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Der tiefe Fall des Klaus Zumwinkel – 2/2: Das Ende des Netzwerkers


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Der Fall von Klaus Zumwinkel war ein tiefer Fall. Denn bis dahin war er auch der dienstälteste Dax-Vorstandschef – und einer der letzten Mitglieder des Netzwerks „Deutschland AG“ oder des „Rheinischen Kapitalismus“.

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carsten-knopCarsten Knop ist Wirtschaftsredakteur bei der Frankfurter Allgmeinen Zeitung.

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Das Ende eines Netzwerkers

Zum Aufbau wie zur Beschreibung solcher Netzwerke braucht man einen langen Atem: So saß Zumwinkel seinerseits im Aufsichtsrat der Lufthansa AG, aber auch im Aufsichtsrat von Arcandor/Karstadt (von diesem Unternehmen wird in diesem Buch noch die Rede sein).

Dem Aufsichtsrat der Deutschen Telekom stand Zumwinkel vor; Aufsicht führte er auch bei der Postbank und der Investmentbank Morgan Stanley. Bis Ende 2003 war Zumwinkel im Aufsichtsgremium der Allianz, einer der Keimzellen der alten Deutschland AG, vertreten und bis August 2003 Mitglied im Aufsichtsrat der Tchibo Holding AG. Darüber hinaus saß er im Vorstand der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände und war Präsident des Forschungsinstituts zur Zukunft der Arbeit. Dieses Netzwerk war das Kapital der alten Marke Zumwinkel. Und plötzlich war es aufgebraucht.

Geschockte Manager

Den Schock, den das in der deutschen ManagerWelt auslöste, kann man sich nicht groß genug vorstellen – zumal er bei vielen, die ihre Steuern auf vergleichbarem Weg hinterzogen haben könnten, nun die drängenden Fragen über eine Selbstanzeige auslöste. Heute wissen wir allerdings gesichert, dass das seinerzeit zumindest den damaligen Bayern-Manager Uli Hoeneß nicht zum Umdenken gebracht hat.

So wird viel zu häufig mit zweierlei Maß gemessen. Das gilt auch für den damaligen Post-Chef: In seiner eigenen Funktion als Aufsichtsratschef der Telekom hingegen hatte Zumwinkel durchaus hart durchgegriffen, als er im November 2006 den damaligen Vorstandsvorsitzenden Ricke vor die Tür setzte. Damals lauteten seine Vorwürfe an Ricke, dass sich die Investitionen der Vergangenheit nicht gerechnet hätten und Versprechungen nicht eingelöst worden seien.

Mit zweierlei Maß

Diese Kritik formulierte Zumwinkel seinerzeit, ohne dabei ein Gefühl von Mitleid zu vermitteln. Auch ohne die Diskussion über die mögliche Steuerhinterziehung hätte sich der Post-Aufsichtsrat Zumwinkel deshalb längst an den Kriterien messen können, die für die Telekom und Ricke gegolten haben. Zumwinkels Investitionen in Amerika haben sich auch nicht gerechnet – im Gegenteil stand zu seinem Abgang ein Rückzug bevor, der ein Abenteuer beendete, das viele Milliarden Euro gekostet hat.

Seine Versprechungen mit Blick auf die Eroberung des amerikanischen Markts hat er somit ebenfalls nicht eingelöst. Zumwinkel wollte rühmlicher gehen als Ricke. Doch alle ranghohen Politiker, die er kannte, waren am dunklen Donnerstagmorgen in Köln-Marienburg und am Tag danach keine Hilfe. Das Netz hielt nicht mehr.

Dennoch hat der Top-Entscheider für das Jahr 2008 als Einziger einen Bonus erhalten. Gerade solche Entwicklungen haben mit dazu beigetragen, dass der Ruf der Manager so schlecht ist. Erst fehlt die Reue bei Fehlleistungen, dann gibt es hohe Abfindungen. Im Fall von Zumwinkel waren es Pensionsansprüche von insgesamt 20 Millionen Euro, die dieser sich auszahlen ließ, außerdem die Bonuszahlungen – mehr als 480.000 Euro für zwei Monate.

Von Zumwinkel zu Hoeneß

Auch dem ehemaligen Manager des FC Bayern München, Uli Hoeneß, half sein eigenes, engmaschiges Beziehungsnetz Jahre später nicht mehr. Im Gegenteil muss er mit einer Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten für seine Steuerhinterziehung büßen  (von der er seit Anfang 2015 allerdings den größten Teil als Freigänger mit einer geregelten Arbeit bei seinem Fußballverein verbringen darf). Denn das Landgericht München sprach den Präsidenten des FC Bayern München im Frühjahr 2014 in einem der spektakulärsten Steuerverfahren in Deutschland in sieben Fällen schuldig.

Das Gericht stufte die Selbstanzeige als unvollständig ein, also als nicht straf befreiend: Der Vorsitzende Richter sagte, die Selbstanzeige, die Hoeneß gut ein Jahr zuvor abgegeben hatte, sei „nicht nur missglückt, sondern erkennbar unzureichend“ gewesen. Auf deren Grundlage habe das Finanzamt nicht einmal eine Schätzung vornehmen können. Daran trage Hoeneß selbst die Schuld. Sein Steuerberater habe nicht einfach nur „irgendeinen Vermerk“ vergessen.

Rechtzeitig reinen Tisch machen

Das Gericht nahm Hoeneß auch die Behauptung nicht ab, dass dessen Bank alle Geschäfte alleine getätigt haben soll. Die Wirtschaftsstrafkammer bezifferte den Steuerschaden auf 28,5 Millionen Euro. Für das Strafmaß spiele es keine Rolle, ob weitere Auswertungen der Bankunterlagen aus der Schweiz noch höhere Beträge ergeben sollten.

Offen ließ das Gericht zudem, ob die Selbstanzeige zu spät gekommen war. Die Richter gingen zwar davon aus, dass Hoeneß sich aus Furcht vor einer Entlarvung seines Kontos durch die Illustrierte „Stern“ selbst angezeigt habe: „Sie waren getrieben aus Angst vor Entdeckung.“ Schließlich hätte Hoeneß aber vorher Jahre Zeit gehabt, reinen Tisch zu machen. In der Tat: Jahre lag zu diesem Zeitpunkt schließlich auch schon der Fall Zumwinkel zurück.

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