Globale Studie zum Wandel der Arbeitswelt: Coworking – Zukunfts-Trend oder Hype?

Seit 2006 das erste Coworking-Space in San Francisco gegründet wurde, hat sich viel getan: Mittlerweile gibt es weltweit 2498 Coworking Spaces in 80 Ländern. Eine aktuelle globale Studie zeigt: Die Arbeitswelt befindet sich offenbar in einem grundlegenden Wandel. Oder ist der Trend nur ein Hype?

B E R U F E B I L D E R . D E    by Simone Janson013

Wer steht hinter der Studie?

Die Globale Coworking-Erhebung wurde im Februar 2013 von Deskwanted.com erstellt. Nicht nur, weil ich in der Pressemitteilung zur Studie als Expertin zitiert wurde, fand ich diese Studie interessant

Denn Deskwanted ist ein globales Netzwerk von Coworking Spaces und Gemeinschaftsbüros. Personen können hier kurz- oder längerfristig einen Arbeitsplatz auf der ganzen Welt finden. Neben einem Such- und Buchungssystem bietet Deskwanted auch ein web-basiertes Management-Tool zur Verwaltung von Arbeitsplätzen.

Woher stammen die Daten der Studie?

Die Daten hat Deskwanted daher zum Großteil aus erster Hand: Sie stammen aus dem eigenen Buchungssystem, daneben auch aus Sozialen Medien und Nachrichtenartikeln. Gezählt wurden Coworking Spaces, welche flexible Mitgliedschaften bieten.

Nicht gezählt wurden Firmen oder Privatpersonen, welche freie Flächen oder Seminarräume anbieten. Die Daten der Erhebung veröffentlicht Deskwanted.com unter einer Creative Commons Lizenz unter

Fakten im Überblick

Eine Ergebnisse der Studie im Überblick:

  • der erste Coworking Space eröffnete 2006 in San Francisco.
  • Coworking Spaces sind gemeinschaftliche Büros und Räume, die von verschiedenen, unabhängig voneinander agierenden Personen und Firmen als Hauptarbeitsplatz benutzt werden. Verbunden sind sie durch gemeinschaftliche Werte und gegenseitig ergänzende Fähigkeiten.
  • Coworker arbeiten eigenverantwortlich in wechselnden Projekten und sind mehrheitlich Selbstständige oder Existenzgründer.
  • Internet, Schreibtisch, Kaffeemaschine, Konferenzraum, Telefon und Drucker gehören zur Grundausstattung der meisten Coworking Spaces.
  • Laut eigener Aussage arbeiten Coworker produktiver, kreativer und profitieren von vielfältigen Kontakten und Netzwerken in Coworking Spaces.
  • Weltweit gibt es 2498 Coworking Spaces in 80 Ländern.
  • In Deutschland gibt es 222 Coworking Spaces, davon existieren die meisten in Berlin (68).
  • Der Preis für einen Schreibtisch in Deutschland beginnt bei zehn Euro pro Tag und liegt durchschnittlich bei 191 Euro pro Monat.
  • Die jüngsten Coworking Spaces eröffneten 2013 im Senegal und in Jordanien.

Coworking – Zukunfts-Trend oder Hype?

Klingt alles super – dennoch bin ich ein wenig skeptisch. Zwar geht – so werde ich auch in der Pressemitteilung zitiert -  der allgemeine Trend hin zu wechselhaften Erwerbsbiografien und gerade für junge Unternehmen ist die Auftragslage oft noch zu unsicher, um sich ein teures Büro zu mieten oder feste Mitarbeiter einzustellen. Und natürlich klingt es da logisch, Coworking als flexible Alternative zur herkömmlichen Büroarbeit zu sehen.

Wenn ich mir aber nun die Coworking-Spaces anschaue, die ich seit Jahren weltweit unter die Lupe nehme, dann zeigt sich: Ob in Neuseeland, Kanada, Lettland oder Frankreich, immer konnte ich beobachten, dass Coworking-Spaces gegründet wurden, weil den Inhabern, in der Regel Freelancern, zu Hause die Decke auf den Kopf gefallen war.

Produktiv & Inspirierend?

Kein einziger Inhaber eines Coworking-Spaces nannte mir als Grundgedanken, dass er mit anderen gemeinsam produktiver ist oder mehr Inspiration benötigte. Diese Aspekte kristallisierten sich meist erst im Laufe der Zeit heraus, oder aber sie waren von Beginn an hauptsächlich ein Marketing-Argument, um Kunden anzulocken.

Ich unterstelle jetzt einfach mal, dass das gemeinsame, produktivere Arbeiten gar nicht der eigentliche Zweck dieser kollaborativen Arbeitsformen ist. Vielen geht es einfach darum, mit anderen zusammen zu sein. Und da stellt sich die Frage: Ist Coworking vielleicht doch nur ein Hype, der nach einiger Zeit wieder zum erliegen kommt – zum Beispiel weil die Leute doch feste Büroräume und Arbeitsformen vorziehen?


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