G20-Gipfel - 4 Thesen: Lehrstück in Kommunikation


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In den vergangenen zwei Wochen hielt und medial der G20-Gipfel in Hamburg in Atem. Bereits im Vorfeld umstritten, mündete er in den gewalttätigen Bildern vom vergangenen Wochenende. Wie schwierig allerdings die Kommunikation darüber ist, zeigt nicht zuletzt die TV-Talkshow Maischberger vom vergangenen Mittwoche, die Wolfgang Bosbach schließlich unter Protest verließ.



Hier schreibt für Sie: Stefan Häseli ist Berater für Organisationsentwicklung. Profil

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Medien-Konsum als Suchtmittel

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Der G20-Gipfel ist vorüber. Auch wenn die verbrannte Erde in Hamburg viel Ärger und Unmut zurückgelassen hat, sind die empörten Menschen in ganz Europa größtenteils wieder in den Alltag abgetaucht.

Allein diejenigen in Hamburg, die ihr Haus, ihren Laden, ihr Hab und Gut wieder aufbauen müssen, werden noch lange damit beschäftigt sein – physisch und psychisch.

Welche Fragen wirft die Kommunikation auf?

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Sind die einen bereits im Urlaub, folgen für die anderen oftmals zermürbende Gespräche mit Versicherungen und Anwälten. Und die Aufmerksamkeit der einst so aufgebrachten Medienkonsumenten ist längst beim nächsten Thema.

Lassen wir die Frage nach der politischen und gesellschaftlichen Nachhaltigkeit sowie die psychologische Analyse der Gewaltbereitschaft anlässlich der Krawalle rund um den G20-Gipfel in Hamburg außen vor, lässt der Fokus auf die Kommunikation doch ein paar bemerkenswerte Aussagen zu.


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Wo spielt die Kommunikation eine Rolle?

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Erlauben Sie mir hier eine kleine Zahlenspielerei. Rund 150 Mio € waren die Sicherheits- und Folgekosten. Weitere 50 Mio € kommen wohl noch an Schadenssumme dazu. Die reinen Gesprächszeiten unter den G20-Gipfel-Teilnehmern waren auf wenige Stunden beschränkt.

Wenn jeder mit jedem reden wollte und wir das durch die Gesamt-Sitzungszeit durchdividieren, hat wohl ein Dialog ca. 1000 Worte umfasst. 20 x ein solches Gespräch macht 20.000 Worte und das für rund 200 Mio €, ergibt rund € 10.000,--/Wort. Die Frage bleibt: Ist das nicht günstiger zu haben?

4 Thesen zur Kommunikation bei G20

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Es geht mir hier weder um eine etwaige politische Würdigung oder Verurteilung, noch um eine Diskussion über den Trend zu sinnlosem Gewalttourismus. Rein aus dem Fokus der Kommunikation, die schlussendlich für Vieles in unserem Leben verantwortlich ist, sind allerdings in der Tat ein paar bemerkenswerte Aussagen zu machen.

1. Kommunikation zur Friedenssicherung

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Grundsätzlich war und ist die Idee, mit den G20-Gipfeln die Kommunikation unter den selbst ernannten, wichtigsten Staaten sicherzustellen. Hier kann sicher guten Gewissens einmal festgehalten werden: Solange sie miteinander reden – von Person zu Person – ist das ein gutes Zeichen. Kommunikation war und ist, sofern sie ehrlich benutzt wird, auch Teil der Friedenssicherung.

Egal was dabei herauskommt – solange man noch zusammen am selben Tisch isst, ist’s gut. Wahre Kommunikation wäre aber wohl auch in der Politik besser eine Zweiweg-Kommunikation oder eine wechselseitig gestaltete Beziehung. Mal redet der eine und der andere nimmt das ernst, mal umgekehrt. Mal die politische Führung, mal das Volk.

2. Kommunikationskanal Gewalt

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Die Gewaltausbrüche spielen verständlicherweise in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit eine sehr dominierende Rolle. Da stellt sich die Frage:


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  • Ist Gewalt allenfalls ein – zugegebenermaßen sehr schlechter – Kommunikationskanal?
  • Wären Gewaltexzesse eventuell zu vermeiden, wenn sich machtlos fühlende Menschen anderweitig äußern könnten?

Es geht hier nicht um die gewaltsuchenden – zum Teil aus mehreren hundert Kilometern angereisten – „Gäste“, sondern um diejenigen, die ihr „Demonstrieren“ wohl friedlich planen, aber dank ihrer Aktivitäten auch Medien und Aufmerksamkeit anlocken. Ohne die würden ebenfalls die Gewaltauswüchse weniger „Fenster“ erhalten.

3. Kommunikation = Denk es – sag es – tu es!

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Rund um den G20-Gipfel gab es „hervorragende“ Lehrbeispiele in Sachen Kommunikation. Da kündigt Herr Trump ein paar Tage zuvor das Pariser Klima-Abkommen. Die Empörung ist groß und aus meiner Sicht ist es auch wirklich politisch wie kommunikativ ein schlechtes Zeichen. Auf der anderen Seite sei die Frage erlaubt:

Ein Abkommen, das alle unterschreiben und als wichtig ansehen, an das sich anschließend dann aber doch niemand hält, ist wohl auch ein Stück weit Etikettenschwindel. Man sagt etwas, tut es aber nicht. Ist auch nicht glaubwürdig, langfristig. Im Grunde kann durchaus einmal ganz nüchtern festgehalten werden: Da unterschreibt einer ein Abkommen nicht, an das sich eh niemand hält. Ist vielleicht ehrlicher. Obwohl es dem Betroffenen wohl nicht ausschließlich um die Ehrlichkeit ging...

4. Krisenkommunikation nur Allgemeinplätze

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Zu guter Letzt wurde ein weiteres Kapitel in Krisenkommunikation geschrieben. Herr Scholz, Bürgermeister von Hamburg, im Vorfeld voll des Lobes für den Gipfel, hat seine klaren Worte in der Schublade gelassen, als es mit den Krawallen losging.

Der eigentliche Gastgeber schwieg erst, bevor er via Sprecher ein paar Sätze ausrichten ließ, in denen er den Polizisten dankte. Dass die Gewalt trotz angeblich "sorgfältiger Vorbereitung" nicht habe verhindert werden können, sei "bedrückend", so das Statement. Das sind Allgemeinplätze und geschliffene Retorten-Phrasen aus der politischen Rhetorik. Echte Betroffenheit und Schockierung lesen sich anders.

Fazit

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Ein G20-Gipfel, der ein politisches Nachspiel, aber wohl nicht im Sinne der Teilnehmenden hat, ist vorüber. Für Menschen, die sich für Kommunikation interessieren, war er ein Labor voller Lehrstücke. Und es zeigt eines: Leben ist Kommunikation und Kommunikation ist Leben.


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