Weingut Hench: Biodynamische Philosophie als Erfolgsrezept in Churfranken

Von Simone Janson (Mehr) • Zuletzt IT-aktualisiert am • Zuerst veröffentlicht am 11.05.2026 • Bisher 4350 Leser, 6078 Social-Media-Shares Likes & Reviews (5/5) • Kommentare lesen & schreiben • Offenlegung & Urheberrechte: Churfranken e.V. hat uns die Recherche vor Ort ermöglicht und unsere Reiseskosten übernommen.  Bildmaterial selbst erstellt vom Verlag. 

Das Weingut Hench in Bürgstadt (Churfranken) ist ein Familienbetrieb, der jahrhundertealte Tradition mit einer zutiefst naturphilosophischen Wirtschaftsweise verbindet.

Weingut Hench: Biodynamische Philosophie als Erfolgsrezept in Churfranken

Naturphilosophie seit 1563

Das Weingut Hench in Bürgstadt zählt zu den faszinierendsten Beispielen biodynamischen Weinbaus in Deutschland. Auf knapp sieben Hektar entstehen hier terroirgeprägte Weine, die ohne technischen Schnickschnack auskommen und dennoch Weinführer wie den Eichelmann überzeugen.

Der älteste Teil des Anwesens, mitten im Ortskern von Bürgstadt gelegen, geht bereits auf das Jahr 1563 zurück. Damals war der Weinbau fester Bestandteil eines gemischt-landwirtschaftlichen Familienbetriebs – mit Tieren, Ackerbau und Reben, also fast schon unbewusst biodynamisch, wie Burkhard Hench es heute rückblickend beschreibt. Das Anwesen blieb stets in Familienbesitz und entwickelte sich über Generationen hinweg kontinuierlich weiter. In den letzten 50 Jahren richtete sich der Fokus zunehmend auf den Rotweinanbau – eine Vorreiterolle in der Region, die Churfranken heute bei Weinkennern weltweit bekannt macht.

Durch Krankheit zum biodynamischen Weinanbau

Ab 1980 wurde der Betrieb erweitert und 1996 ein neuer Weinkeller errichtet, der direkt an den historischen Gewölbekeller anschließt. Unter dem heutigen Senior-Chef Burkhard Hench erfolgte die Spezialisierung auf reinen Weinbau; seit 2007 arbeitete er biologisch, seit 2013 offiziell biodynamisch – und vor wenigen Jahren kam die Demeter-Zertifizierung hinzu.

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Den Ausschlag, vom konventionellen Weinanbau abzuweichen, gab für Hench letztlich die Asthma-Krankheit seines Sohnes Peter, der den Betrieb heute auch führt. „Wir haben uns dadurch ausführlich mit Schadstoffen, Allergien, Ernährung und ökologischer Landwirtschaft beschäftigt und schließlich die ganze Produktion umgestellt.“

Dabei zählt nicht alleine das wirtschaftliche Ergebnis, sondern die Gesundheit des Bodens, die Vielfalt der Natur und das harmonische Nebeneinander von Mensch und Natur. Statt Gewinnmaximierung steht der lebendige Weinberg im Vordergrund. Diese Überzeugung spiegelt sich auch in der Mitgliedschaft bei Slow Food, FÖW und PIWI International wider.

Entbehrungsreich zum Ziel

Natürlich hätten am Ort einige blöd gescheut, als er damals anfing, Biowein zu produzieren, blickt Burkhard Hench zurück. „Aber wir hatten uns das nun mal so vorgenommen und wollten das dann auch so umsetzen“, berichtet Hench und ihm ist dabei anzumerken, dass die Anfänge seines Bio-Betriebes nicht immer einfach gewesen sein dürften und dass der Aufwand mitunter deutlich größer ist als bei konventionellen Betrieben.

Zum Beispiel, wenn der Regen Schädlingsbekämpfungsmittel wieder abspült: „Dann müssen wir eben ein paar Mal mehr rausfahren, um immer wieder biodynamisch zu spritzen. Die Reblaus ist immer präsent“, so der Winzer. Gleichzeitig macht er aber klar, dass man Bio nicht zur Religion erheben dürfe, auch wenn mittlerweile auch konventionelle Winzer nicht mehr an biodynamischen Anbaumethoden vorbeikämen: „Es gibt heutzutage Ein ganz anderes Bewusstsein für Schadstoffe wie Glyposphat und auch für den Tourismus ist es besser, wenn Spaziergänger nicht in Düngemittelwolken herumlaufen“, erläutert Hench.

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Philosophischer Ansatz: Die Zukunft liegt in der Vergangenheit

Burkhard Henchs Sohn Peter bewirtschaftet heute drei Lagen rund um Bürgstadt führt die Philosophie konsequent fort; beide Generationen und ihre Frauen Helene und Ramona arbeiten gemeinsam im Weinberg und Keller.

Das Leitmotiv des Weinguts lautet daher auch: „Manchmal liegt die Zukunft in der Vergangenheit.“ Gemeint ist damit die Rückbesinnung auf ursprüngliche Anbau- und Weinbereitungsweisen, die durch Versuchsjahre auf einzelnen Parzellen immer tiefer verfeinert wurden. Inspiriert von den Denkern Rudolf Steiner, Maria Thun und Hildegard von Bingen versteht die Familie Hench den Weinberg als lebendiges Ökosystem, das man nicht beherrschen, sondern begleiten soll.

Biodynamische Anbaumethoden

Die Böden bestehen aus Buntsandsteinverwitterungserde – warm, rot, mineralisch – und geben den Weinen ihre typische Fruchtigkeit mit moderatem Alkohol. Rund 65% der Rebfläche entfallen auf Burgundersorten. Oberhalb der Weinberge liegt Wald, der als natürlicher Wasserspeicher fungiert und das Mikroklima kühlt. Die praktische Umsetzung der biodynamischen Philosophie umfasst ein breites Spektrum naturnaher Maßnahmen:

Einen zentralen Baustein der Weinbergpflege bildet die gezielte Begrünung mit Leguminosen und Wildkräutern, die alle drei bis vier Jahre neu eingesät wird, um Bodenfruchtbarkeit und Biodiversität zu fördern. Bei jungen Rebstöcken bleibt zunächst jede zweite Reihe frei, damit die Reben sich ohne Konkurrenz etablieren können. In den Wintermonaten übernimmt der örtliche Schäfer einen weiteren Teil der Pflege, indem er seine Herde durch die Weinberge ziehen lässt – eine natürliche und maschinenfreie Methode, die gleichzeitig den Boden belebt. Durch die Einsaat von Wiesenblumen unterschiedlicher Farben werden gezielt Bestäuber angelockt, die das Ökosystem Weinberg als Ganzes stärken.

Der lebendige Weinberg sorgt für mehr Geschmack

Anstelle chemisch-synthetischer Mittel setzt das Weingut ausschließlich auf pflanzliche Präparate wie Schachtelhalm, Kamille und verschiedene Pflanzenauszüge, die die Reben widerstandsfähiger machen. Herbizide und synthetische Düngemittel haben im Betrieb keinen Platz. Der Boden wird stattdessen mit selbst hergestelltem Kompost versorgt, der die Mikroorganismen im Erdreich fördert und die natürliche Bodenfruchtbarkeit langfristig erhält. Ergänzt wird dieses Konzept durch den klassischen biodynamischen Einsatz von Kuhhörnern nach Rudolf Steiner – ein Symbol für das Verständnis des Weinbergs als lebendigen, in sich geschlossenen Organismus.

Biodynamisch bewirtschaftete Trauben werden kleiner und dickschaliger – das macht sie nachweislich weniger anfällig für die gefürchtete Kirschessigfliege. Den Erntezeitpunkt bestimmt nicht der Kalender, sondern Aroma und Geschmack der Trauben – eine zutiefst handwerkliche Entscheidung. Die Ernte erfolgt ausschließlich per Hand, mit 15–20 ortsansässigen Helfern, die das Weingut kennen und ihm verbunden sind.

Weinbereitung: So wenig wie möglich, so viel wie nötig

Im Keller gilt das Prinzip der Nicht-Intervention: Rotweine vergären traditionell auf der Maische und reifen in Eichenfässern unterschiedlicher Größe. Reserve-Weine und besondere Cuvées durchlaufen spontan die malolaktische Gärung und lagern lang auf der Hefe, um ihre eigene Harmonie zu finden. Der Blanc de Noir aus Pinot Meunier reift im Edelkastanienfass – eine Inspirationsquelle aus der Heilkunde Hildegard von Bingens. Frische Weißweine wie Riesling oder Bacchus reifen ergänzend in Edelstahltanks. Die Preise reichen von 8,50 Euro für Einstiegsweine bis zu gut 50 Euro für die Centgrafenberg-Reserve – bewusst erschwinglich gehalten, um Stammkunden zu binden.

Das Weingut Hench steht exemplarisch dafür, dass biodynamischer Weinbau kein Lifestyle-Trend ist, sondern eine konsequente Lebenshaltung: „Wir nehmen so unsere Aufgabe wahr, fruchtbaren Boden und Biodiversität möglich sein zu lassen“, fasst Burkhard Hench noch einmal zusammen.

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