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Durch Spekulation & undifferenzierte Aussagen gezielt Angst geschürt: Sascha Adamek gegen Facebook & Social Media


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Im Winter 2011 besuchte ich in Berlin im St. Oberholz eine Podiumsdiskussion, in der es mal wieder um das ewige Thema das böse Internet ging. Jens Best war da, der versucht, das Thema etwas differenzierter zu betrachten. Die Moderatoren, die mit durchschaubaren Sticheleien versuchten, Panik zu schüren und die Diskussion hochzukochen. Und Sascha Adamek, dessen Facebook-Falle gerade herausgekommen war.

Übrigens: Eine Übersicht über die wichtigsten Neuerscheinungen & Bücher im Bereich Karriere finden Sie in unserer Rubrik Business-Bestseller!


Hier schreibt für Sie:

 

Simone JansonSimone Janson, Auftritte in der ARD, gelegentlich Artikel für WELT, ZEIT, WIWO, t3n, W&V, macht Best of HR – Berufebilder.de & HR-Kommunikation.

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Ein wenig Kritik schadet nicht?

Auch wenn in der Diskussion mal wieder die ewig gleichen Klischees gedroschen wurden, habe ich mir das Buch dann doch bestellt:

Etwas Kritik an Facebook kann ja nichts schaden, nachdem David Kirckpatrik dem blauen Risen ja eher Honig ums Maul geschmiert hatte. Was für ein Irrtum!

Auf Bestseller getrimmt!

Adameks durch flotte Überschriften und reißerischen Stil sehr auf Bestseller getrimmtes Buch will aufklären über die Machenschaften des Zuckerberg-Imperiums – und bedient dann doch nur abgedroschene Klischees.

Beispielsweise lässt Adamek sich in epischer Breite über die Nachteile des E-Mail-Freunde-Finders aus, der offenbar, einmal gedrückt, es Facebook für alle Zukunft erlaubt, auf unsere Adressbücher zuzugreifen. Nur: Das ist nichts Neues, eine entsprechende Funktion war schon lange vor Adamek bekannt. Auch sachliche Fehler finden sich:

Sachlich Fehler

Auf Seite 142 vermischt Adamek beispielsweise geschickt die Fakten zur Suchmaschine Google, sodass der unbedarfte Leser einen ganz falschen Eindruck gewinnt: Da steht:

„Google misst die Beliebtheit von Millionen Websites weltweit. Und nichts ist für Menschen und Marken, die im Internet gefunden werden wollen, angenehmer als in diesem Ranking der Suchmaschine weit oben zu erscheinen.“

Dies eingebettet in ein Kapitel zu Facebooks „Gefällt mir Button“ und zum Tracking von Nutzerdaten in Sozialen Netzwerken. Das klingt nun so, als ob sich auch das Google-Ranking durch das Klicken eines „Gefällt-mir-Buttons“ schnell und einfach manipulieren ließe.

Algorithmen sind komplexer

Tatsächlich ist der Algorithmus, nach dem Google das Ranking seiner Suchergebnisse berechnet, weit komplizierter: Sicherlich spielen dabei auch Like-Buttons eine Rolle, jedoch wurden entsprechende Updates und auch Googles +1-Button weitgehend erst nach erscheinen von Adameks Buch implementiert.

Tatsächlich bemisst sich die Beliebtheit im Google-Ranking weit mehr aus der Verlinkung durch andere Seiten, die deutlich schwerer zu erreichen sind damit ein besseres Qualitätsmerkmal darstellen. Kurz: Der Eindruck, denn der Autor durch diese Oberflächlichkeit hier erweckt, ist schlicht falsch und das dürfte auch für andere Bereiche des Buches gelten.

Spekulationen ohne Beweise

Immerhin, es ist Adameks Verdienst, auch unbedarfte User darauf aufmerksam zu machen, das Facebook kein sozialer, eigennütziger Verein ist und man dort ein wenig vorsichtig mit seinen Daten umgehen sollte. Zum Beispiel wenn er über die Verbindung von Facebook und dem US-Geheimdienst schreibt, die Adamek trotz einiger gut gemachter Assoziationen dann aber doch nicht beweisen kann.

Noch Spekulativer und Science-Fiction-mäßiger wird es, wenn Adamek über Facebook als Vorstufe zur künstlichen Intelligenz schreibt. Paradoxerweise bedienen aber genau diese difusen, unklaren Szeniaren gezielt die Ängste des Publikums.

Skepsis gegen Social Media

Bleiben wir auf dem Teppich. Solche unbewiesene Panikmache bringt uns nicht weiter. Tatsächlich merkt man Adamek seine Skepsis nicht nur gegenüber Facebook, sondern gegen die gesamten Sozialen Medien und dieses neuartige Internetzeugs, dass die Privatsphäre aufweicht, nur so an.

Denn Adamek schreibt nicht nur über Facebook, sondern bedient zwischendurch auch noch mal schnell das Vorurteil, bei Twitter würden nur Belanglosigkeiten ausgetauscht. Aber wenn man unbedingt Twitter und Facbook in einen Topf werfen will – bitte! So schreibt Adamek auf Seite 226:

„Andererseits haben Moderatoren wie Anne Will, Frank Plasberg, Johannes B. Kerner oder Maybrit Illner einen festen Sendeplatz für ihre Talkshows, einen Beginn und ein Ende. Als Zuschauer konzentriert man sich auf die Diskussion oder lässt es bleiben. Auf Facebook und Twitter haben die Debatten hingegen nie einen Anfang und nie ein Ende. Hier wird ständig geschnattert, aber die Diskussion darauf fällt schwer.“

TV ist besser?

Will heißen: Die Sendungen TV-Moderatoren sind es wert, geschaut zu werden. Wenn man das gesehen hat, weiß man alles, was man wissen muss. Alle weiteren Diskussionen zu verfolgen, kostet zu viel Zeit und ist eigentlich auch nicht notwendig.

Übrigens: Auch Adamek arbeitet vorrangig fürs Fernsehen! Und: Wer sich mal bei Twitter die Diskussionen über die einschlägigen Sendungen anschaut, wird eines besseren belehrt werden. Denn da zeigt sich, dass unter den vielen angeblich so unnötigen Diskussionsbeiträgen viele Perlen und viel Hintergrundinformationen stecken, die in den platten Sendungen gar nicht rauskommen. Gelebte Demokratie eben!

Diaspora in Bulgarien?

Eigentlich hätte sein Buch genauso gut die Social-Media-Falle heißen können. Dass man den Usern nicht nur Angst machen, sondern ihnen auch Alternativen aufzeigen könnte, das kommt Adamek nicht in den Sinn. Zwar erwähnt er Alternativen wie Diaspora, vergleicht diese aber mit Bulgarien, wo es zwar auch Wasser und Strom gäbe, die Freunde aber niemals hinfolgen würden.

Der Erfolg von Google+ straft Adamek mittlerweile Lügen: In nur zwei Wochen konnte Googles neues Netzwerk zehn Millionen neue Mitglieder anziehen wuchs damit schneller als Facebook. Das zeigt, dass die User sehr wohl bereit sind, zu wechseln, wenn es nur vernünftig gemacht ist.

Mehr Sachkenntnis bitte!

Eine etwas differenziertere Sichtweise und etwas mehr Sachkenntnis beim Autor, eigene Social-Media-Erfahrung statt nur angelesenes Wissen und ein wenig rumspielen auf Facebook wäre sicher hilfreich gewesen, ein kompetenteres und differenzierteres Buch zu schreiben.

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