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Die aktuelle Wikipedia-Crowdfunding-Campagne: Penetrant erfolgreich oder peinlich?


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Die Wikimedia-Foundation, die die Internetenzyklpädie Wikipedia betreibt, hat gerade eine umfangreiche Spendenkampagne abgeschlossen, die ihr 20 Millionen US-Dollar in die Kassen spülte. Das Beispiel zeigt, dass Fundraising tatsächlich ein ernstzunehmendes Finanzierungsmodell ist – man muss nur penetrant genug für die Sache werben. Denn die Kampagne der Wikipedia fand ich in Teilen grenzwertig – und kein gutes Beispiel für selbstbewusstes Selbstmarketing. wikipedia


Hier schreibt für Sie:

 

Simone JansonSimone Janson, Auftritte in der ARD, gelegentlich Artikel für WELT, ZEIT, WIWO, t3n, W&V, macht Best of HR – Berufebilder.de & HR-Kommunikation.

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Ich gebe zu, dass jammern mir auf die Nerven geht. Aber, um ehrlich zu sein, geht Jammern vielen Leuten auf die Nerven. Dennoch wirkt das Spiel mit dem schlechten Gewissen immer sehr effektiv – ob beim Betteln auf der Straße oder eben beim Fundraising.

Sinn und Unsinn beim freiwilligen Spenden

Dabei gehe ich immer davon aus, dass der Sinn beim Spenden, anders als beim Kaufen, darin besteht, dass die Leute freiwillig für etwas Spenden, weil sie den Wert in der dargebotenen Leistung oder dem Produkt sehen. Oder das Spenden, was ihnen die Sache wert ist. Klingt ja in der Theorie auch gut: Alles sind zufrieden.

In der Praxis scheint dabei leider nicht genug hereinzukommen – und daher muss dann leider offenbar doch Druck machen. Das hat die Wikipedia nun über Wochen hinweg mit einem sehr Werbebanner getan, das nicht nur mich sondern auch einige andere User nervte – und zwar so sehr, dass dafür ein eigens Firefeox-Plugin programmiert wurde, der das Banner dauerhaft im Browser schließt.

Viel hilft viel?

Über die Inhalte der Banner kann man streiten: Dass Gründer Jimmy Wales und diverse Entwickler, Autoren und Spender personalisiertes Statement darüber abgeben, was Wikipedia für sie bedeutet, ist erstmal keine blöde Idee, um das den Usern noch einmal ins Gedächtnis zu rufen und an echten Menschen festzumachen.

Dass dies aber in solcher Penetranz geschieht und dabei zum Teil auch kräftig auf die Tränendrüse gedrückt wird, überschreitet für mich dann aber schon die Grenze zum Jammern. Und bei Wikipedia ist man sich dessen auch tatsächlich bewusst, dass man seine User nervt, wie das gestern kurzfristig eingeblendete Banner (siehe Bild oben) zeigt:

Wie ein Bettler in der Berliner U-Bahn

Denn Jimmy Wales sagt damit ganz einfach: Spendet endlich, dann habt Ihr Eure Ruhe! Das erinnert mich frappierend an die Bettler in der Berliner U-Bahn, bei denen jeder zweite Vortrag mit den Worten „Ich weiß, Sie sind genervt“ beginnt.

Allerdings hatte ich von Wikipedia, die jeden Monat mehr als 470 Millonen Besucher hat, etwas mehr Selbstbewusstsein erwartet, als von einem Bettler in der Berliner U-Bahn. Oder man stelle sich vor, dass man bei der Gehaltsfrage im Vorstellungsgespräch antwortet: „Ich weiß das nervt Sie (=eigentlich bin ich nicht gut genug), aber ich hätte gerne XY Euro“.

Crowdsourcing muss irgendwie besser gehen. Was ist denn Eure Meinung?

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