6 Tools für Robot Recruiting im Mittelstand: Eingestellt vom Roboter? – BEST OF HR | B E R U F E B I L D E R . D E

6 Tools für Robot Recruiting im Mittelstand: Eingestellt vom Roboter?


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Big Data, Algorithmen, Matching & Co könnten gerade dem Mittelstand helfen, hochqualifizierte Mitarbeiter zu finden. Gerade für KMU stehen hier zahlreiche günstige Lösungen zur Verfügung. 6 Tools im Überblick.

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Hier schreibt für Sie: Wolfgang Brickwedde ist Director des Institute for Competitive Recruiting in Heidelberg.

Wie Robot Recruiting die Arbeit vereinfacht

Das Leben von Susanne E., Recruiterin bei der Firma FerroStahl, einem Unternehmen mit 458 Mitarbeitern auf der Schwäbischen Alb, ist so viel schöner und einfacher geworden seit „Kollege Computer“ mithilft: Ihre Stellenanzeigentexte werden online optimiert, damit sie mehr Resonanz erhält oder dem neuen Diversity-Programm entsprechend Frauen erfolgreicher anspricht.

Ein Knopfdruck genügt und die optimierte Stellenanzeige wird an über 250 Jobbörsen verteilt und die Bewerber melden sich. Deren Lebensläufe werden automatisch ausgelesen und in die entsprechenden Felder in ihrem Bewerbermanagementsystem eingetragen.

Ein Knopfdruck genügt

Dann erhält Susanne E. um 10 Uhr per E-Mail einen frischen Satz an potentiellen Bewerbern, die auf ihre gesuchten Profile passen, ohne dass sie etwas tun muss. Eine weitere Software macht ihr Vorschläge, auf welche ihrer Jobs die Bewerberprofile passen würden.

Sie schaut sich schnell an, was für ein Persönlichkeitsprofil die potentiellen Bewerber haben, überlegt, ob diese zum Team und ins Unternehmen passen. Dann entscheidet sie auf Basis der Email-Vorschläge aus der Persönlichkeitsprofil-Software, wie sie die Kandidaten am besten anspricht. Die Öffnungs- und Antwortraten der Angesprochenen werden in Echtzeit erfasst und Susanne E. optimiert die Betreffzeile noch etwas, damit die Antwortrate über dem Durchschnitt liegt.

Talentpools & automatisierte Telefoninterview-Software

Falls das noch nicht ausreicht, kann sie auf einen Talentpool von über 1,5 Milliarden Profilen zugreifen, aus dem sie schnell die passenden Profile herausfindet und zusätzlich die Wahrscheinlichkeiten für deren Wechsel- und Umzugsbereitschaft geliefert bekommt.

Bei der Auswahl der Bewerber hilft ihr eine automatisierte Telefoninterview-Software, die das früher notwendige Assessment-Center durch ein 20-minütiges „Robot-Telefoninterview“ ersetzt hat.

Schöne neue Recruiting-Welt?

Früher war das alles viel komplizierter, durch die viele manueller Arbeit auch fehlerbehafteter und weniger objektiv. Jetzt hat Susanne E. mehr Zeit, um mit ihren Fachvorgesetzten die Herausforderungen der Vakanzen, die Arbeitsmarktsituation und die Recruitingstrategie zu besprechen. Insgesamt ist sie mit ihrer Arbeitssituation mehr als zufrieden.

Das Ganze klingt wie Zukunftsmusik oder nur was für Konzerne? Alle dargestellten Möglichkeiten sind heute schon verfügbar, teilweise sogar kostenlos. „Robot Recruiting“ heißt das Stichwort. Doch was verbirgt sich hinter dem Schlagwort?

Robot Recruiting und wie KMU es nutzen können

Mit dem Begriff Robot Recruiting wird eine teilweise Automatisierung und Unterstützung des Rekrutierungsprozesses beschrieben. Zum Teil schildern das die Medien etwas effektheischend, als würden die Jobs schon bald nicht mehr der Personaler, sondern ein Algorithmus vergeben. Soweit ist es allerdings noch nicht.

Vielleicht kann man es analog zum Autofahren so sehen: Es gibt immer mehr Fahrer-Assistenzsysteme, die den Weg von A nach B erleichtern. Das autonome Fahren steht zwar vor der Tür. Aber es gibt auch einen entscheidenden Unterschied: Bei der Fahrt von A nach B kommuniziert das Auto hauptsächlich mit anderen Sachen – anderen Autos, Verkehrsschildern, Leitplanken oder den Staunachrichten. Beim Recruiting kommunizieren immer Menschen miteinander. Insofern passt die Analogie der Fahrer-Assistenzsysteme besser.

Welche Systeme stehen zur Verfügung?

Ein wichtiger Bestandteil des Robot Recruiting ist die Nutzung von Big Data bzw. Smart Data (da dies die Nutzungsmöglichkeit von Big Data einschließt). Algorithmen unterstützen die Effizienz der Big-Data-Anwendungen. Matching (von Jobs mit Bewerbern oder umgekehrt sowie von Bewerbern mit Unternehmenskulturen) beruht z.B. auf Algorithmen.

  1. Stellenanzeigen-Software: Die angesprochene Stellenanzeigen-Software beruht auf der Auswertung von über einer Million Stellenanzeigentexten und deren Erfolg in Form von Bewerbungen. Im Umkehrschluss wird dann in Echtzeit die Erfolgswahrscheinlichkeit des eingegeben Stellenanzeigentextes berechnet. Derartige Software ist im Moment nur auf Englisch verfügbar und daher für KMU nur eingeschränkt nutzbar .Die Verteilung der Stellenanzeigen per Knopfdruck an bis zu 250 Jobportale wird bereits von fast 20 Prozent der Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitern genutzt und nennt sich Multi-(Job-)Posting. Hier starten die Preise bei 300 bis 400 € pro Anzeige.
  2. Parsing: Das geschilderte automatische Einlesen der Lebensläufe nennt sich Parsing und ist mittlerweile bei vielen Bewerbermanagementsystemen Teil des Lösungsumfangs, aber auf Nachfrage auch separat erhältlich. Diese Möglichkeit wird von 82 Prozent der KMU bei der Auswahl einer Software laut E-Recruiting Software Report für wichtig oder sehr wichtig erachtet.
  3. Active Sourcing & Matching-Software: Die um 10 Uhr bei Susanne E. automatisch eingehenden Vorschläge für passende Bewerber kommen z.B. von Suchaufträgen bei XING. Von denen sind im Premium-Account für ca. 7 Euro/Monat immerhin fünf inkludiert. Die Suchaufträge sind Teil der Active Sourcing Aktivitäten, die bereits fast jedes dritte KMU unternimmt, um an interessante Talente zu kommen. Die Matching-Software, die ihr die Vorschläge für die passenden Vakanzen macht, beruht auf Algorithmen und ist im Moment nicht separat sondern nur in Rahmen eines Projektes verfügbar.
  4. Die Software zur Erstellung einer Persönlichkeitsprofilanalyse: Die Software zur Erstellung einer Persönlichkeitsprofilanalyse und der passenden E-Mail- Vorschläge ist eine besonders beeindruckende Anwendung von Smart Data: Aus dem „digitalen Fußabdruck“, also aus Daten, die ein Internet-Nutzer in verschiedenen Quellen hinterlassen hat, kann ein Persönlichkeitsprofil mit teilweise erschreckender Genauigkeit erstellt werden. Wie es genau funktioniert, ist ein Betriebsgeheimnis. Aber als Freemium-Lösung können auch KMU das einmal, am Anfang kostenfrei, für sich ausprobieren.
  5. Talentsuchmaschinen: Mit Big Data arbeiten auch sogenannte Talentsuchmaschinen, die aus vielen verschiedenen sozialen Netzwerken und Communities öffentlich verfügbare Informationen über potentielle Kandidaten zusammenziehen und als leicht durchsuchbare Datenbank von mehr als 1,5 Milliarden Datensätzen wieder für Recruiter und Personaler zur Verfügung stellen. Die Preise hierfür starten bei mittelstandsfreundlichen 300 € im Monat. Dort sind zum Teil auch Algorithmen enthalten, die die Wechsel- und Umzugsbereitschaft der Kandidaten berechnen.
  6. Sprachanalyse-Technologie beim Telefoninterview: Das „Robot-Telefoninterview“ beruht auf Sprachanalysetechnologie und dekodiert geschriebene und gesprochene Sprache und liefert Einblicke in das Zusammenspiel von Persönlichkeit, Kommunikation und Verhalten. Die Software nutzt Sprache und Text, um ein valides Bild von Bewerbern zu zeichnen.

In Summe gibt es also einige kostenfreie und kostengünstige Lösungen, die auch KMU in der Digitalisierung ihres Recruitingprozesses einsetzen können.

Wo liegen die Grenzen des Robot Recruiting?

Recruiting befindet sich immer mehr im Spannungsfeld zwischen Mensch und Maschine. Aber falls man einen Prozess computer-gestützt durchführen will, dann sollte man die erfolgreichen Strategien kennen, ansonsten reproduziert man einen schlechten Recruitingprozess nur digital. Das Ergebnis ist dann weder für Mensch noch für Maschinen ideal.

Nur jedes fünfte KMU weiß im Detail, aus welcher Quelle die Einstellungen kamen. Mit anderen Worten: Die meisten Unternehmen wissen heute nicht, was in der Rekrutierung funktioniert hat und was nicht. Und wer die Erfolgsmuster nicht kennt, kann sie auch nicht rechnerunterstützt abbilden.

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