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Sozialwissenschaftlicher Daten-Analytiker: Vom Studium direkt in die Selbständigkeit


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Bildrechte: Das Autorenfoto wurde zur Verfügung gestellt von Wolf Riepl gemäß Autorenvereinbarung.

Während meines Studiums der Soziologie (Schwerpunkte: Methoden empirischer Sozialforschung, Sozialpolitik sowie Theorie und Theoriegeschichte) mit Nebenfach Volkswirtschaftslehre (Schwerpunkt Makroökonomik) hätte ich mir keine Selbständigkeit vorstellen können. Ich wollte einen ruhigen, sicheren Job mit interessanten Aufgaben – ohne konkrete Vorstellungen zu haben, welchen.


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Doch erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt …

Nach dem Studium hatte ich zwar kurz eine befristete Unistelle und habe mich parallel dazu beworben – immer noch mit der Vorstellung, eine gute Stelle als Festangestellter zu finden. Jedoch erhielt ich die Aussicht auf einen spannenden Einstiegs-Auftrag. Nach etwas Bürokratie (ESF-Förderantrag inklusive Businessplan, einige Wochen Wartezeit, Gewerbeanmeldung) ging es endlich los. Aus dem ersten Auftrag resultierten Folgeaufträge – seitdem arbeite ich als sozialwissenschaftlicher Daten-Analytiker.

Eine der wichtigsten Erfahrungen als Selbständiger war, dass man nicht alles vorausplanen, kontrollieren und abschätzen kann. Ich hatte Glück, dass derjenige, der mich beim Businessplan beraten hat, mich auch gleich als Consultant für seine Unternehmensberatung gebrauchen konnte.

Kontakte schon vor der Gründung

Der Kontakt zu dem anderen Haupt-Auftraggeber bestand schon vor Gründung. Ich musste also nicht mit einer nervenaufreibenden Akquisephase beginnen, sondern hatte von Anfang an Aufträge. Ich habe insgesamt auch wenig Akquise gemacht, weil ich viele Folgeaufträge erhalte.

Wenn Kunden zufrieden sind und die Qualität stimmt, sind dabei auf jeden Fall Stundensätze oder Festpreise möglich, von denen man leben kann. Die Volumina reichten bis jetzt von Kleinstbeträgen bis ca. 5000 Euro pro Auftrag.

Wie weit reicht das Arbeitsspektrum

Ob ich bei Aufträgen Konkurrenz habe, kommt immer drauf an, wie eng oder weit das Angebotsspektrum reicht. Hatte in der Anfangseuphorie überlegt, noch stärker Richtung Programmierung zu gehen. Ich konzentriere mich vor allem auf die statistische Auswertungen und bleibe bei VBA-Sachen.

VBA steht für Visual Basic for Applications. Damit können Makros, die kleine Aufgaben automatisieren, bis hin zu komplexen Programmen geschrieben werden, die z. B. Daten aufbereiten und analysieren oder die Plausibilität von Benutzereingaben überprüfen. VBA ist in Office-Programme eingebettet. Man programmiert also innerhalb von Excel oder Access, muss keine vollkommen neue Software entwickeln, sondern kann auf den vorhandenen Funktionen dieser Office-Anwendungen aufbauen.

Statistik

Ansonsten erstelle ich statistische Auswertungen mit dem Statistik-Paket SPSS. Auch hier haben sich Automatisierungen bewährt. Beispiel: eine international arbeitende Firma befragt Ärzte in mehreren Ländern. Die Auswertung des ersten Landes wird mit einigem Aufwand neu konzipiert. Durch die Programmierung gehen die Auswertungen der weiteren Länderdaten anschließend wesentlich schneller und mögliche Inkonsistenzen in den Daten können automatisiert abgefangen werden.

Dabei genieße ich die Freiheit der Zeiteinteilung und abwechslungsreiche Aufträge aus verschiedenen Gebieten. Ich muss nicht, wie z. B. viele Projektleiter in Marktforschungs-Instituten, ganze Projekte koordinieren und hauptsächlich „Verwaltungsarbeit“ ausführen. Ich kann mich mehr auf Auswertungen konzentrieren und dadurch mein Fachwissen anwenden, das ich zum größten Teil im Studium erworben habe. Doch es gibt auch Schattenseiten: Es gibt keinen „echten“ Feierabend, man muss sorgfältig darauf achten, sich Freiräume zu schaffen und dann auch wirklich abzuschalten.

Ich Wünsche allen, die einen ähnlichen Weg gehen, viel Erfolg, Mut und gute Erfahrungen!

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