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Der VW-Skandal & Werte im Wettbewerb: „Made in Germany“ = Höchstleistungs-Betrug?


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Der VW-Skandal führte nicht allein den Weltmarktführer, sondern die gesamte Automobil-Branche in die Krise. Auch der DAX hat gelitten. Digitalisierung reicht eben nicht aus. Die Software, die Bits und Bytes, hat zwar Struktur und System, erzeugt zwar Wert, aber eben keine Werte. Werte sind jedoch entscheidende Wettbewerbsfaktoren. Werte führen


Hier schreibt für Sie:

 

Roswitha-van-der-MarktRoswitha A. van der Markt ist Unternehmensberaterin & Executive Coach u.a. für HP, Siemens o. SAP.

Profil


Vom Marktführer zum Betrüger

Noch Ende Juli diesen Jahres wurde Volkswagen als Marktführer gefeiert. In den ersten sechs Monaten hatte der Konzern weltweit mehr Fahrzeuge verkauft als sein Konkurrent Toyota. Er ist damit nicht nur der weltweit größte Autohersteller, sondern erreichte damit sein Ziel, auch weltweit der führende Autokonzern zu sein. Drei Jahre früher als geplant.

Nur zwei Monate später sorgt die Entdeckung der bewussten Täuschung von Behörden und Kunden für einen massiven Einbruch der VW-Aktie, wie der gesamten Automobil-Branche und des DAX. Die Schweiz verbietet nun den Verkauf manipulierter Fahrzeuge. Focus online bezieht sich auf Bloomberg, dass die Fälschungen von Abgaswerten offenbar in großen Teilen aus Deutschland gesteuert worden sind.

Der Nachrichtendienst beruft sich auf vertraute Personen des US-Geschäfts von Volkswagen. Da der Konzern in den USA nicht die notwendig versierten Ingenieure zur Manipulation gehabt hätte, habe wohl die höchste Führungsebene in Wolfsburg die Manipulationen betreut. Ist nun Höchstleistungs-Betrug die neue Marke für „Made in Germany“?

Dinosaurier VW vs. Google, Apple, Tesla

Die Marke VW stand bislang mit ihrer Leistung für das Image „Made in Germany“. VW und Audi bauen exzellente Autos, ihre Modelle gehören zu den besten der Welt. Bislang bestand die Herausforderung darin, die Marktführerschaft in Zeiten von Digitalisierung und Industrie 4.0 weiterhin zu halten und auszubauen.

VW hatte bislang eher auf alte traditionelle Technologien gesetzt. So bestand auch ohne Skandal die Gefahr als Dinosaurier unterzugehen, weil noch kein mutiger Schritt ins 21. Jahrhundert gewagt wurde. Tesla, Google und Apple stehen schon länger in den Startlöchern, um die Autoindustrie anzugreifen. Die jungen Generationen sind nicht mehr so „auto-affin“, sprich statt Auto als Statussymbol, lieber Car-Sharing. Ihnen ist vor allem Nachhaltigkeit und Flexibilität wichtig.

Marktführerschaft mit Digitalisierung & Industrie 4.0

Was dringend nötig ist: Impulse und Talente aus anderen Branchen für den digitalen Umbruch. Globale Studien der Personalberatung Russell Reynolds Associates zeigen, dass die Entscheider der Automobilindustrie zwingend auf das Digital-Knowhow anderer Branchen angewiesen sind.

Die Profile der obersten Führungsriege jedoch sind sehr homogen. Sie halten um 15% stärker an bestehenden Überzeugungen fest, sind um 11% perfektionistischer und halten sich an traditionelle Karrieremuster: 92% der Manager sind männlich; 75% kommen aus demselben Land wie ihr Unternehmen, 63% sind seit mehr als 25 Jahren im selben Unternehmen. Was dringend benötigt wird, sind digitale „Change Agents“ auf oberster Führungsebene.

Es ist also nur eine Frage der Zeit, wann schlagfertige Konkurrenten mit guten nachhaltigen Angeboten den Automobil-Markt angreifen. Statt zu manipulieren, hätte VW sich schon seit Jahren auf nachhaltige Innovationen konzentrieren sollen. Ob VW diese Entwicklung, diese technologische Krise als Chance sieht, steht nun leider nicht mehr allein zur Debatte. Der Konzern muss auf allen Ebenen um seine Existenz kämpfen.

Die deutsche Wirtschaft kann sich einen schwachen VW-Konzern nicht leisten

die Weltmarktführerschaft mittels bewusster Täuschung zu erzielen, führt zu harten Konsequenzen, die nicht allein den VW-Konzern, sondern auch die Automobilindustrie betreffen werden. Selbst wenn die Verantwortlichen identifiziert und haftbar gemacht werden, wackelt der Konzern in seinen Grundfesten.

Strafen und Schadensersatzforderungen von Ländern, Behörden und Kunden werden die Barreserven des Unternehmens aufbrauchen und der Konzern wird wahrscheinlich weitere Rückstellungen der erzielten Gewinne einleiten. Die Gelder werden jahrelang gebunden sein. Wo also sind dann noch Reserven für nachhaltige Neuentwicklungen. VW steht vor einem massiven Einbruch und selbst wenn diese Krise finanziell wie technologisch gemeistert werden kann, bleibt eines offen: Wird man VW noch glauben?

Gefährlicher ist der weltweite Vertrauensverlust

Der Aufbau von Vertrauen braucht eine lange Zeit, kann aber in einer Sekunde zerstört werden. Dies ist nun geschehen: Es wurden weltweit Kunden, Behörden, ganze Länder, die eigenen Mitarbeiter massiv in ihrem eigenen Wertegefühl verletzt. Wenn parallel zu Nachrichten über den VW-Skandal immer noch Werbeslogans über nachhaltige Spitzenleistung auf allen Kanälen verkündet werden, und die Wahrheit nachweislich völlig enttäuschend ist.

Dann fühlen sich Kunden wie Mitarbeiter nicht nur getäuscht, sondern richtig „gelinkt“. Wenn Vertrauen so enttäuscht wurde, braucht es sehr, sehr lange, wenn überhaupt, bis man wieder Vertrauen fassen kann. Daher stehen klassische deutsche Werte auf dem Prüfstand: Hohe Qualität, Nachhaltigkeit, Sicherheit, Zuverlässigkeit, Vertrauen, – nicht allein Technologie.

Corporate Governance – das System hat versagt

Geht es dabei um wertorientierte Führung oder doch eher Shareholder Value? Vorstand und Aufsichtsrat der Volkswagen AG folgen den Empfehlungen des Deutschen Corporate Governance Kodex in der Fassung vom 13. Mai 2013 (Entsprechenserklärung vom 21. November 2014). So ist im Corporate Governance Bericht, Investor Relations, zum Schutze des Unternehmens, der Organe wie auch zum Schutz der Mitarbeiter nachzulesen:

Verantwortungsvolle, transparente und wertschaffende Unternehmensführung Die Zukunft des Volkswagen Konzerns hängt entscheidend davon ab, ob es uns gelingt, den Unternehmenswert stetig zu steigern. Das Vertrauen unserer Kunden und Investoren ist dafür eine elementare Voraussetzung. Dieses Vertrauen stärken wir durch eine transparente und verantwortungsvolle Unternehmensführung, die in unserer täglichen Arbeit höchste Priorität hat. Im Deutschen Corporate Governance Kodex sind Empfehlungen und Anregungen für eine gute Unternehmensführung und -kontrolle festgehalten. Die Inhalte des Kodex wurden von der zuständigen Regierungskommission auf Grundlage wesentlicher gesetzlicher Vorschriften sowie national und international anerkannter Standards der Unternehmensführung erarbeitet.“

Wir brauchen wertorientierte Leader

Geht es bei einer solch „wertschaffenden“ Unternehmensführung nicht allein um Profit, um die Steigerung des Shareholder Value, so hat das System selbst die Anleger nicht geschützt. Statt Profit und Wachstum erhebliche Verluste. Das Bekenntnis zu einem Corporate Governance System ist nicht ausreichend, sondern allein der Geist, d.h. die Menschen und Werte, die dieses System tragen. Wo waren Verantwortung, wo Transparenz? Wo stehen die Mitarbeiter und die Kunden, die an diese Werte geglaubt und sich auf die Aussagen des Unternehmens verlassen haben?

Wir können uns immer wieder fragen, was da eigentlich schief gegangen ist und es ist leicht, letztendlich einen oder ein paar Schuldige festzumachen. Es nützt uns allen jedoch nichts, solange wir

  1. Wert nur als materielle Wertsteigerung, im Sinne des Shareholder Value betrachten.
  2. Zahlengläubig quartalsgemäß Daten, Fakten analysieren und gesteigerte Profite pushen
  3. Vertrauen in Technologien und materielle Marktführerschaft in den Vordergrund stellen.

Systeme sind Schall & Rauch: Was wir brauchen sind Leader, die ethisch verstehen, was Integrität und Verantwortung bedeuten, für das eigene persönliche Wertesystem, für das Vertrauen der Mitarbeiter, die stolz auf ihre Leistung sein wollen, für die Kunden, die mit Recht diese Werte einfordern und kritisch hinterfragen bis hin zur gesellschaftlichen Verantwortung.

Digitale Transformation reicht nicht

Die Digitale Transformation bietet große Chancen für unsere Gesellschaft. Wir sollten jedoch vermeiden, wieder nur auf das sichtbar Rationale, das Materielle, die Daten und Fakten zu sehen, sondern auf das Erfolgspotential durch den Menschen, seinen Geist, seine Vision, seine Ethik und Werte, die allein Visionen, ja Utopien zur Realität werden lassen.

Big Data können Wissen aus Informationen, Gewohnheiten und Erfahrungen zwar analysieren und wiederkehrende Verhaltensmuster erkennen. Sie können Systeme und damit auch Menschen manipulieren, aber sie liefern keine Antwort auf unsere Frage nach dem „Warum“, nach dem Sinn und der Relevanz unserer Arbeit. Diesen Anspruch haben jedoch sowohl Wissensarbeiter wie auch Kunden. Sie hinterfragen den Sinn, Zweck und die Vision der Unternehmung.

Wertorientiert Führen als ethisches Korrektiv zur Digitalen Welt

Der Fokus schwenkt von der rein materiellen Betrachtung der rationalen, ergebnisorientierten Leistung auf eine wertorientierte Führung, die gerade in der Wertschätzung der individuellen, sozialen und kulturellen Fähigkeiten der Mitarbeiter den entscheidenden Wettbewerbsfaktor sieht. Durch Werte und Diversität, durch Persönlichkeit. Der Charakter der Unternehmung spiegelt sich im Charakter und den Werten der Führungskräfte und Mitarbeiter.

Wir brauchen Mut, uns von unserer Fakten- und Zahlengläubigkeit zu lösen. Mut, uns nicht auf die Genialität von Daten und Systemen zu verlassen. Sie sind nicht die Wahrheit, sind manipulierbar und können keine Corporate Governance gewährleisten. Mehr Menschlichkeit und Verantwortung ist gefragt als ethisches Korrektiv zur Digitalen Welt.

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