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Veränderung zum Traumjob: Besser kleine Schritte als Eskapismus

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Den Job einfach hinschmeißen und ganz neu anfangen: Wer hat sich das nicht schon ausgemalt? Ein radikaler Schnitt ist aber häufig weniger erfolgsversprechend als man denkt.

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Traumjob? Von wegen: Die Mehrzahl hat innerlich gekündigt

Nach dem jährlichen Gallup Engagement-Index sind gerade mal 13% der Arbeitnehmer in Deutschland emotional an ihr Unternehmen gebunden. Die Mehrzahl ist nur wenig emotional involviert und macht Dienst nach Vorschrift. Und mehr als ein Fünftel verspüren sogar gar keine emotionale Bindung zum Arbeitsplatz.

Mit anderen Worten: Diese Mitarbeiter hassen ihren Job und arbeiten aktiv gegen die Interessen des Unternehmens. Übrigens: Fast 70% der Mitarbeiter fühlen sich menschlich nicht genügend gewürdigt. Ebenso viele finden, dass sie eine Position ausfüllen, die ihrer Persönlichkeit nicht hundertprozentig entspricht. Die Schuld geben die meisten ihren Vorgesetzen. Ich jedoch finde: Jeder ist auch für sich selbst verantwortlich.

Das Problem betrifft auch Selbständige

Denn das Problem, keinen Bock mehr auf den Job zu haben, betrifft auch Selbständige. Die haben zwar Entscheidungsfreiheit, diese wird aber einerseits durch äußere Umständen (etwa Kundenwünsche) oft blockiert, andererseits stehen sich aber viele Menschen selbst im Weg. In ihrem Buch “Die Kunst, weniger zu arbeiten” beschreiben die Autoren Alex Braig und Ulrich Renz sehr schön, wie man sich seinen anfänglichen Traumjob selbst kaputt machen kann – am Beispiel eines Managers.

Der gründete aus einer kreativen, euphorischen Idee heraus zusammen mit Freunden ein Unternehmen, das bald floriert. Atemlos verbringt er die nächsten Jahre im Rausch der Aufbruchstimmung. Nichts ist für ihn wichtiger als die Arbeit, er fühlt sich wichtig in seiner Position und das Gefühl, große Aufgaben zu lösen, stärkt sein Selbstbewusstsein. Menschen, die eine 38-Stunden-Woche abarbeiten und freitags schon mittags nach Hause gehen, findet er geradezu empörend. Doch irgendwann verfliegt der Rausch.

Der Ausweg: Nur ein radikaler Schnitt?

Das Unternehmen wächst: Kalkulation, Kennziffern und Bilanzen gewinnen die Oberhand und pressen die Firma in ein starres Korsett, in dem kein Platz mehr ist für neue, kreative Ideen. Auch der gemeinschaftliche Unternehmensgeist aus der Anfangszeit, das Gefühl, dass alle zusammen anpacken und an einem Strang ziehen, verschwindet; bald kämpft jeder nur noch um sein Budget, Machtspielchen und Intrigen sind an der Tagesordnung. Denn jeder will seine Sicherheit und seine Besitzstände bewahren und Veränderungen machen Angst.


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Der Ausweg ist dann am Ende nur ein radikaler Schnitt: Ganz Aussteigen. Das Problem bei solchen Kurzschlussreaktionen ist, dass es sich eben oftmals nicht um eine vernünftige Überlegung handelt. Menschen, die hinschmeißen, haben sich oft zu lange zu viel gefallen lassen oder sich einfach überarbeitet. Und haben nicht bemerkt, dass es schon längst reicht. Und irgendwann ist das Maß voll und dann gibt es eine Kurzschlussreaktion. Peng. Vernünftig nachzudenken ist dann nicht mehr möglich. Positive Aspekte sieht man nicht mehr.

Neustart mit Bürde: Die alten Probleme und Ängste sind immer dabei

Mal abgesehen davon, dass sich das viele Leute schlicht nicht leisten können, einfach so aus ihrem Job auszusteigen oder gar nicht mehr zu arbeiten: In der Regel ist das keine Lösung. Denn die Probleme, seine Ängste, seine Schwächen, nimmt man ja beim Neustart mit. Und wird dann wieder – oder sogar noch stärker – damit konfrontiert. Was dagegen hilft, ist eine ehrliche Problemanalyse: Was genau verhagelt einem die Freude am Job? Was demotiviert? Und was kann man daran ändern?

Wenn der Vorgesetzte ein Vollidiot ist, kann vielleicht wirklich nur eine Kündigung helfen. Wenn die Schwierigkeit aber zum Beispiel darin liegt, dass man sich selbst hat zu viel gefallen lassen und einem zu wenig Respekt entgegengebracht wird, kann man das unter Umständen auch selbst ändern – und sich so vor der inneren Kündigung und dem Eskapismus bewahren.


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