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Metro Group schickt drei weibliche Führungskräfte in die Antarktis: Echtes Teambuilding oder PR-Gag Marke Dschungelcamp?


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 Bild-Location: Antarktis.

Führungskräfte müssen auch unter extremen Bedingungen klug agieren und Entscheidungen treffen, trotz Stress im Team agieren und überhaupt emotional belastbar sein.



Hier schreibt für Sie:

 

Simone JansonSimone Janson, Auftritte in der ARD, gelegentlich Artikel für WELT, ZEIT, WIWO, t3n, W&V, macht Best of HR – Berufebilder.de & HR-Kommunikation.

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Junge Führungskräfte unter extremen Bedingungen

„Warum angehende Fürhungskräfte also nicht genau solchen extremen Bedingungen aussetzen und sehen was passiert“, dachte sich die Metro Group – Dschungelcamp lässt grüßen. Und ganz wie im beliebten TV-Format wurden die extrem-Erfahrungen auch per Video bei Youtube dokumentiert. Klingt nach einer coolen Aktion, ist aber eigentlich die reinste Heuchelei!

Auf das Thema Outdoor-Training zur Soft-Skill-Verbesserung bin ich vor kurzem im Gespräch mit einem Mitarbeiter der Deutschen Bahn AG aufmerksam geworden. Die DB mach sowas zum Beispiel im bayrischen Regensburg, um die Teamfähigkeit der Teilnehmer zu trainieren.

Antarktis statt Bayern

Das, was sich die Metro-Group ausgedacht hat, ist allerdings eine Spur härter: Sie wählte im Rahmen eines Wettbewerbs, des Young Talent Day, unter rund 100 Nachwuchs­führungs­kräften drei Kandidaten aus, um mit dem Umweltschützers Robert Swan auf eine zweiwöchige Antarktis-Expedition zu gehen – inklusive Extrem-Camping im Eis.

Dass dabei drei Frauen ausgewählt wurden, sei Zufall. „Es handelt sich nicht um ein Frauen-Förderungsprogramm,“ betont Simone Zilgen, Head of Staffing & Sourcing / Employer Branding bei der Metro AG im Interview mit Gero Hesse.

Werbung machen für den Arbeitgeber

Was verspricht sich das Unternehmen von der Aktion? Vordergründig geht es um Teamwork und Verantwortung unter extremen Bedingungen, wie Zilgen im Interview betont. Aber sie sagt auch indirekt worauf es eigentlich ankommt:

Nämlich nicht, dass die Teilnehmer Teamwork und Verantwortung lernen und Erfahrungen sammeln, sondern dies unter Beweis stellen – z.B. für das auf YouTube veröffentliche Videotagebuch. Und damit Werbung machen für ihr Unternehmen, wie Zilgen im Interview ziemlich unverblümt zum Ausdruck bringt:

Es geht um (mediale) Aufmerksamkeit

„Zwar gehen nur drei Mitarbeiterinnen auf Expedition, aber im Internet verfolgen viele weitere Menschen deren Videotagebuch. Durch die Aufmerksamkeit innerhalb und außerhalb unseres Unternehmens leisten wir einen nachhaltigen Beitrag zum Employer Branding.“

Aufmerksamkeit dürfte der Metro Group durch die ungewöhnliche Aktion gewiss sein. Und sie ist es auch, die die Attraktivität als Arbeitgebermarke steigen lässt („oh cool, die schicken ihre Mitarbeiter in die Antarktis!“), nicht etwa die schwammige Führungskultur des Unternehmens, von der im Interview so nett geheuchelt wird.

Eigentlich ändert sich ja doch nichts!

Gleichzeitig weiß Zilgen, wie ihr Zitat zeigt, ganz genau, dass eine einmalige Aktion mit nur drei Mitarbeitern an der Führungs- und Unternehmenskultur eigentlich nichts ändert. Ein paar durften reisen, der Rest darf sich alles als Video anschauen.

Geplant sind weitere Projekte zum Thema Unternehmens- und Führungskultur, sagt Zilgen am Ende ausweichend. Ob wieder ein Trip in die Antarktis dabei sein wird, ist doch fraglich. Wahrscheinlich wollte das Unternehmen mit einer kostspieligen und einmaligen Aktion vor allem Werbung machen – und in Zukunft wird es wieder eine Nummer kleiner.

Mehr freie Köpfe ändern die Unternehmenskultur

Schade, dabei ist die Idee mit der Extremsituation für Führungskräfte nicht schlecht: Um allerdings die Führungskultur in einem Unternehmen tatsächlich nachhaltig zu verändern, müssten sich deutlich mehr Junge Leute mal bei Eiseskälte den Kopf durchpusten lassen, als nur drei.

Das ginge vielleicht auch etwas billiger – und vermutlich weniger medienwirksam – zum Beispiel in den Alpen. Mit Regensburg liegt die Deutsche Bahn ja vielleicht gar nicht so falsch. Aber wer weiß: Vielleicht sind zu viel neue Gedanken in so einem Unternehmen auch gar nicht erwünscht?

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    Guter Artikel Frau Janson! Die Kritik gefällt mir sehr, ein kluges Hinterfragen.

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