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10 Gründe, ein totes Pferd zu reiten: 7. “Ich kann’s doch nicht besser”



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Wenn man Sie vor eine große Waage mit zwei Waagschalen stellen würde und Sie aufforderte, ohne lange nachzudenken in eine all Ihre Stärken und Kompetenzen und in die andere Ihre sämtlichen Schwächen zu legen – welche Seite würde mehr Gewicht anzeigen? Wie lautet Ihre spontane Antwort?


Hier schreibt für Sie:

 

84Tom Diesbrock ist Psychologe, Berater, Teamentwickler und Buchautor.

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Ich kann doch nichts wirklich gut!

Bei vielen Leuten sieht das so aus: „Klar, viele Leute schaffen es, sich einen tollen, neuen Job zu suchen. Wenn ich es draufhätte, würde ich es selbstverständlich genauso machen. Aber ganz ehrlich: Ich kann doch nichts, das über mein jetziges Jobprofil hinausgeht. Man würde mich doch auslachen, wenn ich etwas anderes wollte!“

Wenn bei Ihnen die negative Seite deutlich überwiegt, dann sind Sie damit nicht allein. Ich schätze, dass sich die Mehrheit der Menschen gedanklich große Mühe gäbe, erst einmal die Schale für ihre Schwächen randvoll zu machen. Denn dies scheint mir den meisten von uns viel leichter zu fallen.

Über unsere eigenen Stärken nachzudenken oder gar darüber zu sprechen, empfinden viele als schwierig und unangenehm. Nicht selten höre ich die Selbsteinschätzung: „Ich kann eigentlich nichts wirklich gut.“ Und viele antworten so aus tiefster Überzeugung und nicht etwa aus vorgeschobener Bescheidenheit!

Die anderen können es besser!

Gleichzeitig haben sie aber von den Fähigkeiten anderer Menschen, von Freunden, Kollegen und Bekannten, meist ein viel positiveres Bild. Wenn es um die Licht- und Schattenseiten anderer geht, ist unsere Einschätzung meistens ziemlich ausgewogen (wenn wir nicht gerade ausgesprochen missgünstige Charaktere sind) – unser eigenes Licht stellen wir hinge- gen lieber unter den Scheffel.

Wenn wir andere viel kompetenter einschätzen als uns selbst, muss doch unsere Wahrnehmung etwas „verrückt“ sein. Woran liegt das? Als nicht mehr ganz junge Menschen haben wir doch in der Regel zumindest eine berufliche Ausbildung absolviert, vielleicht studiert, im Job vieles dazugelernt, uns fortgebildet, verschiedene Interessen verfolgt – und wir haben mit Sicherheit jede Menge Lebenserfahrung gesammelt.

Ich kann ja doch was!

Und trotzdem sollen wir über kaum Kompetenzen verfügen, die für unsere berufliche Neuorientierung von Belang sein könnten? Kann das wirklich sein? Im Coaching erlebe ich häufig, dass Menschen mit einem anfangs ziemlich negativen Selbstbild dann tatsächlich eine lange Liste mit ihren Kompetenzen und Stärken zusammentragen können – wenn sie sich trauen, einmal genauer hinzuschauen und auch die Einschätzung anderer zu erfragen.

Viele stellen schließlich überrascht fest: „Ich kann ja viel mehr, als ich dachte!“ Also: Nicht-Können ist etwas ganz anderes als Nicht-Wissen (was man kann)! Es ist aber leicht zu verwechseln. Warum sind wir uns unserer Stärken so wenig bewusst? Ein negatives Selbstbild kann natürlich sehr viele Ursachen haben.

Alles eine Sache der Übung!

Menschen, die schon lange in einem Beruf arbeiten, auch wenn sie dabei einige Stufen auf der Karriereleiter erklommen haben, denken oft, sie verfügten nur über solche Fähigkeiten, die sie im Rahmen ihres Jobs verwenden, getreu dem Motto: »Ich bin seit 20 Jahren Banker, also kann ich nur, was Banker eben können.« Dies zeigt dann eher eine sehr enge Identität als eine realistische Selbsteinschätzung.

Dumm ist nur, wenn wir dies durcheinanderbringen. Viele Menschen bezeichnen sich selbst als Realisten, während sie mir erklären, dass sie gar nichts wirklich gut können. Ein negatives Selbstbild ist vor allem eine Sache der Übung!

Ich mach mich lieber selbst klein, bevor ein anderer es tut

Warum geben wir uns so viel Mühe, ein düsteres Bild von unseren Fähigkeiten aufzubauen und daran festzuhalten? Der Preis, den wir dafür zahlen – oft eine innige Beziehung zu einem toten Pferd –, ist ja nicht gerade klein.

Wir entwickeln aber niemals ein Verhalten oder eine Haltung, ohne uns davon – meist unbewusst – einen Vorteil zu versprechen. Und der liegt sehr oft darin, uns vor Angriffen anderer zu schützen nach dem Prinzip: „Ich mach mich lieber selbst klein, bevor ein anderer es tut.“

Der enttarnte Hochstapler?

Die Vorstellung, mir etwas zuzutrauen und an meine Fähigkeiten zu glauben, und dann von anderen dafür womöglich ausgelacht zu werden, ist für die meisten von uns ein Albtraum! Und das ist sehr menschlich, denn wir alle haben riesige Angst vor Entwertung und Beschämung. Nur: Wie groß ist denn überhaupt die Gefahr, dass man uns als erwachsenem Menschen so begegnet?

Dass man uns als „Hochstapler“ entlarven könnte, der viel weniger draufhat, als er vorgibt? Ist dies nicht eher die Angst und Sichtweise eines Kindes? Wir werden später noch sehen, dass wir tatsächlich oft unerwachsen reagieren, wenn Ängste im Spiel sind.

Berufliche Veränderung braucht eine gute Selbsteinschätzung

Ohne eine gute Selbsteinschätzung meiner Kompetenzen sind berufliche Veränderungen schwer zu realisieren.

Im Zweifelsfall werde ich mich immer wieder gegen gute Optionen entscheiden, weil ich mir nicht genug zutraue. Und wenn ich mich lange Zeit klein und kleiner gemacht habe, bleibt mir wirklich nur noch mein totes Pferd als einzige berufliche Möglichkeit.

Ich habe in meiner Arbeit Menschen kennen gelernt, die trotz Diplom und Promotion in einem Job verharrten, der weit unter ihren Möglichkeiten lag – weil sie meinten, dass mehr einfach nicht ginge.

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