Kommunikation & Verbale (Er-)Schöpfung: Diesel-Gipfel & TV-Duelle


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Wenn in Politik und Wirtschaft wichtige ereignisse Besprochen werden, spricht man gerne von einem Gipfel. Und vor Wahlen gibt es viele TV-Duelle. Beides enthält Unnzufriedenheit und Streitpotenzial, aber auch interessante kommunikative Aspekte. Kommunikation & Verbale (Er-)Schöpfung: Diesel-Gipfel & TV-Duelle Kommunikation & Verbale (Er-)Schöpfung: Diesel-Gipfel & TV-Duelle

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Hier schreibt für Sie: Stefan Häseli ist Berater für Organisationsentwicklung. Profil

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Wortspielerei

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In Berlin haben sich vor einiger Zeit führende Vertreter aus Politik und (Automobil-) Industrie zum sogenannten „Diesel-Gipfel“ getroffen. Allein das Wort „Diesel-Gipfel“ ist schon ein Thema für sich. Das offizielle „Nationales Forum Diesel“, oder auch in der wohl bald etablierten Abkürzung NFD, macht es nicht wirklich besser.

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G20 war gestern – jetzt haben wir mit „Diesel-Gipfel“ eine kreative Schöpfung verbalen Ausdrucks, die durchaus ein potenzieller Kandidat für das „Wort des Jahres“ ist. Rudolf Diesel würde sich im Grab umdrehen. Ergebnis des Gipfels: 5,3 Millionen Fahrzeuge müssen mit entsprechender Software nachgerüstet werden und ein anständiges Handgeld wird in den „Nationalen Fond Mobilität“ gelegt.

Doch neben dem eigentlichen Beschluss wurden noch weitere „Maßnahmen“ angekündigt. Sie sollen eine neue „Verantwortungskultur“ fördern – das wäre dann auch schon der dritte passende Kandidat für unser Ranking.

Neue „Maßnahmen“

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Angedacht wurden beispielsweise Förderungen von E-Bussen im ÖPNV, Anschaffungsförderung für die emissionsarmen städtischen Nutzfahrzeuge und auch Taxis, Ausbau der öffentlichen und privaten Ladestruktur für Elektromobilität, einheitliche Digital-Tickets für öffentliche Verkehrsanbieter, Ausbau des Schienenverkehrs, Förderung des Radverkehrs, usw. usw.

Scheinbar gut durchdachte Möglichkeiten, die soweit ja nicht schlecht klingen und ordentlich was hermachen.

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Frage der Messbarkeit

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Das alles klingt nach wohl abgewogenen Worten, doch betrachten wir das Wort „Maßnahme“ einmal genauer: „Maßnahme“ kommt von „messen“, daraus resultiert ein konkretes „Messergebnis“ als verlässliche Aussage. Das was uns also als „Maßnahmen“ verkauft wird, ist in der Realität nichts anderes als eine reine „Worthülse“.

Kommunikativ bewegen wir uns in Schramm-Distanz zu einem Etikettenschwindel. Oder gibt es eine verlässliche Aussage für die „Förderung von E-Bussen im ÖPNV, Anschaffungsförderung für die emissionsarmen städtischen Nutzfahrzeuge und auch Taxis“? Und wie misst man „Ausbau der öffentlichen und privaten Ladestruktur für Elektromobilität, einheitliche Digital-Tickets für öffentliche Verkehrsanbieter, Ausbau des Schienenverkehrs, Förderung des Radverkehrs usw.“?

Der Schein trügt

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So streng wollen wir aber nicht sein! Sehen wir es im besten Fall und mit nachsichtiger Großzügigkeit in der Interpretation einfach einmal als gut gemeinte Absichtserklärungen. Und doch verkauft man es uns als „Maßnahmen“ und die Presse nimmt es gerne auf.

Nehmen wir ein anderes Beispiel als Vergleich: Kaufen wir ein Glas Aprikosenmarmelade, kommen wir nicht auf die Idee, dass wir Erdbeermarmelade darin finden werden. So liest man „Maßnahme“ und denkt „toll, es wird etwas unternommen“ oder „klasse, die tun endlich was“.

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Zwischen den Zeilen lesen

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Doch einmal mehr heißt es hier für uns Konsumenten nicht nur „Hinschauen“, sondern auch „Hinlesen“ – womit jetzt auch der letzte Bewerber um die Wort-Liste in den Startlöchern steht. Wer liest, dass „Maßnahme“ = „Förderung von…“ ist, kommt zu der bitteren Erkenntnis:

Da ist tatsächlich Erdbeere drin, wo Aprikose draufsteht. Zwar schmeckt Erdbeere oftmals besser als Aprikose, aber es macht sich wohl einfach besser, wenn auf dem Glas, das die Gäste sehen, eben Aprikose steht…

Ein nur wenig klareres Bild

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Auch schön sind die TV-Duelle vor Wahlen: Sie sind beliebt und auf vielen Sendern zu sehen. Dabei ist das Format längst überholt. Ein Beispiel für wenig begeisternde Kommunikation war das TV-Duell von Angela Merkel vs. Martin Schulz vor der Bundestagswahl 2017. Eine Analyse.

Nicht lange auf sich warten lassen dann immer die politischen Analysen, die bereits direkt im Anschluss über den Bildschirm flimmern. Die Meinungsumfragen ergeben ein nur wenig klareres Bild. Ein Abklatsch des Rededuells selbst. Auch in den Zeitungen ist oft zu lesen „Schulz war besser als vermutet, der Abstand bleibt“. Hand aufs Herz: So ein Verdikt hätte man getrost vorher formulieren können.

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Durchaus demokratisch

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Grundsätzlich war es eine faire Angelegenheit. Da wurden vorbereitete Fragen gestellt, aufmerksam zugehört, einander auch einmal recht oder Fehler zugegeben. Der gegenseitige Respekt war vorhanden – zwischen den Kandidaten aber auch von Seiten der Moderatoren.

Der Zuschauer spürt, dass man sich im Grunde kennt und wertschätzt. Im Nachhinein bemängeln viele die fehlende Schärfe oder Konfliktfreudigkeit. Eine Zeitung schrieb gar von „Kuschel-Atmosphäre“.

Durchaus ein „rundes Gespräch“

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Mir als Kommunikationsspezialisten gefallen allerdings „runde Gespräche“. Auch als Urdemokrat, der jährlich mindestens zu einer Wahl und zehn Sachabstimmungen gerufen wird, der aus einem Land kommt, das fast jede Bewilligung für eine Luftseilbahn einer Gemeindeversammlung vorlegt, gefällt der Stil der politischen Auseinandersetzung.

Es ist keine Show, sondern Teil des Entscheidungsprozesses und des Zusammenlebens. Beides braucht keine Gladiatoren, sondern verantwortungsvolle Bürger und Politiker. Kommunikativ sind mir im Verlauf der 1,5 Stunden aber auch Punkte aufgefallen, die mir etwas zu denken geben.

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Mangelnde Leidenschaft

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Nicht nur dass in rund 2/3 der Gesprächszeit in der Vergangenheitsform geredet wurde, auch beim restlichen Drittel blieb es meist bei Allgemeinplätzen. Wohlklingend, schön gemeint, aber wenig konkret, weil nicht gesagt wurde, was dann letztlich die Person auch wirklich tut. Weitaus dramatischer war wohl die mangelnde, ja fehlende Leidenschaft.

Es bleibt, was schon den ganzen Wahlkampf über zu beobachten war: Es reden in meiner Wahrnehmung zwei Technokraten, die beschreiben, was war oder ist, und was „man“ ändern müsste. Aber alles sehr flach. Ein „auf-oder-ab“ in der Stimme, eine wirkliche begeisterte Mimik? Beides war so gut wie nicht zu hören und zu sehen.

Mangelnde Präsenz

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Das hat nicht einmal etwas mit einem offenen Schlagabtausch zu tun. Aber die eigene Vision eines modernen Deutschlands sollte doch das Herz so richtig zum Ausbruch bringen?

Wer von einem Ziel beseelt ist, zeigt mehr Stimme, mehr Modulation, größere Gesten, die Augen leuchten mehr, er oder sie ist einfach präsenter. Nein, nicht einstudiert, sondern man lässt dem inneren Feuer das Fenster und so auch andere teilhaben. Das steckt an!

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Immer schön fair und korrekt

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Fast schon urkomisch die Form der „Diskussion“. Einst bei Nixons Wahlkampf eingeführt, erlebt der Zuschauer hier eine reine Form des vorbereiteten Konsums. Vier Moderatoren stellen abwechselnd Fragen – die Kontrahenten geben zeitgenommen Antwort.

Das ist fair, korrekt und kann man ja auch so stehen lassen. Aber moderne Medien funktionieren heute anders. Die Kommunikation ist (wieder) stärker dialogorientiert. Auf Facebook wird gelikt, Zeitungsartikel werden online kommentiert, Twitter-Aussagen werden weiter dargelegt, begründet und verändert.

Zu wenig Beteiligung als demokratisches Gut

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Das alles zeigt, dass Menschen heute nicht mehr „einfach nur dasitzen“ und berieselt werden möchten.

Zumindest im zweiten Teil eines solchen TV-Duells hätte das irgendwie genutzt werden müssen, will man denn zeigen, dass „Kommunikation und Beteiligung“ in der Demokratie im Grunde das Allerwichtigste ist.

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  2. Thomas Eggert

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