Mundpropaganda für das Employer Branding: Mit Gelassenheit gegen Fachkräftemangel?

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13.03.2015 334 Leser 10 Debatten 552 Wörter Lesezeit: 3 Minuten, 19 Sekunden
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Es gibt Branchen, da herrscht tatsächlich so etwas wie Fachkräftemangel. Doch Unternehmen tragen durch fehlende Ausbildungsbereitschaft selbst dazu bei. Wie geht es besser?

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Wenn die Hotelchefs klagen

Gerade von Hotelchefs habe ich das hohe Lied des Fachkräftemangels oft gehört: Im sächsischen Elbsandsteingebirge etwa klagte die Chefin eines Hotels darüber, dass sie hier in der Provinz keinen fände, der den Job machen wolle – und dass sie selbst daher jeden morgen ab 6 Uhr an der Rezeption stehen müsse.

Der Tourismus-Direktor einer bayrischen Gemeinde wies mich darauf hin, dass ein Job im Tourismus für junge Leute mit einem Schlag den Verlust ihres gesamten sozialen Umfelds bedeute – und entsprechen unanttraktiv sei. Und in Bonn erklärte mir ein Sales-Manager, schuld am Fachkräftemangel sei die Akademisierung. Er sagte sinngemäß:

„Seit einiger Zeit haben die Hochschulen, ja auch nach Studierenden suchen, die Branche für sich entdeckt. Und die trichtern den Studierenden häufig unrealistische Vorstellungen, z.B. beim Gehalt ein. Und mit diesen überzogenen Vorstellungen kommen die Absolventen dann auf den Arbeitsmarkt.”

Fachkräftemangel – ein Problem nicht nur im Tourismus?

Mein Fazit nach diversen Gesprächen dieser Art: Im Tourismus herrscht wohl tatsächlich eine Art Fachkräftemangel. Zumindest höre ich das Klagen darüber, dass sie keine Leute finden, hier sehr oft.

Ungünstige Arbeitszeiten, viele Überstunden und schlechte Bezahlung verschrecken potentielle Mitarbeiter. Auch hohe Fluktuation ist in Problem. Da müssen sich die Arbeitgeber schon etwas besonderes einfallen lassen, wenn Sie gute Mitarbeiter gewinnen und halten wollen.

Innovative Strategien

Markus Gutheinz (siehe Bild Mitte) hat das getan – und ist dafür in Österreich gerade als Ausbilder des Jahres ausgezeichnet worden. Um das Tannheimer Tal, eine entlegene Region im Norden Österreichs und Standort seines Hotels, für junge Leute attraktiv zu machen, vergütet er nicht nur jede Überstunde, sondern stellt auch Wohnung, Essen und Arbeitskleidung.

Auch die Behandlung der Mitarbeiter spielt eine wichtige Rolle: Sie dürfen wie die Gäste auch überall hin und auch das Spa benutzen.

Ausgefeiltes Weiterbildungskonzept

Zusätzlich setzt Gutheinz auf ein ausgefeiltes Weiterbildungskonzept: Neben der Berufsschule lernen die Auszubildenden in einer eigenen Akademie Fachwissen und SoftSkills. Denn bereits in den 90ern erkannte Gutheinz, dass gute Leute nur unter besonderen Bedingungen in entlegene Regionen kommen werden.

Heute ist sein Hotel eine echte Arbeitgebermarke mit 128 Mitarbeitern aus 14 Nationen darunter auch erstaunlich viele Deutsche. Das Jungbrunn als Referenz im Lebenslauf ist mittlerweile viel wert, wie mir eine Mitarbeiterin sagt.

Wenn Unternehmen Investitionen scheuen

Besonders begeistert hat mich dabei folgender Aspekt: Von vielen Unternehmen höre ich immer wieder die Befürchtung, dass die mühsam und teuer ausgebildeten Fachkräfte ja irgendwann zur Konkurrenz abwandern könnten.

Daher scheuen sie die Investition in deren Ausbildung, die ja ihr Fachkräftproblem beheben könnte – und genau da beisst sich die Katze oftmals in den Schwanz und ein fataler Teufelskreis aus fehlender Ausbildung und Fachkräftemangel beginnt.

Fluktuation gehört zum Geschäft

Markus Gutheinz hingegen hat da eine ganz andere Haltung – er ist in diesem Punkt völlig gelassen: „Fluktuation gehört im Tourismus dazu. Wir motivieren die Leute sogar, in anderen Häusern Erfahrungen zu sammeln“, sagt er. Der Erfolg gibt ihm recht und so mancher der gut ausgebildeten Mitarbeiter kommt sogar Jahre später wieder.

„Die Mitarbeiter sind der Spiegel der Firmenphilosophie“, erklärt der Hotelier, der damit eines erkannt hat: Wertschätzung für die Mitarbeiter ist das beste Personalmarketing.

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