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Besser Arbeiten, Infos nach Wunsch: Wir geben Ihnen Informationen, die Sie wirklich brauchen und engagieren uns für eine bessere und ökologische Arbeitswelt. Als Verlag Best of HR – Berufebilder.de® mit einzigartigem Buchkonzept und eKursen bieten wir über 20 Jahre Erfahrung im Corporate Publishing – mit Kunden wie Samsung, Otto, staatlichen Institutionen. Verlegerin Simone Janson leitet auch das Institut Berufebilder Yourweb, das u.a. Stipendien vergibt, und gehört zu den 10 wichtigsten deutschen Bloggerinnen, referenziert in ARD, FAZ, ZEIT, WELT, Wikipedia.

Offenlegung & Bildrechte:  Bildmaterial erstellt im Rahmen einer kostenlosen Kooperation mit Shutterstock. 

Text stammt aus dem Buch: “Gescheiterte Titanen: Welche neuen Manager unsere Welt braucht” (2015), erschienen bei FAZ Verlag, Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

Hier schreibt für Sie:

carsten-knopCarsten Knop ist Wirtschaftsredakteur bei der Frankfurter Allgmeinen Zeitung.Knop studierte Betriebswirtschaftslehre an der Universität Münster und absolvierte 1993 ein Volontariat bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. An die journalistische Ausbildung schloss sich 1995 die erste Redakteursstelle an: Für die “Börsen-Zeitung” ging er nach Düsseldorf kehrte 1996 in das Düsseldorfer Büro der F.A.Z. zurück. Nach drei Jahren Berichterstattung über die Unternehmen an Rhein und Ruhr ging er im Mai 1999 als Wirtschaftskorrespondent nach New York, im April 2001 folgte der Umzug nach San Francisco, um das Geschehen im “Silicon Valley” zu beobachten. 2003 kehrte er in die Frankfurter Zentrale zurück und war  ist dort seit Anfang 2007 u.a. verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung, seit Ende 2014 zudem für die Wirtschaftsberichterstattung. Knop ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Lügner und Manipulatoren entlarven: Klaus Zumwinkel oder wenn Manager Fehler machen

Immer wieder stößt man im Management auf Lügen, Vertrauensverlust und Manipulation. Der Fall von Klaus Zumwinkel war ein tiefer Fall. Was steckt dahinter und wie konnte es soweit kommen?

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Ein Name, der Vertrauen schafft

Diejenigen, die Klaus Zumwinkel gut zu kennen glaubten, beschrieben
ihn als einen Menschen, dem man vertrauen könne. Von Vertragsabschlüssen
per Handschlag war die Rede. Der Mann galt als ein in sich
ruhender, glücklicher Mensch: ohne finanzielle und sonstige Sorgen,
gesund, geistig auf Zack. Bis dahin war er auch der dienstälteste Dax-Vorstandschef – und einer der letzten Mitglieder des Netzwerks “Deutschland AG” oder des “Rheinischen Kapitalismus”.

Das hatte Zumwinkel den Spitznamen “Buddha”
eingetragen. In seinen 18 Jahren Dienstzeit als Vorstandsvorsitzender
der Deutschen Post hat Zumwinkel nicht nur an der Marke des
Unternehmens poliert, sondern auch an seiner eigenen: Die Menschen
glaubten deshalb an die Marke “Zumwinkel”. Er war der Mann ihres
Vertrauens.

Das Ende eines Netzwerkers

Nur so lässt sich erklären, warum Zumwinkel als einer der deutschen
Manager galt, die in Politik und Wirtschaft am besten vernetzt waren.
Gerade in solchen Kreisen ist Vertrauen wichtig. Dort fehlt oft die Zeit,
alle Informationen zum Gegenüber zu sammeln und zu verarbeiten.

Zum Aufbau wie zur Beschreibung solcher Netzwerke braucht man
einen langen Atem: So saß Zumwinkel seinerseits im Aufsichtsrat der
Lufthansa AG, aber auch im Aufsichtsrat von Arcandor/Karstadt.

Dem Aufsichtsrat der Deutschen Telekom stand Zumwinkel vor; Aufsicht
führte er auch bei der Postbank und der Investmentbank Morgan Stanley.
Bis Ende 2003 war Zumwinkel im Aufsichtsgremium der Allianz,
einer der Keimzellen der alten Deutschland AG, vertreten und bis
August 2003 Mitglied im Aufsichtsrat der Tchibo Holding AG. Darüber
hinaus saß er im Vorstand der Bundesvereinigung der Deutschen
Arbeitgeberverbände und war Präsident des Forschungsinstituts zur
Zukunft der Arbeit. Dieses Netzwerk war das Kapital der alten Marke
Zumwinkel. Und plötzlich war es aufgebraucht.

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Geschockte Manager

Den Schock, den das in der deutschen Managerwelt auslöste, kann man sich nicht groß genug
vorstellen – zumal er bei vielen, die ihre Steuern auf vergleichbarem
Weg hinterzogen haben könnten, nun die drängenden Fragen über
eine Selbstanzeige auslöste. Heute wissen wir allerdings gesichert, dass
das seinerzeit zumindest den damaligen Bayern-Manager Uli Hoeneß
nicht zum Umdenken gebracht hat.

So wird viel zu häufig mit zweierlei Maß gemessen. Das gilt auch für
den damaligen Post-Chef: In seiner eigenen Funktion als Aufsichtsratschef
der Telekom hingegen hatte Zumwinkel durchaus hart durchgegriffen,
als er im November 2006 den damaligen Vorstandsvorsitzenden
Ricke vor die Tür setzte. Damals lauteten seine Vorwürfe an Ricke,
dass sich die Investitionen der Vergangenheit nicht gerechnet hätten
und Versprechungen nicht eingelöst worden seien.

Mit zweierlei Maß

Diese Kritik formulierte Zumwinkel seinerzeit, ohne dabei ein Gefühl von Mitleid zu
vermitteln. Auch ohne die Diskussion über die mögliche Steuerhinterziehung
hätte sich der Post-Aufsichtsrat Zumwinkel deshalb längst an
den Kriterien messen können, die für die Telekom und Ricke gegolten
haben. Zumwinkels Investitionen in Amerika haben sich auch nicht
gerechnet – im Gegenteil stand zu seinem Abgang ein Rückzug bevor,
der ein Abenteuer beendete, das viele Milliarden Euro gekostet hat.

Seine Versprechungen mit Blick auf die Eroberung des amerikanischen
Markts hat er somit ebenfalls nicht eingelöst. Zumwinkel wollte rühmlicher gehen als Ricke. Doch alle ranghohen Politiker, die er kannte, waren am dunklen Donnerstagmorgen in Köln-Marienburg und am Tag danach keine Hilfe. Das Netz hielt nicht mehr.

Dennoch hat der Top-Entscheider für das Jahr 2008 als Einziger einen
Bonus erhalten. Gerade solche Entwicklungen haben mit dazu beigetragen,
dass der Ruf der Manager so schlecht ist. Erst fehlt die Reue
bei Fehlleistungen, dann gibt es hohe Abfindungen. Im Fall von Zumwinkel
waren es Pensionsansprüche von insgesamt 20 Millionen Euro,
die dieser sich auszahlen ließ, außerdem die Bonuszahlungen – mehr
als 480.000 Euro für zwei Monate.

Von Zumwinkel zu Hoeneß

Auch dem ehemaligen Manager des FC Bayern München, Uli Hoeneß,
half sein eigenes, engmaschiges Beziehungsnetz Jahre später nicht
mehr. Im Gegenteil muss er mit einer Haftstrafe von drei Jahren und
sechs Monaten für seine Steuerhinterziehung büßen  (von der er seit
Anfang 2015 allerdings den größten Teil als Freigänger mit einer geregelten
Arbeit bei seinem Fußballverein verbringen darf). Denn das
Landgericht München sprach den Präsidenten des FC Bayern München
im Frühjahr 2014 in einem der spektakulärsten Steuerverfahren in
Deutschland in sieben Fällen schuldig.

Das Gericht stufte die Selbstanzeige als unvollständig ein, also als nicht straf befreiend: Der Vorsitzende Richter sagte, die Selbstanzeige, die Hoeneß gut ein Jahr zuvor
abgegeben hatte, sei “nicht nur missglückt, sondern erkennbar unzureichend”
gewesen. Auf deren Grundlage habe das Finanzamt nicht
einmal eine Schätzung vornehmen können. Daran trage Hoeneß selbst
die Schuld. Sein Steuerberater habe nicht einfach nur “irgendeinen
Vermerk” vergessen.

Rechtzeitig reinen Tisch machen

Das Gericht nahm Hoeneß auch die Behauptung nicht ab, dass dessen
Bank alle Geschäfte alleine getätigt haben soll. Die Wirtschaftsstrafkammer
bezifferte den Steuerschaden auf 28,5 Millionen Euro.
Für das Strafmaß spiele es keine Rolle, ob weitere Auswertungen der
Bankunterlagen aus der Schweiz noch höhere Beträge ergeben sollten.

Offen ließ das Gericht zudem, ob die Selbstanzeige zu spät gekommen
war. Die Richter gingen zwar davon aus, dass Hoeneß sich aus
Furcht vor einer Entlarvung seines Kontos durch die Illustrierte “Stern”
selbst angezeigt habe: “Sie waren getrieben aus Angst vor Entdeckung.”
Schließlich hätte Hoeneß aber vorher Jahre Zeit gehabt, reinen Tisch
zu machen. In der Tat: Jahre lag zu diesem Zeitpunkt schließlich auch
schon der Fall Zumwinkel zurück.

Entscheidungen, die auf Intuition beruhen

Nicht selten müssen Entscheidungen getroffen werden, die auf
Intuition beruhen. In diesem Umfeld erlebte Klaus Zumwinkel seine
Sternstunden. Unterschiedlichste Bundeskanzler begleiteten mit ihm
den Umbau der Post von einer Behörde zum Unternehmen, der seine
Lebensleistung ist, später den Börsengang der Post, dann auch die
Übernahme und den späteren Börsengang der Postbank – zuletzt den
Kampf für einen möglichst hohen Mindestlohn, der den Wettbewerbern
ein rentables Briefgeschäft in Deutschland unmöglich macht.

Zumwinkel hat solche Schwierigkeiten angepackt – und in seinem
Sinne gelöst. Er hat das Vertrauen, das in ihn gesetzt wurde, wieder
und wieder bestätigt. Er hatte sogar damit begonnen, seinen geordneten
Rückzug vom Vorstandsvorsitz der Deutschen Post vorzubereiten.
Welcher Manager hat schon diese Weitsicht? Und dann klingelte die Steuerfahndung.

Wenn die Steuerfahndung einmal klingelt

Dann klingelte die Steuerfahndung an seinem Haus im Kölner Stadtteil
Marienburg. Es war noch nicht hell geworden an diesem 14. Februar im
Jahr 2008, als sich auf das blank polierte Markenzeichen Zumwinkel
der Schatten des bösen Verdachts der Steuerhinterziehung legte. Seine
hervorragenden Verbindungen in die Politik vermochten Zumwinkel
vor diesem Zugriff nicht zu schützen.

Und seine zahlreichen Managerfreunde verfolgten die Nachrichten atemlos: Ist er noch in seinem Haus? Gibt es einen Haftbefehl? Ist Zumwinkel da gerade in einem
silbernen Polizeifahrzeug abgeholt worden? Wie lange wird er bei der
Staatsanwaltschaft in Bochum bleiben müssen? Und nicht zuletzt: Was
genau ist denn eigentlich passiert?

Der größte Fehler seines Lebens

Zumwinkel war eine Compact Disc mit Kundendaten der Fürstlichen
Bank in Liechtenstein zum Verhängnis geworden, die den deutschen
Behörden zugespielt worden war. Auf dieser CD – und viele weitere
sollten folgen – befanden sich Namen weiterer reicher Deutscher, die
in den folgenden Jahren die Zahl der Selbstanzeigen nach oben getrieben
haben. Im Fall Zumwinkel ging es um nicht versteuerte Zinserträge
auf das ihm zuzurechnende Kapital einer Stiftung in dem Fürstentum
zwischen der Schweiz und Österreich.

Vor Gericht wurde klar, dass Zumwinkel in den Jahren von 2001 bis 2007 stolze 970.000 Euro an der Staatskasse vorbeigemogelt hatte. Immerhin: Vor Gericht nannte Zumwinkel
die Steuerhinterziehung den “größten Fehler” seines Lebens.
Er berichtete sogar von “persönlichen Bedrohungen, Brief- und Telefonterror,
Hausbelagerungen und Nachstellungen”. Die Richter hatten
kein Mitleid: Im Jahr 2008 verurteilte das Landgericht Bochum Zumwinkel
zu 24 Monaten Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe in
Höhe von einer Million Euro. Zumwinkel aber wollte in Deutschland nicht mehr leben, er ist inzwischen nach London umgezogen.

Die Tragweite der Entscheidung falsch eingeschätzt

Einen anderen Fehler hatte Zumwinkel schon ein paar Wochen vor
der Hausdurchsuchung begangen. Da ginge es um läppische 4,73 Millionen
Euro, die der Post-Chef aus einem Aktienverkauf erlöste, dessen
Zeitpunkt jegliches Fingerspitzengefühl vermissen ließ. Kurz zuvor
war der Aktienkurs der Post durch den politischen Beschluss zur Einführung
des recht hohen Mindestlohns stark gestiegen, was den Wert
der Aktien erheblich gesteigert hatte. Zugleich war aber auch klar,
dass der Mindestlohn vielen Angestellten privater Wettbewerber der
Post ihre Stelle kosten würde.

In dieser Situation war Zumwinkel –
angeblich oder tatsächlich – “die Tragweite der Entscheidung nicht
bewusst”, wie er damals nach Bekanntwerden des Aktiengeschäfts einräumte.
Das konnte man danach auch für den Umgang mit dem Geld in Liechtenstein
annehmen. So wurde Zumwinkel nicht nur der erste Vorstand
eines Unternehmens, das mit seinen Aktien im Aktienindex Dax vertreten
ist, der vor laufenden Kameras von der Polizei abgeführt wurde.

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2 Antworten zu “Lügner und Manipulatoren entlarven: Klaus Zumwinkel oder wenn Manager Fehler machen”

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