Corona hat die Tourismus entscheidend verändert. Im Zentrum der neuen Entwicklung stehen Slow Travel, Längere Aufenthalte vor Ort, grenzüberschreitende Gesundheitsprojekte  – und künstliche Intelligenz.

Die Zukunft des Reisens: Slow Tourism, gesunde Nachhaltigkeit & Workations

Wie Corona das Reisen verändert

Die Corona-Pandemie hat zweifellos bei vielen Menschen die Sehnsucht nach Ruhe und Natur befördert und vielleicht auch unsere Art des Reisens verändert. Die teilweise anstrengenden Pandemiemonate haben viele Menschen an den Rand des Burnouts gebracht. Andere haben durch ausgedehnte Spaziergänge die heimische Flora und Fauna kennen und schätzen gelernt.

Man lässt sich Zeit und hetzt ihr nicht hinterher, man vermeidet stundenlange Fahrten, während denen man die Landschaften mit hoher Geschwindigkeit vorbeiziehen sieht, ohne ihren Reichtum zu schätzen. Man vermeidet Aktivitäten, von denen man letztendlich wenig profitiert. Und auch der Klimawandel trägt dazu bei, dass wir uns auch beim Reisen immer mehr dem Thema Nachhaltigkeit widmen.

Die Zukunft des Reisens: Slow Tourism, gesunde Nachhaltigkeit & Workations

Nachhaltige Entschleunigung boomt

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Slow Tourismus heißt diese neue, eigentlich altbekannte Variante des Reisens, die auch immer mehr Tourismus-Destinationen für sich entdecken. Indem man Slow Tourismus praktiziert, verzichtet man auf anstrengende Ferien: Jeder Aufenthalt ist ein Moment zum Entspannen und Spazieren, um einen Ort vollständig zu entdecken. Insbesondere bedeutet das: Sanfte Mobilität (Radfahren, Wandern, Elektromobilität etc.), Austausch mit Einwohnern und lokalen Tourismusakteuren, Konsumieren und Schätzen lokaler Produkte, Sich Zeit nehmen, um die Landschaften zu genießen und durch die umliegende Natur zu spazieren.

Ein Trend, der dem Klimawandel geschuldet ist und gut zum Thema Slow Travel passt: Immer mehr Kunden erwarten im Zuge eines wachsenden Umweltbewusstseins nachhaltige, ökologische Tourismusangebote. Das gilt gerade auch im Geschäftstourismus, da große Unternehmen verpflichtet sind, ihre Klimabilanzen auszugleichen.

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Auszeit mit Kneipp-Kur hinter Klostermauern

Eine gute Möglichkeit, die Anzeichen eines angehenden Erschöpfungssyndroms frühzeitig zu erkennen und einen Burnout zu vermeiden, bietet zum Beispiel der Kurort Bad Wörishofen im Allgäu: Er liegt nicht nur angenehme entspannt im sehr ruhigen Unterallgäu und verfügt über eine großen Kurpark, der mit allerlei Angeboten wie Barfuß-Pfad, Aroma- und Kräutergarten und Schlammgraben das eigene Wohlbefinden unterstützt: Inmitten der Ruhe und Bescheidenheit liegt auch das Kneipp-Hotel KurOase im Kloster, an der Original-Wirkungsstätte Sebastian Kneipps.

Sie ist mit ihrem großen Garten der ideale Ort, um abzuschalten, Geist und Körper neu zu justieren und den Zukunftsängsten zu begegnen und bietet mit Arrangements  wie „Mit Kneipp den Stress besiegen – Burnout-Prävention“ die geeignete Maßnahme für alle diejenigen, die am Beginn eines Erschöpfungssyndroms stehen. In der stillen und reizarmen Umgebung hinter den Klostermauern fällt es leicht, wieder zur Ruhe zu kommen.

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Tourismus zur Strukturförderung: Grenzüberschreitende Gesundheitskompetenz

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Dass Tourismus und Gesundheitsprävention auch grenzübergreifend gedacht werden müssen, zeigt das von der EU geförderte Regional-Projekt „Lebensspur Lech“: Entlang der Weitwanderroute Lechweg, die den Wildfluss von seiner Quelle in Lech am Arlberg bis zum Füssener Lechfall auf rund 125 Kilometern begleite, entsteht aktuell ein gesundheitstouristischer Erlebnisraum zwischen dem österreichischen Tirol und dem bayerischen Allgäu. Das EU-Projekt verbindet die vier Partner Lechweg, Füssen im Allgäu, Lechtaler Auszeitdörfer und Holzgau/Tirol und fördert deren gemeinsamen Produktentwicklung und Qualifizierung im Bereich der Kneipp’schen Gesundheitslehre sowie in das gemeinsam Marketing zu diesem Schwerpunkt. Das Ziel dabei ist die Positionierung in Richtung naturnahe, sanfter Qualitätstourismus.

Die Grundlage für all diese Aktivitäten bildet die Kneipps Gesundheitslehre mit ihren fünf Säulen Wasser, Bewegung, Ernährung, Kräuter sowie dem Schwerpunkt Innere Ordnung. Wer der Lebensspur am Wildfluss Lech von der Quelle bis zum Lechfall in Füssen folgt, kann an zahlreichen Stationen Kneipp erleben. Der Erlebnisraum wird dabei sichtbar gemacht durch die profilgebende Kneipp-Infrastruktur, beginnend im Portalort Füssen, der sich auch als Anderszeit-Reiseziel vermarktet. Daran anknüpfend wird die Gemeinde Holzgau im Lechtal als weiteres Kneipp-Zentrum aufgebaut. Hier können Besucher beispielsweise eine Kneipp-Anlage mit Barfußpfad und Hängematten mitten im Wald erleben, eine 200 Meter lange Hängebrücke in 110 Meter Höhe überqueren oder in einem kleinen Museum durch Videos lokaler Akteure Wissenswertes über regionale Produkte oder gesunde Ernährung erfahren.

Stichwort Qualifzierung: Entlang der “Lebensspur Lech” wurden zahlreiche Kneipp-Gesundheitstrainer ausgebildet – wie die Kräuterpädagogin Daniela Pfefferkorn, die auch den Lechtaler Kräuterhexen angehört und auf Wanderungen ihr Wissen an interessierte weitergibt. Dazu kommen kleinere Hotels und Pensionen, die von Wanderern entlang des Lechweges als Gesamtpacket inklusive Gepäcktransport gebucht werden können. Spannend ist in diesem Zusammenhang auch, dass die  strukturschwachen Lechtaler Seitentalgemeinden durch das Projekt eine auf ihren Alleinstellungsmerkmalen basierende Positionierung im Sinne von “Auszeit-Dörfern” mit urigen Übernachtungsmöglichkeiten gewinnen. Im Rahmen des Projekts wird zudem ein Kompetenznetzwerk zur Kneipp’schen Gesundheitslehre unter Einbindung von Kliniken/Universitäten/Hochschulen aufgebaut. Einen Schwerpunkt dabei bilden die Säulen innere Ordnung und gesunder Schlaf.

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Nachhaltige Philosophie und der Ausstieg aus dem Hamsterrad

Eine Region, die das Thema nachhaltige Entschleunigung ebenfalls für sich entdeckt hat, ist der Nördliche Schwarzwald, u.a. mit einem Baumwipfelpfad und den Naturpark-AugenBlicken. Das sind besondere Aussichtspunkte die mit Sitzbank, Tischchen und beschrifteter Panoramatafel dazu einladen, die Landschaft zu entdecken – wie etwa in Bad Herrenalb. In der aus einem Zisterzienster-Kloster hervorgegangenen FairTrade-Stadt kann man außerdem auf den Spuren von Wildkatzen wandern oder eAutos mieten.

Für den Hotelier Stephan Bode, Träger des B.A.U.M.-Umweltpreises und Spirit-at-Work-Awards ist es das Ziel, mit seinem ökologischen Engagement die Welt ein Stück besser zu machen: “Wer das nachhaltige Denken einmal verinnerlicht hat, stellt die rein ökonomische Gier nicht mehr in den Fokus seines unternehmerischen Handelns und bricht aus dem Hamsterrad aus”, erklärt er. Dabei geht es dem Buddhisten vor allem darum, die eigene Lebensgrundlage nicht zu zerstören: “Wenn man einmal begriffen hat, dass alle Dinge zusammenhängen, wird es selbstverständlich, das Richtige zu tun und gesundes Wachstum stellt sich von alleine ein, ein großes Ganzes entsteht”.

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Die Emergenz, das Zusammenspiel aller Dinge, ist auch für die Journalistin und Autorin Ines Veith ein wichtiger Aspekt, wenn es darum geht, das eigene Denken und Handeln zu reflektieren. Grundlegend ist für sie dabei die Kraft der Philosophie und um diese einer breiten Zielgruppe möglichst anschaulich zu vermitteln, hat Veith in Bad Liebenzell im den Sophie Park initiiert, dessen Name für Soft Philosophiy steht. Die Spaziergänger können hier 10 Themenfelder von der Antike über Mittelalter und Renaissance bis zur Moderne entdecken, in denen sie die Weisheiten von Philosophen aus den letzten 2500 Jahre, flankiert von Werken vorrangig regionaler Künstler.

Natur und Nachhaltigkeit spielen auch hier eine wichtige Rolle: Die Sitzmöbel z.B. sind recycelbar, zudem hat Anne Rostek von der Staudengärtnerei Gräfin von Zeppelin vierzehn Parkbeete auf dem zwei Hektar großen Areal so bepflanzt, dass Besucher ganzjährig durch blühende Beete begrüßt werden, die als einfarbige Pflanzungen farblich zu der jeweiligen Epoche passen. Dabei kommen auch hintergründiger Humor und spielerische Elemente nicht zu kurz, etwa in der Boule-Anlage, die als Denk- und Kommunikationsangebot für die Bürger versteht. Überhaupt gibt es rings um den Park weitere sinnliche und intellektuelle Inspirationen, etwa den philosophischen Rundweg mit 15 Stationen, wie etwa der historische Treffpunkt badhaus1897, der Kaffee und Kuchen anbietet, oder das Parkrestaurant im Kurhaus.

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Clairvaux und Troyes: Entschleunigung und Digitale Angebote

Auch in Frankreich hat man das Thema Slow Tourismus für sich entdeckt: Im Herzen der Region Champagne, in der Nähe von Paris, aber ohne Hektik, ist die „Aube“ ein gutes Ziel für Entspannung und Entschleunigung mit lokal bezogenen Aktivitäten:  So geben in Dosches Grégory und Gaëlle Touristen wertvolles Know-How über eine Windmühle und das Mahlen von Mehl weiter. Die historisch nachempfundene Mühle ist für Besucher geöffnet und daran angrenzend befindet sich ein Garten in Permakultur.

Im Wildpark „Espace Faune“, direkt am riesigen « Orient »-See fühlt man sich fast wie im Yellowstone. Hier leben halb frei Elche, Hirsche Auerochsen und europäische Bisons. Im Herbst kann man sich in der Domäne „L’Empreinte des Fées“, Delphine mit ihrem Hund Pino anschließen und im Wald der berühmten Abtei von Clairvaux auf Trüffelsuche gehen. Im Anschluss wartet eine festliche Mahlzeit mit Champagner. Und im Sommer werden Aktivitäten zum Kennenlernen der Biodiversität angeboten.

Und für alle, die das Handy doch nicht Ruhen lassen können, gibt es sogar digitale Angebote: Mit Hilfe eines Smartphones und der Anwendung Artybot kann man als Liebespaar völlig eigenständig die charmante Stadt Troyes erkunden.

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Workations mit KI-Unterstützung in der City

Auf Digitale Angebote setzt auch das Schweizer Unternehmen SV Hotel bei der Ausweitung seines Workation-Angebots und zeigt, dass das Konzept Slow Travel auch in der Stadt funktioniert: Schon während der Pandemie bot das Unternehmen Kunden  kreative Homeoffice-Lösungen in Wohlfühlatmosphäre. Mit seiner Marke Stay KooooK richtet sich das Unternehmen gezielt an den wachsenden Markt der Langzeitreisenden, etwa Manager oder Digitale Nomaden, die sich auch unterwegs wie zu Hause fühlen wollen:

Intelligentes Raumdesign soll Wohn- und Freiraum schaffen, der sich flexibel an den Lifestyle der Gäste anpasst. Ein ganz wesentlicher Aspekt der Guest Journey ist dabei digital. KI und automatisierte Personalisierung von Kommunikation sollen hier den Comfort der Gäste deutlich verbessern. Außerdem wird großer Wert auf Flexibilität gelegt im Hinblick auf Buchungen und Stornierungen.

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Fazit: Unterschiedliche Strategien führen zum Ziel

Drei höchst unterschiedliche Konzepte, die alle zum Ziel haben, sich den veränderten Ansprüchen an das Reisen anzupassen:

Weg vom hektischen, hypermobilen Business-Trip hin zum langsameren Reisen bis hin zum Langzeit-Aufenthalt. Eine Entwicklung, die auch unter ökologischen und gesundheitlichen Gesichtspunkten dringend zu begrüßen ist.


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