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TV-Duell zur Bundestagswahl begeistert nicht: Merkel vs. Schulz in der Kommunikationsanalyse


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Immerhin auf vier Sendern zur Prime Time zu sehen – das TV-Duell von Angela Merkel und Martin Schulz. Zusammenfassend lässt sich sagen: Wenig Feuer im überholten TV-Format. Und doch lohnt sich eine rein kommunikative Betrachtung.



Hier schreibt für Sie: Stefan Häseli ist Berater für Organisationsentwicklung. Profil

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Ein nur wenig klareres Bild

Nicht lange auf sich warten lassen die politischen Analysen, die bereits direkt im Anschluss über den Bildschirm flimmern. Die Meinungsumfragen ergeben ein nur wenig klareres Bild.

Ein Abklatsch des Rededuells selbst. Auch in den Zeitungen ist oft zu lesen „Schulz war besser als vermutet, der Abstand bleibt“. Hand aufs Herz: So ein Verdikt hätte man getrost vorher formulieren können.

Durchaus demokratisch

Grundsätzlich war es eine faire Angelegenheit. Da wurden vorbereitete Fragen gestellt, aufmerksam zugehört, einander auch einmal recht oder Fehler zugegeben. Der gegenseitige Respekt war vorhanden – zwischen den Kandidaten aber auch von Seiten der Moderatoren.

Der Zuschauer spürt, dass man sich im Grunde kennt und wertschätzt. Im Nachhinein bemängeln viele die fehlende Schärfe oder Konfliktfreudigkeit. Eine Zeitung schrieb gar von „Kuschel-Atmosphäre“.

Durchaus ein „rundes Gespräch“

Mir als Kommunikationsspezialisten gefallen allerdings „runde Gespräche“. Auch als Urdemokrat, der jährlich mindestens zu einer Wahl und zehn Sachabstimmungen gerufen wird, der aus einem Land kommt, das fast jede Bewilligung für eine Luftseilbahn einer Gemeindeversammlung vorlegt, gefällt der Stil der politischen Auseinandersetzung.

Es ist keine Show, sondern Teil des Entscheidungsprozesses und des Zusammenlebens. Beides braucht keine Gladiatoren, sondern verantwortungsvolle Bürger und Politiker. Kommunikativ sind mir im Verlauf der 1,5 Stunden aber auch Punkte aufgefallen, die mir etwas zu denken geben.

Mangelnde Leidenschaft

Nicht nur dass in rund 2/3 der Gesprächszeit in der Vergangenheitsform geredet wurde, auch beim restlichen Drittel blieb es meist bei Allgemeinplätzen. Wohlklingend, schön gemeint, aber wenig konkret, weil nicht gesagt wurde, was dann letztlich die Person auch wirklich tut. Weitaus dramatischer war wohl die mangelnde, ja fehlende Leidenschaft.

Es bleibt, was schon den ganzen Wahlkampf über zu beobachten war: Es reden in meiner Wahrnehmung zwei Technokraten, die beschreiben, was war oder ist, und was „man“ ändern müsste. Aber alles sehr flach. Ein „auf-oder-ab“ in der Stimme, eine wirkliche begeisterte Mimik? Beides war so gut wie nicht zu hören und zu sehen.

Mangelnde Präsenz

Das hat nicht einmal etwas mit einem offenen Schlagabtausch zu tun. Aber die eigene Vision eines modernen Deutschlands sollte doch das Herz so richtig zum Ausbruch bringen?

Wer von einem Ziel beseelt ist, zeigt mehr Stimme, mehr Modulation, größere Gesten, die Augen leuchten mehr, er oder sie ist einfach präsenter. Nein, nicht einstudiert, sondern man lässt dem inneren Feuer das Fenster und so auch andere teilhaben. Das steckt an!

Immer schön fair und korrekt

Fast schon urkomisch die Form der „Diskussion“. Einst bei Nixons Wahlkampf eingeführt, erlebt der Zuschauer hier eine reine Form des vorbereiteten Konsums. Vier Moderatoren stellen abwechselnd Fragen – die Kontrahenten geben zeitgenommen Antwort.

Das ist fair, korrekt und kann man ja auch so stehen lassen. Aber moderne Medien funktionieren heute anders. Die Kommunikation ist (wieder) stärker dialogorientiert. Auf Facebook wird gelikt, Zeitungsartikel werden online kommentiert, Twitter-Aussagen werden weiter dargelegt, begründet und verändert.

Zu wenig Beteiligung als demokratisches Gut

Das alles zeigt, dass Menschen heute nicht mehr „einfach nur dasitzen“ und berieselt werden möchten.

Zumindest im zweiten Teil eines solchen TV-Duells hätte das irgendwie genutzt werden müssen, will man denn zeigen, dass „Kommunikation und Beteiligung“ in der Demokratie im Grunde das Allerwichtigste ist.

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