Mentaler Selbstboykott: Vorgeschobene Ausweglosigkeit


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Manche Menschen spielen gerne das Opfer und schieben dann Ausweglosigkeit vor, statt aktiv zu werden.

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Hier schreibt für Sie:

 

Tom Diesbrock 84Tom Diesbrock ist Psychologe, Berater, Teamentwickler und Buchautor.

  Profil

Ich weiß gar nicht, wie der neue Job aussehen könnte

Es gibt Menschen, die schlagen noch immer ihre Schrauben mit dem Hammer in die Wand. Sie ahnen zwar, dass dies möglicherweise nicht der optimale Weg ist, kennen aber bisher keine besseren Werkzeuge. Anstatt sich zu informieren und nach einem Werkzeug zu suchen, mit dem sie ihre Schrauben erfolgreicher befestigen können (Schraubendreher!), beharren sie darauf, nicht zu wissen, wo und wie sie suchen könnten. Keine Idee, keine Alternative.

Das sieht dann so aus: “Ich würde mich gern auf die Suche nach einem neuen Job machen – aber ich weiß gar nicht, wie der aussehen könnte. Ideen habe ich ja leider überhaupt keine. Ich weiß nur, dass ich meine jetzige Tätigkeit lieber heute als morgen an den Nagel hängen würde. Aber solange ich nicht weiß, wohin ich will, bleibe ich besser, wo ich im Moment bin.” Und nun?

Mangel an Ideen oder keine Lust zum Suchen

Nur recht mutige Menschen und solche, die ihre Situation wirklich nicht mehr aushalten können, kündigen ihr Arbeitsverhältnis, ohne eine Alternative im Sinn (oder gar einen Arbeitsvertrag in der Tasche) zu haben. Die anderen machen sich auf die Suche danach – oder sie bleiben, wo sie sind, und erklären dies mit ihrem Mangel an Ideen. Dabei haben sie wahrscheinlich noch nie ernsthaft nach Alternativen gesucht.

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Diese Strategie folgt einer bestechend einfachen Logik: “Ich weiß nun einmal überhaupt nicht, welcher Job mir gefallen könnte. Also lasse ich alles beim Alten.” Die Möglichkeit, dass es durchaus eine interessante Tätigkeit geben könnte, die einem nur noch nicht bewusst ist, wird konsequent ausgeblendet. Aber warum?

Ein Tunnel ohne Ausgänge

Gerade Menschen, die einer Arbeit schon sehr lange nachgehen, haben oft überhaupt keine Vorstellung, welche Alternativen es für sie geben könnte. Es erscheint ihnen dann, als sei der gewohnte Job der einzig mögliche – weil sie bisher vermieden haben, mal über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen.

Wenn es aber langsam unerträglich wird und man sich unmöglich vorstellen kann, die Zeit bis zur Rente auf die bisherige Weise durchzuhalten, scheint die Situation ausweglos. Wie die Fahrt durch einen Tunnel, der keine Ausgänge bietet. Dann bleibt nur: “Da muss ich eben durch!”

Es gibt Alternativen – man muss sie nur kennen

Objektiv gesehen gibt es für jeden Neuorientierer eine gewisse Zahl von Möglichkeiten – bessere und schlechtere, einige sind mit Nachteilen verbunden, andere benötigen Fortbildungen oder erscheinen auf den ersten Blick schwierig zu realisieren.

Wenn ich meine Alternative noch nicht kenne, liegt es auf der Hand, dass ich mich auf die Suche danach mache, recherchiere, prüfe, frage, verwerfe, eine engere Auswahl bilde und schließlich eine Entscheidung treffe. Dieser Suchprozess verlangt Engagement, Zeit und den Mut, sich mit Neuem auseinanderzusetzen.

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Die Konfrontation mit den eigenen Grenzen

Am schwierigsten dabei ist möglicherweise die Kon­­frontation mit den eigenen Grenzen: Wenn ich mich mit einer attraktiven beruflichen Idee beschäftige, komme ich an der Frage nach meinen Kompetenzen nicht vorbei.

Diese Frage ist für viele Menschen mehr als unangenehm, wenn ihr Selbstbild lückenhaft und negativ gefärbt ist. So ein Suchprozess ist also nicht gerade ein Spaziergang – kein Wunder, wenn wir ihm mit Widerstand begegnen!

Glaube gibt Sicherheit?

Aus diesem Blickwinkel ergibt die unsere Strategie der “vorgeschobenen Ausweglosigkeit” durchaus Sinn: Lieber bleibe ich bei meinem Glauben, keine berufliche Alternative zu haben, als mich mit den Tücken einer Suche danach auseinanderzusetzen.

So erklärt sich auch die Vehemenz, mit der so mancher seine Ideenlosigkeit verteidigt – nicht nur sich selbst, sondern auch anderen gegenüber. Denn wir binden häufig andere Menschen ein, um unsere inneren Widerstände zu bestätigen.

Klagen statt Handeln

Sie kennen sicherlich Menschen, die jede Gelegenheit nutzen, um einerseits über ihren Job zu klagen und dann zu betonen, dass sie ja keine Alternative für sich sehen oder dass es schlichtweg keine gibt.

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Diese Aussage löst beim Gegenüber wahrscheinlich den Impuls aus, konstruktive Vorschläge zu machen und sich auf der Suche danach womöglich so richtig zu bemühen. Man möchte ja belohnt werden mit einem Satz wie: “Ja, das ist eine tolle Idee; das könnte ich wirklich mal versuchen, vielen Dank!”

Der Unterstützer, der die Ausweglosigkeit bestätigt

Nur leider wird der niemals kommen, wenn der anscheinend Ratsuchende der Strategie der Ausweglosigkeit folgt: Im Gegenteil, er wird alles daran setzen, jeden Vorschlag und jedes Puzzlestück einer Idee als für ihn persönlich unpassend und nicht realisierbar zu erklären. Denn er will ja nicht wirklich eine gute Idee hören, sondern nur in seiner Ausweglosigkeit bestärkt werden.

Das ideale Ziel so einer Konversation ist für ihn erreicht, wenn der bereitwillige Unterstützer einsieht, dass es für den armen Unzufriedenen wirklich keine Alternative gibt.

Der Notleidende, der keine Hilfe will

Am Ende stehen meist Frust und manchmal sogar Wut, weil der Helfer merkt, dass sein Gegenüber sich überhaupt nicht helfen lassen möchte. Über so eine Dynamik können sogar Freundschaften leicht in eine Krise geraten!

Wie sieht es mit Ihnen aus? Investieren Sie gelegentlich Energie, um sich und anderen immer wieder zu erklären, dass Sie für sich keine berufliche Alternative sehen?

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