Studie zu Gehalts-Gleichheit & Verdienst-Transparenz: Frauen verdienen 22% weniger


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Heute ist wieder Equal Pay Day, das ist der Aktionstag, an dem weltweit auf die Gehalts-Schere zwischen dem Verdienst von Männern und Frauen aufmerksam gemacht wird. Einfach nur über die Gehaltsunterschiede zu jammern, greift aber zu kurz.

Studie zu Gehalts-Gleichheit & Verdienst-Transparenz: Frauen verdienen 22% weniger gender-pay-gap


Hier schreibt für Sie: Simone Janson ist Verlegerin, deutsche Top20 Bloggerin & Beraterin für HR-Kommunikation. Profil


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Die nackten Tatsachen

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Zunächst muss man sich mal die reinen Fakten, die nackten Tatsachen sozusagen anschauen: Laut Angaben des Sozio-oekonomische Panels (SOEP) hat der Gehaltsunterschied zwischen Frauen und Männern etwas abgenommen, liegt aber nach wie vor auf hohem Niveau.

2013 erhielten in Vollzeit angestellte Frauen in Führungspositionen der Privatwirtschaft mit 22 Prozent rund ein Fünftel weniger Bruttogehalt als Männer mit solchen Tätigkeiten. Im Jahr 2012 lag die geschlechtsspezifische Verdienstlücke, der sogenannte Gender Pay Gap, bei 24 Prozent, im Jahr 2002 bei 26 Prozent.

Woher kommen die Daten?

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Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) ist eine repräsentative Wiederholungsbefragung, die bereits seit 30 Jahren läuft. Im Auftrag des DIW Berlin werden zurzeit jedes Jahr in Deutschland etwa 25.000 Befragte in fast 15.000 Haushalten von TNS Infratest Sozialforschung befragt.

Der untersuchte Personenkreis umfasst Personen zwischen 18 und 64 Jahren, die angaben, als Angestellte in der Privatwirtschaft in Funktionen mit umfassenden Führungsaufgaben (zum Beispiel Direktorin-nen/Direktoren, Geschäftsführerinnen/Geschäftsführer oder auch Vorstände größerer Betriebe und Verbände), sonstigen Leitungsfunktionen oder hochqualifizierten Tätigkeiten (zum Beispiel Abteilungsleiterinnen/Abteilungsleiter, wissenschaftliche Angestellte, Ingenieurinnen/Ingenieure tätig zu sein.


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Die Argumente

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Auf ZEIT ONLINE erzählen heute Leserinnen, wie sie den Gender Pay Gap erleben - und berichten dabei von noch viel krasseren Gehaltsunterschieden. Die ZEIT macht dabei eine etwas andere Berechnung auf:

Nun beziehen sich die Zahlen des Statistikamtes auf die Bruttostundenlöhne aller in Vollzeit arbeitenden Männer und aller Frauen. Die 22 Prozent stellen die unbereinigte Lohnlücke dar. Die Zahl berücksichtigt nicht, dass Männer und Frauen teils unterschiedliche Berufe wählen, in denen das Lohnniveau verschieden ist. Sie berücksichtigt auch nicht, dass Frauen in den gut bezahlten Führungspositionen fehlen. Und sie berücksichtigt auch keine längeren Auszeiten.

Auf diese Weise kommt die ZEIT auf eine bereinigte Lohnlücke von 7 bis 8 Prozent.

Die Gegenargumente

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Dem widerspricht das Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin. Nach dessen Angaben lag der Verdienstunterschied zwischen allen in Vollzeit erwerbstätigen Frauen und Männern insgesamt bei den Bruttostundenlöhnen nach Angaben des Statistischen Bundesamts im Jahr 2013 bei 17 Prozent.

Während Männer in Führungspositionen (einschließlich Fachkräfte in hochqualifizierten Tätigkeiten) den Berechnungen zufolge im Jahr 2013 durchschnittlich rund 5.100 Euro verdienten, waren es bei Frauen durchschnittlich 4.000 Euro.

Teilzeit & Frauentypische Berufe sind nicht schuld

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Diese Differenz von mehr als einem Fünftel lässt sich kaum durch kürzere Arbeitszeiten von Frauen erklären: Vollzeitbeschäftigte Frauen in Führungspositionen arbeiteten mit durchschnittlich 45,4 Stunden nur rund anderthalb Stunden oder drei Prozent weniger als vollzeitbeschäftigte Männer.

Auch die Geschlechtstypik der ausgeübten Berufe, also die Frage, ob es sich eher um Frauen-, Misch- oder Männerberufe handelt, ist nicht die Ursache für den Gender Pay Gap bei Führungskräften. Vielmehr spielt die Berufserfahrung für das Einkommen von Führungskräften eine zentrale Rolle.

Mehr Transparenz Bitte!

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Denn noch immer unterbrechen vor allem Frauen ihre Karriere, um Familien- und Hausarbeit zu machen und sind  viel öfter als Männer oder sind in Teilzeit beschäftigt. Dies gehe einher mit der Zuschreibung geringerer Kompetenz- und Leistungserwartungen und münde oft in sogenannter statistischer Diskriminierung von Frauen am Arbeitsmarkt und bei der Besetzung von Top-Positionen, sagt z.B. Elke Holst, DIW-Forschungsdirektorin für Gender Studies. Und sie spricht sich für mehr Transparenz aus:

"Oft sind der übliche Verdienst, Boni oder andere Prämien insbesondere für hohe Positionen nicht bekannt, so dass betroffene Frauen kaum wissen, dass sie hinsichtlich des Verdienstes unter ihrem Potential bleiben.“


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Zustände wie in Norwegen?

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Ins gleiche Horn stößt übrigens auch die Job- und Karrierecommunity Glassdor, die den Vorstoß von Bundesfrauenministerin Manuela Schwesig für mehr Gehaltstransparenz in Unternehmen ausdrücklich begrüßt. Glassdoor bietet Arbeitnehmern bereits die Möglichkeit, sich über Gehälter zu informieren und diese anonym zu teilen. Product Managerin Sonja Perry erklärt dazu:

„Für viele deutsche Arbeitnehmer ist Gehaltstransparenz ein wichtiges Thema: Eine aktuelle Glassdoor-Studie unter deutschen Arbeitnehmern hat gezeigt: 6 von 10 Befragten finden, dass Unternehmen zu mehr Transparenz hinsichtlich der Gehälter verpflichtet werden sollten. Mehr als die Hälfte der Befürworter geht davon aus, dass dies helfen könnte, die Gehaltsschere zwischen Männern und Frauen zu schließen. Jeder Zweite denkt, dass größere Transparenz das Vertrauen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern stärken würde.“

Haben wir also bald Zustände wie in Norwegen, wo jeder weiß was der andere verdient? Und ist das wünschenswert?

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  1. GlassdoorDeutschland

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  2. BohmannÜbersetzungen

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  3. kanzlei-job

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  4. |TP| via PersoPeople

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  5. KompetenzPartner

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  6. Markus

    Es wäre auch interessant einmal darzustellen, ob es eine ungleiche Bezahlung bei gleichem Job gibt. Das ist etwas anderes als der etwas populistische Titel der 22% Schere verspricht.

    Leider ist es so, dass Frauen in technischen Ing. Berufen fast nicht vertreten sind. Das fängt schon bei der Studiumswahl an, wenn man einmal in eine Grundstudiumsvorlesung der Elektrotechnik oder bei den Maschbauern geht. Dafür sind Frauen überdurchschnittlich in sozialen Berufen vertreten. Nun ist es aber einmal so, dass gerade in technischen Berufen deutlich mehr gezahlt wird.

    Und wenn Frauen einmal zu einem Industriekonzern gehen, dann doch wieder am Liebsten in kaufmännische Berufe hinter den Schreibtisch. Ob mit oder ohne Studium, die eine ist dann Buchhaltungsleiterin, die ohne Studium halt Assistentin. Und wenn es dann mal eine in den Vorstand schaffen kann, dann folglich meist als Personalvorstand. Die CEOs haben allerdings zu überwiegendem Teil einen sehr technischen Studiumshintergrund und BWL dann später mal noch dazu gemacht.

    Somit stelle ich in Frage, dass wir eine Ungleichbehandlung haben, was die Bezeichnung "equal day payment" suggeriert (und warum eigentlich eine engl. Bezeichnung hier). Sondern es evtl. daran liegt, dass sich Mädchen mehr trauen müssen, technische Ausbildungen anzugehen und Ing. wissenschaften und Maschbau zu studieren!

    Oder es stellt sich am Ende die Frage, ob man eine Zwangsregulierung der Löhne möchte, also dass ein Job im sozialen Bereich gleich bezahlt wird wie ein Job im technischen Bereich.

    • Simone Janson

      Hallo Markus,
      danke für Ihren Kommentar. Zunächst erreichen polemischere Überschriften einfach mehr Aufmerksamkeit und führen letztlich auch zu solchen Kommentaren.
      Genau das, was Sie hier kritisieren, wird ja oben in dem Beitrag auch behandelt:

      "Auch die Geschlechtstypik der ausgeübten Berufe, also die Frage, ob es sich eher um Frauen-, Misch- oder Männerberufe handelt, ist nicht die Ursache für den Gender Pay Gap bei Führungskräften."

      Es gibt auch die umgekehrte Theorie: Nicht die Frauen wählen die falschen Berufe sondern Berufe, die vor allem von Frauen ergriffen werden, werden schlechter bezahlt bzw. es gibt eine Feminiersung ganzer Berufsgruppen, die gleichzeitig mit deren gesellschaftlicher Abwertung und schlechterbezahlung einhergeht.

      Im Gegenteil sind typische schlechtbezahlte Frauenberufe wie Krankenschwester o. Kindergärtnerin gesellschaftlich gesehen ausgesprochen wichtig - es kann ja nicht ernsthaft das Argument sein, Frauen sollten sich andere Jobs suchen, sondern umgekehrt müssten diese Jobs besser bezahlt werden.

      • Jennifer

        Mit dieser Ansicht haben Sie absolut Recht! Wenn alle nun Ingenieurswissenschaften studieren würden, dann wären eben auch fast alle arbeitslos, während zeitgleich wichtige Tätigkeiten wie Pflege von niemanden mehr ausgeübt werden. Frauentypische Berufe werden zu schlecht bezahlt.

        hinzu kommt, das ich selbst schon Diskriminierung erlebt habe. Eine billige Ausrede, warum man keine Fortbildung genehmigt bekommt ist dann schnell mal, weil man ja nur Teilzeit arbeitet. Bei uns hier war mal eine schlechter bezahlte Stelle ausgeschrieben und zeitgleich waren ein paar Männer über, die woanders eingesetzt werden sollten. Auf meine Anregung hin, dass einer von denen ja die Vorzimmertätigkeit machen könnte, wurde gesagt, dies sei einem Mann nicht zumutbar.... also gehen gut bezahlte Sachbearbeiterstellen eher an Männer und solche Stellen (Frauenbild 60er Jahre) natürlich wie eh und je an Frauen und werden dann oft schlecht bezahlt.

        ich arbeite in dem Beruf übrigens nur Teilzeit, weil es für mich keine interessanten Stellen gibt. Ein Minijob als Nebentätigkeit ist interessanter als mein Hauptberuf. Hab die Zeit genutzt und mich selbst an einer Uni immatrikuliert. Teilzeit lässt sich ja auch sinnvoll nutzen, hält ja eh keiner für nötig, einen interessante Stellen anzubieten, da man als unstudierter ja als zu blöde gilt.

        Das Arbeitsvolumen in DE liegt übrigens auf dem Stand von 1991, obwohl zeitgleich das Erwerbspersonenpotential dank mitarbeitender Frauen wohl um ca 3 Mio zugenommen hat, wenn ich mich recht entsinne. Leider ist auf vielen Arbeitsplätzen Unterbeschäftigung vorhanden, es können also nicht alle voll arbeiten, auf meiner Stelle wäre auch Vollzeit nicht genug zu tun. Da muss man sich wohl was anderes überlegen, was man mit dem Überangebot an AN anfängt.

        • Simone Janson

          Hallo, danke für die vielen Kommentare. Krasse Geschichte mit der Vorzimmertätigkeit, die mal wieder zeigt, wie tief manche Vorurteile noch sitzen. Gegen so etwas könnte an übrigens nach dem AGG klagen. Zum Thema mit den uninteressanten Stellen dachte ich spontan, selbst machen, ich werde dazu noch bei Ihren anderen Kommentaren eingehen. Und ja, dass in Zukunft immer mehr Jobs wegfallen, darüber wird ja mit dem Bedingungslosen Grundeinkommen kräftig diskutiert.

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