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Die Thesen des Medienexperten Jeff Jarvis: Was würde Google tun?


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Die Frage stellt der amerikanische Journalist, Blogger und Professor Jeff Jarvis in seinem gleichnamigen Buch. Und um es gleich vorweg zu sagen: Das Gedankenspiel, die Erfolgsstrategie des Internetriesen Google auch auf andere Unternehmen zu übertragen, ist mehr als interessant.

Übrigens: Eine Übersicht über die wichtigsten Neuerscheinungen & Bücher im Bereich Karriere finden Sie in unserer Rubrik Business-Bestseller!


Hier schreibt für Sie:

 

Simone JansonSimone Janson, Auftritte in der ARD, gelegentlich Artikel für WELT, ZEIT, WIWO, t3n, W&V, macht Best of HR – Berufebilder.de & HR-Kommunikation.

Profil


Dabei sind Jarvis Thesen eigenlich nichts Neues und ich muss zugeben, dass ich anfangs kurz davor war, das Buch deswegen zur Seite zu legen (auch wenn es gut geschrieben ist):

Abkehr vom Massenmarkt, mehr Nischenprodukte und Kommunikation

Das Internet ist kein Massenmarkt, sondern ermöglicht, im Gegenteil, eine Masse von Märkten, weil es eine preiswerte, dezentrale Produktion erleichtert und einen zielgerichteten Vertrieb ermöglicht. Auf diese Weise bietet das Web Raum für die Anbieter von Nischenprodukten, ganz egal ob das jetzt seltene Klaviernoten, Maßkleider für Übergrößen oder spezielle Kaffeesorten sind. Doch die Hersteller haben oft einen Weltmarkt mit Kunden aus allen Kontinenten, weil ihnen eine gute Platzierung bei Google oft schon reicht, um permanent neue Kunden zu gewinnen.

Entscheidend dabei ist allerdings die Vernetzung und Kommunikation mit aktiven wie auch potenziellen Kunden, aber auch mit Konkurrenten. Darauf basiert im Wesentlichen die ganze Werbestrategie: Denn da die Unternehmen kleine, überschaubare Zielgruppen haben, können Sie diese viel genauer ansprechen – z.B. über Fachmedien und bei Fachveranstaltungen, aber vor allem auch im direkten Dialog: Gerade weil der Nischenanbieter Spezialist auf seinem Gebiet ist, kann er maßgeschneiderte Leistung in sehr guter Qualität, mit überzeugendem Service und fachlich hervorragenden Know How anbieten. Dadurch gewinnt er schnell das Vertrauen der Kunden in seine Kompetenz.

Kunden und Unternehmen arbeiten miteinander

Und mehr noch: Die Kunden helfen dem Unternehmen auch, Produkte und Service zu optimieren, weil sie auf Fehler aufmerksam machen und Verbesserungsvorschläge einbringen. Ein System des offenen Austauschs und gesunden Miteinanders also, von dem alle profitieren.

Übrigens gilt das auch für die sogenannten Konkurrenten: Denn wer sich durch spezialisierte Produkte oder Dienstleistungen von anderen absetzt, braucht Konkurrenz nicht zu fürchten, sondern kann mit ihr kooperieren um neue Kunden zu gewinnen oder gemeinsam zu agieren. Neu ist allerdings, dass Jarvis diese Ideen, diese sonst so abstrakt wirken, alle gut belegen kann – mit der Erfolg von Google.

Die perfekte Strategie?

Denn Google, so Jarvis, hat diese Strategie perfektioniert: So bringt der Internetriese seine Produkte in einem fortlaufenden Beta-Stadium heraus, damit die Kunden dann durch Tipps bei der Weiterentwicklung helfen. Google geht nicht davon aus, dass der User zu ihm kommt, sondern kommt zum User, indem es seine Karten, Videos, Suchfunktionen und auch die Werbebanner auch auf anderen Seiten zur Verfügung stellt – die Abkehr also von der selbstherrlichen Politik vieler Unternehmen, die glauben, mit geeigneten Marketingstrategien die Massen lenken zu können.

Google ist schlicht und einfach anzuwenden, obwohl es eine komplexe Struktur hat, was zeigt, dass Google sich sehr viele Gedanken macht, wie User sich auf einer Site verhalten (seit ich dieses Blog betreibe, weiß ich, wie kompliziert das ist). Ein weiterer Clou schließlich: Google bietet seine Leistungen zu so günstigen Preisen an (nämlich kostenlos!) dass es für Konkurrenten unattraktiv wird, Google zu unterbieten. Zumindest diese Strategie war mir neu.

Lesen – aber bitte kritisch

Dennoch lässt mich das Buch ein wenig skeptisch werden: Das klingt mir doch alles ein wenig zu schön um wahr zu sein. Dass Google von seinen Mitarbeitern regelrecht erwartet, ständigen Einsatz zu zeigen (als ich im letzten Jahr die Google-Zentrale in Hamburg besucht habe, konnte man einen Eindruck davon bekommen, dass die Mitarbeiter da praktisch lebten) sieht Jarvis eher positiv – und aus unternehmerischer Sicht ist es das wahrscheinlich auch. Ob es besonders sozial ist, ist eine andere Frage.

Der Massenmarkt ist tot, es leben die Nischenprdukte – auch wenn Jarvis alle Bedenken diesbezüglich vom Tisch wischen will („Ich kenne allle Ihre Einwände…“) finde ich das doch ein wenig zu idealistisch gedacht: Nach meinen persönlichen Erfahrungen z.B. auf dem Buchmarkt lassen sich mit Büchern, die ein breites Publikum ansprechen, dafür aber weniger in die Tiefe gehen, doch deutlich höhere Gewinne erzielen als mit Nischenprodukten. Leider. Aber vielleicht sind wir in Deutschland einfach noch nicht so weit?

Weniger Privatheit gleich mehr Transparenz?

Und zuguterletzt wischt Jarvis den Hauptkritikpunkt an Google, eine Datenkrake zu sein, einfach vom Tisch: Denn er findet es sogar positiv, dass Google seine Daten nimmt, um zielgerichtet Werbung zu machen („So bekomme ich für mich nur relevante Werbung angezeigt“) und dass die Aushölung der Privatspähre das Internet immer transparenter macht:

Denn so sei jeder gezwungen, möglichst ehrlich mit seinen Mitmenschen umzugehen, weil im Internet Verfehlungen noch nach Jahren nachvollziehbar seien. Leben wir hier in Deutschland also alle hinter dem Mond?

Gekauft von Google?

Als ich beim Lesen dann schon anfing, mich zu fragen, ob Jarvis vielleicht sogar Geld von Google bekommen hätte, fanden sich in der Mitte des Buches doch noch ein paar Kritikpunkte an Google:

Zum Beispiel was die fehlende Transparenz hinsichtlich des Suchmaschinen Algorythmus oder bei den Werbeieinnahmen angeht. Kritik übt Jarvis auch an Googles Verhalten in China. Auf diese Weise zeigt Jarvis sehr schön, dass es in der neuen Wirtschaft zwar darum geht, Öffentlichkeit und Vertrauen herzustellen, jedoch nur in begrenzem Maße. Und wo diese Messlatte lieg, muss wohl jeder selbst entscheiden.

Fazit

Alles in Allem jedoch ein sehr lesenswertes Buch, das jedoch auch kritisch betrachtet werden sollte. Interessant fand ich als Journalistin natürlich vor allem die Ausführungen die Jarvis zur Trendwende im Medienbereich macht, die viele Verlage hierzulande verschlafen haben.

In jedem Fall fand ich die Thesen von Jarvis so bemerkenswert, dass ich mich in den kommenden Wochen in einer kleinen Artikelserie etwas näher damit auseinandersetzen und sogar die eine oder andere auf ihre Praxistauglichkeit hin überprüfen will. Sie können also gespannt sein.

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