertitel in der Ivy League in der Geschichte der Columbia und verdiente sich als einer der besten Spieler der gesamten Liga die All-Ivy Honors.

Der damalige Trainer mit dem schönen Namen Buff Donelli attestierte ihm eine »maßgebliche Rolle« im Titelgewinn. »Wäre er 1,87 Meter groß und würde er 102 Kilogramm wiegen und als Profi antreten, wäre er der beste Lineman, den die Liga je gesehen hat – ein Feuerball. Aber er ist klein und wiegt gerade einmal 75 Kilogramm. Nicht einmal im College-Football findet man so kleine Guards. Normalerweise kann man mit kleinen Spielern nicht Football spielen. Die richtige Einstellung ist in der Regel nicht genug. Ein Coach ist auf die richtige Einstellung angewiesen, aber auch auf die richtigen Spieler.« Bills Einstellung war natürlich, dass es aufs Team ankam. Den Erfolg der Mannschaft führte er darauf zurück, dass »die Spieler an einem Strang zogen und eine erfahrene Führung hatten«.

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Vom Taxifahrer zum Millionär

Bill hatte nicht viel Geld und so finanzierte er sein Studium an der Columbia nicht zuletzt durch Taxifahren. Er lernte die Stadt so gut kennen, dass er später oft mit seinem langjährigen Chauffeur und Freund Scotty Kramer über die beste Route stritt. Wenn es darum ging, durch New York zu navigieren, stellte man den Coach nicht infrage, sagt Kramer.

Nach einem Abschluss in Wirtschaftswissenschaften 1962 und einem Master im Lehramt 1964 verließ Bill die Columbia und ging in den Norden, um Assistenztrainer des Football-Teams am Boston College zu werden. Bill war ein hervorragender Trainer und machte sich in Football-Kreisen rasch einen Namen. Als er daraufhin von der Columbia, seiner Alma Mater, das Angebot erhielt, als Cheftrainer zurückzukehren, sagte er zu. Die Columbia war im Football miserabel aufgestellt, doch Gefühle der inneren Verbundenheit führten ihn zurück nach Manhattan.

Laut Jim Rudgers, einem damaligen Trainerkollegen, hatte man Bill, der als einer der besten Assistenztrainer des Landes galt, eine Trainerstelle unter Joe Paterno an der Penn State angeboten, bevor er dann jedoch »seinem Herzen folgte« und zur Columbia zurückkehrte. Paterno war damals einer der Toptrainer des Landes und man darf mutmaßen, dass Bill eine steile Karriere als Trainer erwartet hätte, wäre er zu den Nittany Lions gegangen. Dieser Text wäre vielleicht kein Text über die Silicon-Valley-, sondern die College-Football-Legende Bill Campbell geworden. Und dann hätten Sie möglicherweise auch keine Mühe, in den gängigen Suchmaschinen Massen an Informationen über ihn zu finden!

Als Trainer zum Burnout

Coaching-Talent hin oder her – aus Bills Rückkehr zur Columbia wurde keine Erfolgsstory. Schon die Voraussetzungen waren alles andere als vielversprechend: ein schäbiges Trainingsgelände, vom Campus aus nur durch eine mindestens 30-minütige Busfahrt im Nachmittagsverkehr zu erreichen, eine Verwaltung, die dem Football-Sport wenig Bedeutung beimaß, und eine Stadt im allgemeinen Niedergang. Die Lions gewannen während Bills Amtszeit lediglich zwölf Spiele und verloren einundvierzig. Seine aussichtsreichste Saison war die von 1978, als das Team mit einer Startbilanz von drei Siegen, einer Niederlage und einem Unentschieden ins Rennen ging, dann jedoch im Giants Stadium von dem (körperlich und zahlenmäßig) weit überlegenen Team der Rutgers University mit 69:0 vernichtend geschlagen wurde. Im Jahr darauf fasste Bill schließlich den Entschluss, sein Traineramt niederzulegen; die begonnene Saison führte er noch zu Ende, aber das war’s dann.

Während seiner Zeit an der Columbia hatte Bill so hart gearbeitet, dass ihm am Ende nur noch ein Klinikaufenthalt die nötige Erholung verschaffte. Besonders die Anwerbung neuer Spieler verlangte ihm viel ab. Später einmal sagte er, er habe mit hundert möglichen Kandidaten sprechen müssen, um wenigstens fünfundzwanzig von ihnen überreden zu können, ins Team zu kommen. »So fuhr ich nach dem Work-out um 16.30 Uhr nach Albany und noch am selben Abend wieder zurück oder nach Scranton und wieder zurück, nur damit ich am nächsten Morgen wieder pünktlich im Büro war.«

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Zu viel Mitgefühl als Erfolgsfaktor fürs Business

Dennoch scheiterte er am Ende nicht aufgrund fehlender Spieler. Er selbst machte dafür vielmehr ein Zuviel an Mitgefühl verantwortlich. »Es gibt etwas, das man [als Football-Trainer] braucht und das ich als emotionslose Strenge bezeichnen würde, und ich glaube nicht, dass ich darüber verfüge. Du darfst dich nicht mit Gefühlen aufhalten. Du musst ständig jedermann zu mehr Leistung antreiben und gewissermaßen taub gegenüber Gefühlen sein. Du tauschst Spieler wahllos aus, ersetzt ältere durch jüngere und so weiter. So ist nun mal das Spiel: Survival of the fittest. Die besten Spieler gehen an den Start. Mir fiel das immer schwer. Mir war wichtig, dass die Jungs verstanden, was wir taten. Wahrscheinlich war ich einfach nicht abgebrüht genug.«

Bills Einschätzung, dass eine Portion Gefühllosigkeit dazugehört, um als Football-Trainer erfolgreich zu sein, mag richtig gewesen sein. In der Geschäftswelt jedoch kristallisiert sich ausgerechnet Mitgefühl zunehmend als ein nicht zu vernachlässigender Erfolgsfaktor heraus. Und so war Bill, der nicht anders konnte, als jedem mit Mitgefühl zu begegnen, denn auch am Ende in der Geschäftswelt um ein Vielfaches erfolgreicher als auf dem Football-Feld. Let’s run it Seine Football-Karriere war damit zu Ende. Der 39-Jährige nahm einen Job bei der Werbeagentur J. Walter Thompson an. Sein erster Kunde war Kraft in Chicago. Einige Monate später ging er zurück an die Ostküste, um für Kodak zu arbeiten. Er stürzte sich mit gewohnter Leidenschaft in den Job und beeindruckte seine Kunden in Rochester im Bundesstaat New York mit seinem Wissen und seinen analytischen Fähigkeiten dermaßen, dass sie ihn kurzerhand von der Werbeagentur abwarben.

Wild Wild West

Bei Kodak machte Bill rasch Karriere: 1983 leitete er bereits in London den Bereich Verbraucherprodukte für den europäischen Markt. Zu Beginn seiner Jobsuche im Jahr 1979 hatte ihn einer seiner Football-Kameraden von der Columbia mit John Sculley bekannt gemacht, der damals in leitender Position für PepsiCo tätig war und ihm einen Job anbot, den er jedoch nicht annahm. Als Sculley 1983 ins Silicon Valley ging, um CEO von Apple zu werden, wählte er kurz darauf Bills Nummer. Ob dieser wohl bereit wäre, Kodak den Rücken zu kehren und zusammen mit seiner jungen Familie – er hatte 1976 Roberta Spagnola, die Leiterin des Studentenwohnheims an der Columbia, geheiratet – in den Westen zu ziehen, um für Apple zu arbeiten?

»Meine vielen Jahre als verschlafener Football-Coach hatten mich in meiner Karriere zurückgeworfen«, sagte Bill später. »Mein Gefühl sagte mir, diese Vorgeschichte würde mir auf ewig nachhängen und mich gegenüber meinen Kollegen zurücksetzen. Der ›Wilde Westen‹ mit seiner stärkeren Wertschätzung individueller Leistung würde mir die Chance bieten, schnell bis in die Führungsebenen aufzusteigen.«8 Und in der Tat avancierte er rasch. Nach nur neun Monaten bei Apple wurde er zum Vice President für Vertrieb und Marketing befördert und damit betraut, die Markteinführung des sehnlichst erwarteten Macintosh zu leiten – Apples neuem Computer, der den Apple II als das Vorzeigeprodukt des Unternehmens ablösen sollte.

Einmal Steve Jobs begeistern

Für den Kampagnenstart setzte das Unternehmen auf einen Knalleffekt: Es erwarb einen Sendeplatz für einen Werbespot während des Super Bowls am 22. Januar 1984 in Tampa in Florida. Als der Spot fertig war, stellten Bill und seine Leute ihn dem Apple-Mitbegründer Steve Jobs vor. In Anspielung auf George Orwells Roman 1984 ist darin eine junge Frau zu sehen, die, von Wachmännern verfolgt, durch einen dunklen Korridor rennt, bis sie einen Raum erreicht, in dem Hunderte von glatzköpfigen Menschen in abgerissener Kleidung wie Zombies auf einen großen Bildschirm starren und der dröhnenden Stimme des Großen Bruders folgen. Schreiend wirft sie einen riesigen Vorschlaghammer auf den Bildschirm, der daraufhin explodiert. Im Nachspann heißt es, der Apple Macintosh werde uns zeigen, »warum 1984 nicht wie 1984 sein wird«.*

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Steve war begeistert, ebenso E. Floyd Kvamme, Bills damaliger Chef. Bill selbst war begeistert. Zehn Tage vor dem Spiel präsentierten sie den Spot dem Apple-Board. Die Board-Mitglieder waren alles andere als begeistert. Sie fanden ihn fürchterlich – zu kostspielig und zu kontrovers. Sie wollten wissen, ob man den Sendeplatz noch an einen anderen Werbetreibenden weiterverkaufen könne. War es zu spät, um noch aus der Nummer herauszukommen? Ein paar Tage später erfuhren Bill und Floyd von einer Apple-Vertriebsleiterin, dass sie einen Käufer für den Slot gefunden hatte. »Was sollen wir deiner Meinung nach tun?«, fragte Floyd Bill. Und dieser erwiderte: Fuck it! Let’s run it – »Scheiß drauf, wir zeigen ihn!«

Sie verrieten weder dem Board noch anderen hohen Führungskräften im Unternehmen, dass es einen potenziellen Abnehmer für den Sendeplatz gegeben hätte, und zeigten den Spot. Er wurde nicht nur der beliebteste Werbespot des Super Bowls, sondern einer der berühmtesten Werbespots aller Zeiten und läutete eine Ära ein, in der die Werbeblöcke während des Super Bowls genauso bedeutend wurden wie die Spiele selbst. Ein Kolumnist der Los Angeles Times nannte ihn den »einzig guten Werbespot, der jemals beim Super Bowl gezeigt wurde«.9 Nicht schlecht für einen »verschlafenen Football-Coach« kaum fünf Jahre nach seiner letzten Saison.


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