Personaler kennen High Potentials kaum: Falsche Employer-Branding-Strategie {Trend!-Studie}

Von Simone Janson (Mehr) • Zuletzt IT-aktualisiert am • Zuerst veröffentlicht am 03.07.2012 • Bisher 7395 Leser, 2435 Social-Media-Shares Likes & Reviews (5/5) • Kommentare lesen & schreiben • Offenlegung & Urheberrechte:

Unternehmen locken die High Potentials von morgen ja gerne mit allerlei Employer-Branding-Schnick-Schnack: Eine cool(wirkend)e Aktion bei Facebook, ein paar hippe Videos und dann – so der Irrglaube der Personaler – werden die jungen Leute schon anbeißen und sich wie blöd bewerben. Weit gefehlt.

snv-studie-arbeitsbedingungen

Kein Feigenblatt für Personaler

Herausgebracht wurde die betreffende Studie, die sich mit den Anforderungen der Digital Natives an das HR-Management beschäftigt, gemeinsam von der Stiftung Neue Verantwortung und Egon Zehnder International. Darauf aufmerksam wurde ich durch Karsten Wenzlaff von ikosom.

Und insgesamt ist die Studie sehr spannend, denn sie ist kein Feigenblatt für die Personaler-Zunft sondern zeigt viel mehr, wie schlecht die Personal-Marketing-Verantwortlichen ihre Zielgruppe eigentlich einschätzen können. Was dazu führt, dass sie mit ihren Marketing-Bemühungen oft völlig daneben liegen.

Denn die Studie macht klar: Junge Menschen sind heute viel traditionsbewusster und konservativer, als viele glauben. Sie suchen z.B. auch nach sicheren Arbeitsplätzen, wollen aber gleichzeitig die größtmögliche eigene Flexibilität. Mit ein paar billigen Social-Media-Features lassen sie sich jedenfalls nicht locken.

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Wer wurde wie befragt?

Die Umfrage wurde unter 154 Alumni der stiftung neue verantwortung (snv) und Studenten verschiedener Fachrichtungen, darunter Wirtschaftspsychologie und Wirtschaftswissenschaften sowie unter 104 Personalchefs durchgeführt. Die Alumni und Personalchefes wurden vom 20.12.2011 bis 15.01.2012 befragt, die Studenten im März 2012.

Daten zu den Befragten

  • Beschreibung Alumni/Studenten:
  • Altersdurchschnitt: Alumni der snv 33 Jahre, Studenten 23 Jahre
  • Sektoren der Alumni der snv: Wirtschaft: 36%, Wissenschaft: 29%, Gesellschaft (NGOs, Medien): 21%, Politik/Verwaltung: 15% (N = 261)
  • Fachrichtungen der Studenten: diverse Fachrichtungen, insbesondere aber Wirtschaftspsychologie und Wirtschaftswissenschaften
  • Beschreibung Personalchefs:
  • Altersdurchschnitt: 48 Jahre
  • Geschlecht: weiblich: 30%, männlich: 70%
  • 1. und 2. Führungsebene, eine Person pro Unternehmen
  • HR Generalisten
  • Breiter Branchenmix

Ergebnisse

Was bei der Studie herauskam, dass Personaler und Digital Natives verschiedene Erfolgsfaktoren wie Arbeitssituation oder auch Motivation ganz unterschiedlich beurteilen. Ein Überblick:

  • Motivationsfaktoren: Die Top-3-Motivationsfaktoren für die Alumni/Studenten sind „Freude an der Tätigkeit“, „persönliche Weiterentwicklung“ und „Sinnhaftigkeit der Arbeit“. Bei den ersten beiden Punkten stimmen die Einschätzungen der Personalchefs mit denen der Alumni/Studenten überein. Diese sehen jedoch die Themen Karrierechance und Partizipation als weit weniger wichtiger an als die Personalchefs vermuten.
  • Eigenschaften: Personalchefs tendieren zu einem stereotypen Bild der High Potentials (selbstbewusst, innovativ, risikofreudig). Die Selbsteinschätzung der High Potentials ist dagegen breiter gestreut. So sehen sich nur 16 Prozent der Alumni/Studenten als sehr risikofreudig an. Insgesamt wählt ein großer Teil der Alumni/Studenten sehr viel traditionellere Eigenschaften in der Selbstbeschreibung als die Personalchefs dies tun: 64 Prozent der Alumni/Studenten bezeichnen sich als sehr diszipliniert (vs. 27 Prozent HR), 38 Prozent als bescheiden (vs. 4 Prozent HR) und 17 Prozent als traditionsbewusst (vs. 4 Prozent HR).
  • Kompetenzen der Zukunft: Die soziale Kompetenz gewinnt für beide Personengruppen in Zukunft an Bedeutung. Übereinstimmung herrscht auch darin, dass die Fachkompetenz nicht an Bedeutung zunehmen wird. Kompetenzen für eine globale Zusammenarbeit – multilinguale und interkulturelle Kompetenzen – werden von Personalchefs als sehr viel wichtiger eingeschätzt.
  • Die ideale Arbeitssituation: Die Annahmen der Personalchefs zu Arbeitsbedingungen weichen sehr stark von den Vorstellungen der High Potentials ab. Auch hier hat HR einen klaren Stereotyp vor Augen (mobil, flexibel, digital vernetzt). Dagegen streuen die Antworten der Alumni/Studenten deutlich: So wollen 23 Prozent mobil sein, aber 27 Prozent geben an, dass ihnen Ortsbindung wichtig sei. Nur 8 Prozent wünschen eine digitale Vernetzung, dagegen 62 Prozent persönliche Kontakte mit Kollegen und Geschäftspartnern. Auch der Wunsch nach Unternehmensbindung (von 27 Prozent der Alumni/Studenten geäußert) wird von der HR-Seite stark unterschätzt.

Fazit: Erstmal die Zielgruppe kennen

Wer erfolgreiches Personalmarketing betreiben will, sollte zunächst mal seine Zielgruppe richtig kennenlernen und auf der Wünsche eingehen. Viele teuere Social-Media-Aktionen verlaufen so im Sande. In der Studie heißt es am Ende:

High Potentials sind in Zukunft Mangelware, gleichzeitig nimmt ihre Loyalität gegenüber einem Arbeitgeber ab. Die Machtverhältnisse verschieben sich und Führungskräfte müssen auf die Bedürfnisse einzelner High Potentials eingehen und ihren Führungsstil individuell anpassen.

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Genau das haben aber viele Unternehmen noch nicht verstanden, wie so einige eher sinnlose Aktionen in der Vergangenheit gezeigt haben. Vielleicht sollten sie einfach mal auf die jungen Leute hören?

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18 Antworten zu „Personaler kennen High Potentials kaum: Falsche Employer-Branding-Strategie {Trend!-Studie}“

  1. Meta HR GmbH

    Studie zeigt, wie schlecht Personaler ihre High Potentials kennen: Falsche Employer-Branding-Strategie #g

  2. Edusys AG

    RT @markenfrische: #Studie zeigt, wie schlecht Personaler ihre High Potentials kennen – #EmployerBranding #hr

  3. Pascal Maurer

    Falsche #EmployerBranding-Strategie: Studie zeigt, wie schlecht Personaler ihre High Potentials kennen:

  4. Talent Management Studie & Verlosung von IntraWorlds: Mitmachen & Netbook gewinnen! | Berufebilder by Simone Janson

    […] Leserin Lea hat mich gestern auf diese Aktion von IntraWorlds aufmerksam gemacht: Studierenden und Young […]

  5. markenfrische

    #Studie zeigt, wie schlecht Personaler ihre High Potentials kennen: Falsche #EmployerBranding-Strategie #hr

  6. Thomas Kujawa

    akt. Schlagzeile der #HR News: Studie zeigt, wie schlecht Personaler ihre High Potentia… , see more

  7. Markus Wendt

    Zielgruppe unbekannt: Wie wenig Personaler ihre High Potentials kennen. via @SimoneJanson #Studie #EmployerBrand

  8. Dominik A. Hahn

    Kennen wir #EmployerBranding Verantwortlichen unsere Zielgruppen nicht? (nicht repräsentativ!)

  9. Lea

    Aufschlussreiche Ergebnisse! Aktuell läuft zum Thema Talentbindung die Talent Management Studie 2012. Kurzer Online-Fragebogen – als Gewinn lockt ein Netbook! www.soscisurvey.de/talentmanagementstudie2012

    1. Simone Janson

      Danke. Da weise ich doch gleich nochmal in einem Extra-Beitrag drauf hin!

  10. Ralf Tometschek

    Spannende #Studie: HR agiert oft an Zielgruppe vorbei! RT @SimoneJanson #karriere

  11. karriere.at

    Spannende #Studie: HR agiert oft an Zielgruppe vorbei! RT @SimoneJanson #karriere

  12. Christoph Berger

    Studie: Wie schlecht Personaler ihre High Potentials kennen: Falsche Employer-Branding-Strategie – berufebilder.de:

  13. Holger Froese

    Studie zeigt, wie schlecht Personaler ihre High Potentials kennen: Falsche Employer-Branding-Strategie #Business

  14. YOUNECT GmbH

    RT @SimoneJanson Studie zeigt, wie schlecht Personaler ihre High Potentials kennen: Falsche Employer-Branding-Strategie

  15. Jacqueline Klemm

    nehme deine bewerber wahr, sind keine quoten! "@SimoneJanson Personaler-High Potentials falsches Employer-Branding #g"

  16. Liane Wolffgang

    Studie zeigt, wie schlecht Personaler ihre High Potentials kennen: Falsche Employer-Branding-Strategie: Die Stif…

  17. Simone Janson

    Studie zeigt, wie schlecht Personaler ihre High Potentials kennen: Falsche Employer-Branding-Strategie #g

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