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Ein Kommentar zur Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungswachstum „(Keine) Lust auf Kinder?“ – 1/2: Flexibilität hat ihre Grenzen



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Während zahlreiche EU-Länder einen Wiederanstieg der Geburtenrate verzeichnen, bleibt Deutschland im globalen Vergleich mit einem der höchsten Anteile dauerhaft kinderloser Frauen eines der „Baby Blues“-Schlusslichter. Diese Bilanz zieht jedenfalls das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in seiner Studie zum Geburtenrückgang das für ein erhebliches Medienecho sorgte. Wo liegen die Gründe?


Hier schreibt für Sie:

 

70Marie-Luise Mähler arbeitete u.a. bei MTV oder im Pressereferat der Deutschen Botschaft in Brüssel.

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Bildungsniveau oft für Familienplanung entscheidend

Neben der generellen gesellschaftlichen Vereinzelungstendenz werden die Höhe des Bildungsgrades, berufliche Brüche im Lebenslauf sowie persönliche Ansprüche an die Elternrolle als entscheidende Einflussfaktoren für oder gegen eine Familienplanung genannt.

So haben Niedrigqualifizierte grundsätzlich häufig mehrere Kinder und leben in einer festen Beziehung, während Hochqualifizierte wesentlich häufiger in Singlehaushalten dauerhaft kinderlos leben. Je niedriger also der Berufsabschluss, desto wahrscheinlicher ist eine feste Partnerschaft mit mehreren Kindern.

Job sinnstiftender als Kinder?

Daraus kann man zum Einen schließen, dass persönliche Sinnsuche sich erst dann auf die Familie fokussiert, wenn alternative Entfaltungsmöglichkeiten – wie etwa bei einer kontinuierlich wachsenden Karriere – fehlen.

Zum Anderen wird aber auch deutlich, dass staatliche Förderungen gerade den vom sozialen Aufstieg behinderten Gruppen eine signifikante Unterstützung bieten und die Entscheidung für ein Kind stark begünstigen können.

Es fehlen finanzielle Anreize

So zahlt der Staat Müttern in Kindererziehungszeiten bis zu 36 Monate Rentenbeiträge, die in dieser Zeitspanne nicht mehr am persönlichen Lohn, sondern in etwa am bundesweiten Verdienstdurchschnitt bemessen werden. Davon profitieren insbesondere die Geringverdiener.

Wenn beide Partner Vollzeit arbeiten, bleiben diese zu über 46% kinderlos, so konstatiert die Studie weiter. Hier fehlt offenbar der Anreiz, zugunsten eines Kindes (vorübergehend) aus dem Beruf temporär auszusteigen.

Sorge um berufliche Zukunft als Hürde?

Berufstätigkeit – insbesondere in Vollzeit – scheint also entweder notwendig zu sein, um das Überleben zu sichern, oder Paare sind nicht bereit auf die Annehmlichkeiten des doppelten Vollzeitgehalts zu verzichten.

Allerdings könnte auch die Sorge um die berufliche Zukunft eine Hürde darstellen. Wie dem auch sei: Die Aussicht auf ein Kind scheint bei vielen Vollzeitbeschäftigten nicht so reizvoll zu sein, wie weiterhin Vollzeit zu arbeiten.

Die Verdienstschere klafft auseinander

Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) vermeldet im Juni 2012, dass die Reallöhne je Arbeitnehmer in den letzten zehn Jahren gesunken sind oder stagnieren.

Zwar sollen die Löhne – auch für Teilzeitkräfte und geringfügig Beschäftigte – dem Statistischen Bundesamt Wiesbaden zufolge inzwischen gestiegen sein, jedoch bestätigt auch diese Meldung eine weitere Spreizung der „Verdienstschere“.

Angst vor den wachsenden Kosten?

Hier zeichnet sich eine weitere Hauptursache des (Kein-) Kind-Dilemmas ab: Kinder kosten mit zunehmendem Alter mehr Geld.

Was tun, wenn ein (befristetes) Beschäftigungsverhältnis dem nicht durch entsprechende Entlohnung Rechnung trägt bzw. fraglich ist, ob eine Gehaltssteigerung in absehbarer Zeit noch eintritt? Und wenn ja, zu welchem Preis?

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