Berufsbegleitendes Studium: Erst Karriere, dann Uni?


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Die Berufs- oder Studienwahl, die man in jungen Jahren trifft, gilt heute oft nicht mehr für das ganze Leben. Daher kann berufsbegleitendes Studieren die Karrierechancen verbessern. Ein Überblick.

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Hier schreibt für Sie: Fabian Linden ist Online-Redakteur mit Schwerpunkt Technik und Bildung. Profil

Zurück zur Uni – Erst Karriere, dann Studium

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Mit achtzehn das Abi machen, dann höchstens ein Jahr FSJ und dann sollte es auch schon zur Uni gehen. So oder so ähnlich scheint ein Studium vom System angedacht zu sein, was auf den ersten Blick auch von den durchschnittlichen Erstsemestern bestätigt wird. Die Anpassungen sowohl international nach Bologna als auch der Umstieg auf das Abitur nach nur acht Jahren Gymnasium zielen in dieselbe Richtung.

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Das durchschnittliche Alter von Studienanfängern ist dem entsprechend über die letzten Jahre konstant gesunken. Es liegt aktuell bei etwas über 21 Jahren. Doch nicht auf jeden Studenten trifft dies – glücklicherweise – zu. Aus den verschiedensten Gründen fangen viele ihr Studium auch zu einem späteren Zeitpunkt im Leben an, etwa nach einer Ausbildung oder nach einiger Zeit im Arbeitsalltag.

Warum sollte man nach Start der Karriere noch studieren?

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Hierfür gibt es viele unterschiedliche Beweggründe. Häufig ist es einfach fachliches Interesse oder der Wunsch, in der Karriere einen weiteren Schritt zu nehmen. Ein Studium ist dann häufig die richtige Möglichkeit, um sich im beruflichen Rahmen fortzubilden oder weiterzuentwickeln – beispielsweise, wenn ein Rechtsanwaltsfachangestellter sich dazu entschließt, Jura zu studieren.

Ein großes Argument ist, dass man leider in der Realität mit einem akademischen Abschlusszeugnis häufig Vorteile bei der Jobsuche hat. Wer einen Uni-Zeugnis vorweisen kann, ist häufig attraktiver für den Arbeitsmarkt.

Studium als Möglichkeit zur Spezialisierung

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Die Breite an Grundwissen, die während eines Studiums vermittelt wird, geht häufig weiter, als die teilweise unternehmensspezifischen Berufserfahrungen, die man in ein paar Jahren im Job sammeln kann. Daher sehen sie häufig die Möglichkeit, dass die Grundlagen zum Anlernen für die neue Stelle eher vorhanden sind.

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Es gibt viele gute Ausbildungsberufe in Deutschland, weshalb selbst Personen, die ein tiefergehendes Interesse entwickeln, sich zu Beginn nicht für ein Studium entscheiden. Dann wird später eventuell festgestellt, dass ohne ein Studium die gewünschte Spezialisierung oder Weiterbildung nicht möglich ist. Eine Unterforderung durch eine Arbeitsstelle ohne Möglichkeiten zur Fortbildung kann durchaus zum Bedürfnis nach neuen Herausforderungen führen.

Studium ohne Abitur – Von Anfang an geplant?

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Die Hochschulzugangsberechtigung in Deutschland wird in den meisten Fällen durch ein Abitur oder Fachabitur erlangt. Jedoch gibt es auch die Möglichkeit auf ein allgemeines Hochschulzugangsrecht für berufliche Weiterbildung.

  1. Je nach Bundesland gelten hierbei unterschiedliche Regeln. In Baden-Württemberg beispielsweise kann man auch ohne Abitur studieren – aber nur, in einem verwandten Fachbereich nachdem man eine abgeschlossene Berufsausbildung und mindestens drei Jahre Berufspraxis gesammelt hat.
  2. Zusätzlich ist eine Eignungsprüfung nach einem Beratungsgespräch an der Hochschule erforderlich. In Nordrhein-Westfalen ist eine solche Prüfung hingegen nicht erforderlich, wenn das Studienfach der Berufserfahrung entspricht.

Wer also an einem Studium ohne (Fach-)Hochschulreife interessiert ist, sollte sich dringend nach den Voraussetzungen im eigenen und umliegenden Bundesländern informieren. Eventuell kann es dann auch ein guter Plan sein, anstatt der Oberstufe in der Schule eine Ausbildung zu absolvieren, um den Eintritt zur Universität zu erhalten.

Erst Ausbildung, dann Studium

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Grundsätzlich ist das eine gute Idee, da direkt nach dem Abitur häufig der Horizont sowohl für Themenbereiche als auch Vorstellungen für das Arbeitsleben noch nicht gegeben ist. Dann kann man sich zuerst für eine Berufswahl entscheiden, um dann in die Entscheidung zum Studium an einem späteren Zeitpunkt von mehr persönlichen Erfahrungswerten abhängig machen zu können.

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Die häufig genannte Angst, für ein Studium zu alt zu sein, ist für gewöhnlich völlig unbegründet. Vor allem, wenn zusätzlich bereits eine Ausbildung und Arbeitserfahrung vorhanden sind, hat man häufig Vorteile beim Bewerbungsvorgang.

Verschiedene Möglichkeiten

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Ein Studium heißt nicht immer automatisch von Montag bis Freitag auf dem Campus zu sein und am Wochenende die Nachbereitung und Studienprojekte anzugehen – es gibt viele verschiedene Formen und Modelle, mit denen ein Studium abgelegt werden kann. Je nach Lebenssituation und eigenen Vorlieben haben diese diverse Vor- und Nachteile.

Gewöhnliches Vollzeit-Studium

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Ein Präsenzstudium an einer Hochschule mit morgendlichen Lehrveranstaltungen im Wochenturnus ist der Normalfall. Wer keine weiteren Verpflichtungen hat und vielleicht auch noch das echte Studentenleben kennenlernen möchte, dem sei dieses ans Herz gelegt.

Berufsbegleitend in Teilzeit

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Wer sich weiterbilden will, aber die aktuelle Stelle nicht aufgeben kann oder möchte, der kann mit einem Studium in Teilzeit beides bewältigen. Die in dieser Form angebotenen Studiengänge haben häufig eine längere Regelstudienzeit. So sind sie auch mit weniger Semesterwochenstunden mit dem gleichen Stoffumfang durchführbar. Persönliche Prioritäten sind hier wichtig.

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Es gibt dafür einige verschiedene Modelle:

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  1. Abendstudium: Viele Präsenzveranstaltungen, zumeist nach 18:00 Uhr bis spätabends. Nach Feierabend geht es dann noch zur Uni.
  2. Wochenendstudium: Die Lehrveranstaltungen finden am Wochenende statt, sodass neben Arbeit an den Werktagen noch das Studium absolviert werden kann.
  3. Blockstudium: Seminare und Vorlesungen werden in intensiven Blöcken angeboten, also beispielsweise an vier Tagen am Stück, bis zu neun Stunden am Tag (mit Pausen). So müssen nur ab und zu ein paar Urlaubstage verbraucht werden, um diese Blockkurse zu besuchen.
  4. Tages-Studium: Ein großer Teil des Studiums findet an einem bestimmten Wochentag statt (häufig freitags). An diesem Tag muss dann mit dem Arbeitgeber ein freier Tag vereinbart werden – indem beispielsweise die fehlenden Stunden während der restlichen Woche aufgearbeitet werden.
  5. Fernstudium: Mit absolut freier Zeiteinteilung, aber mehr Anforderungen an die Selbstdisziplin, da so gut wie alles im Selbststudium gelernt werden muss. Leider wird nicht jeder Studiengang als Fernstudium angeboten, berufsrelevante jedoch recht häufig.

Bewältigung des berufsbegleitenden Studiums

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Viele Formen eines berufsbegleitenden Studiums bestehen zumindest zu einem gewissen Anteil aus Selbststudium. Je nach der Lebenssituation und der Flexibilität, die sich daraus ergibt, muss man dann die jeweils passende aussuchen. Zumeist lassen sich auch Formen kombinieren, sodass etwa ein Abendstudium mit Kursen an Samstagen und Online-Seminaren ergänzt wird. Doch auch wenn man nicht berufsbegleitend studiert, befindet man sich jenseits der 20 häufig in einer anderen Lebenssituation, in der man das Studium anders angehen muss.

Ein Fernstudium ist natürlich für Eltern besonders interessant, da dann weniger Probleme in Bezug auf die Betreuung des Nachwuchses aufkommen. Der zusätzliche Zeitaufwand ist natürlich dennoch nicht ganz einfach zu bewältigen, jedoch ist kein täglicher Aufenthalt in einer teuren Ganztags-Kita notwendig. Abendliche Vorlesungen gehören bei einem berufsbegleitenden Studium gegebenenfalls zum Alltag.

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Die Finanzierung eines Studiums

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Wenn man hierzulande an die Finanzierung des Studiums denkt, hat man sofort BAföG, Minijob und die Familie als Unterstützer im Kopf. Diese Optionen sind jedoch in vielen Fällen bei einem späteren Studienbeginn nicht mehr möglich.

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BAföG

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BAföG gibt es für gewöhnlich nur dann, wenn der Student bei Antritt des Studiums noch unter 30 Jahre alt ist. Ebenso darf man noch nicht mehr als eine berufsqualifizierende schulische Ausbildung abgelegt haben. Gute Nachrichten für Rückkehrer: Wer nach einiger Zeit in der Wirtschaft nachträglich einen Master-Abschluss erreichen möchte, kann sogar bis zu 35 Jahren die BAföG-Förderung erhalten.

Aufstiegsstipendium

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Wer mehrere Jahre nach seiner Ausbildung im jeweiligen Beruf gearbeitet hat, sich aber nun fortbilden möchte, kann ein Aufstiegsstipendium als Option in Erwägung ziehen. Dies ist ein Förderangebot des Bundesministeriums für Bildung und an bestimmte Anforderungen geknüpft, damit die richtige Zielgruppe davon profitieren kann:

  1. Abgeschlossene Berufsausbildung und mindestens zwei Jahre Berufserfahrung.
  2. Gute berufliche Leistungsfähigkeit, etwa überdurchschnittlich gute Note in der Ausbildungsprüfung.
  3. An staatlich anerkannte Hochschulen und die Abschlüsse BA, Staatsexamen und MBA gebunden.

Diese Förderung lässt sich für Studierende in Vollzeit, aber auch berufsbegleitend anfragen. Ebenso kannst du dich sogar bis vor dem Ende des zweiten Studiensemesters nachträglich dafür bewerben.

Elterngeld als Vollzeit-Unterstützung für Eltern

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Eine weitere Besonderheit gilt, wenn man als Studienanfänger bereits ein Kind hat beziehungsweise bekommt. Wer keinen Vollzeit-Beruf ausführt, kann eine finanzielle Unterstützung für Eltern erhalten. Auch Studenten haben so die Möglichkeit, Elterngeld zu beantragen. Für berufsbegleitend Studierende, die weiterhin in Vollzeit arbeiten, ist die natürlich nicht möglich, aber dieser Fall sollte ohnehin eher die Ausnahme sein.

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Studienkredite

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Eine gute Notlösung, die bis zu einem Studieneinstiegsalter von 44 Jahren zur Verfügung steht, ist der Studienkredit der Förderbank KfW. Dieser lässt sich für jede Form des Studiums, berufsbegleitend oder in Vollzeit, beantragen. So kann auch später im Leben ein Studium finanziell unterstützt werden, auch wenn keine Hälfte als Zuschuss wie bei BAföG gewährt wird.


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