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Außerdem weitere Bildrechte bei Hone Mihaka.

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Simone Janson ist VerlegerinBeraterin und eine der 10 wichtigsten deutschen Bloggerinnen laut Blogger-Relevanz-Index. Sie ist außerdem Leiterin des Instituts Berufebilder Yourweb, mit dem sie Geld für nachhaltige Projekte stiftet. Laut ZEIT gehört ihr als Marke eingetragenes Blog Best of HR – Berufebilder.de® zu den wichtigsten Blogs für Karriere, Berufs- und Arbeitswelt. Mehr zu ihr im Werdegang.

Berufsbild Maori-Häuptling im Tourismus: Zwischen Tradition und Facebook

Hone Mihaka ist Maori und Häuptling der Ngapuhi. Dank des Tourismus hat er es zu bescheidenem Wohlstand gebracht. Einen großen Anteil daran hat das Internet. Wie lebt und arbeitet er zwischen Tradition und Moderne, zwischen Business und einfachen Verhältnissen im äußersten Norden Neuseelands?

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Erst begrüßen, dann reinkommen

Bevor ich sein Haus betrete, werde ich wie jeder Gast mit der traditionelle, feierlichen Willkommenszeremonie, dem Whakatau, begrüßt. Hones Frau Judy steht am Eingang des Hauses und singt. Über ihre Jeans hat sie sich für die Zeremonie einen Rock gezogen, um ihre Beine zu bedecken und sich damit als Frau zu erkennen zu geben. Denn Frauen, die ihre Beine zeigen, seien in der Maori-Tradition wie Männer – und würden auch so behandelt, wir mir Hone erklärt.

Judy ruft ihre und meine Vorfahren, die in der Maori-Philosophie immer und überall mit einem reisen. Sie bittet um Auskunft darüber, ob ich in friedlicher Absicht komme oder nicht. Schließlich werde ich Willkommen geheißen und antworte in meiner eigenen Sprache. Es folgt der traditionelle Maori-Gruß, das Aneinander-Drücken von Nase und Stirn. Nun darf ich das Haus betreten.

Hausumbau in nur 5 Tagen

Dann wird es sehr praktisch: In Kürze, erzählt mir Hone stolz, will er sein Haus von grundauf rennovieren. Richtige Türen in allen Zimmern statt, wie momentan, Vorhänge zur Abtrennung, auch in der Toilette. Ein Stock mehr, damit die Gäste in Zukunft nicht mehr in der Garage auf dem Boden schlafen müssen.

Der Maori-Häuptling betreibt mit seinem Stamm, den Ngapuhi das Tourismus-Unternehmen Taimaitours. Als Hone mit dem Tourismus anfing, wusste er nichtmal was ein Computer überhaupt ist. Heute betreibt er eine eigene Website, bloggt und ist bei Facebook.

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Eine Treppe und eine Veranda. Und eine richtige Küche. Der Hausumbau soll nur fünf Tage dauern: Dann kommt die ganze Familie, alle zelten im Garten und bauen das Haus um: Ob das nicht ein wenig kurz ist, frage ich zweifeln. “Nein”, wiegelt Hone ab, “es kommen ja alle zum Helfen. Und er verspricht, Fotos davon bei Facebook einzustellen. Bis heute habe ich keine gefunden.

 Flöte im Ohr

“Sogar Backpacker haben sich zur Unterstützung angemeldet,” sagt Hone stolz – und lacht. Mittlerweile ist er weit über die Grenzen Neuseelands hinaus bekannt, danke seines Jobs als “Touristenattraktion”, den er seit 15 Jahren macht. Denn Hone ist ein kurioser Typ.

So trägt er anstelle eines Ohrrings eine Flöte im Ohr. Das sei sehr praktisch, weil er sie jederzeit herausnehmen und darauf spielen könne, sagt er – und führt das dann auch gleich vor. Auch auf Muscheln kann er Melodien blasen. Wie er ein derart großes Loch in seinem Ohrläppchen fabriziert habe? “Mit einer Feder” erklärt er und fügt auf meinen verdutzten Gesichtsausdruck hinzu: “Mit der Feder habe ich das Loch gebohrt und es dann mit einem kleinen Ast allmählich vergrößert.”

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Der Tourismus hat Wohlstand gebracht

Der Tourismus ist für Hone und Judy ein Segen – er hat ihnen den Wohlstand gebracht. Jetzt endlich haben sie genug für den Hausumbau verdient. Seine Frau Judy kann es gar nicht erwarten.

Sie, die in Wellington in einem großen Haus aufgewachsen ist, die Mutter Maori, der Vater weiß, musste sich erst an das kleine, etwas armseelige Holzhaus gewöhnen, das früher Hones Eltern gehörte, wie sie mir erzählt: “Als Hones Vater uns 1997 bat, hierherzuziehen, wollte ich gar nicht – unser Lebensstandard war in Auckland höher.” Jetzt weiß sie nicht mehr, wie sie früher in der Stadt leben konnte, mit den ganzen Menschen und dem Smog.

 “Ich bin kein Show-Pony”

Hone schüttelt den Kopf, als ich ihm erzähle, dass es in Berlin Menschen gibt, die gegen Touristen demonstrieren: “Den Tourismus bekämpfen heißt, Geld zu bekämpfen”, sagt Hone. Dabei hatt er am Anfang in der Tourismus-Branche nichtmal genug Geld, um für sein kleines Business Marketing zu machen.

Dann aber entdeckte das Neuseeländische Fremdenverkehrsamt die Maori als Alleinstellungsmerkmal des Landes – und Hone bekam Aufträge. Zunächst sei er daher mit einer Maori-Gruppe aufgetreten, die z.B. auf Kreuzfahrtschiffen den Haka, den traditionellen Ritual-Tanz der Maori aufführten. Das war ihm aber bald zu künstlich, zu unecht: “Ich bin ein Original, kein Show-Pony” sagt er selbstbewusst.

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Ein Motor am Kanu für die Touristen

Heute bietet Hone u.a. mit seinem Stamm Kanutouren für Touristen auf dem Waitangi-Fluss an. Mehr als nur Paddeln: Vor jeder Tour werden die Götter des Wassers, des Windes und des Holzes angerufen. Denn auch die Kanus, die Waka, haben eine lange Tradition bei den Maori und erzählen Geschichten.

Mit eben solchen Kanus seien die Vorfahren von Hawai bis nach Neuseeland gerudert – eine nautische Meisterleistung sozusagen. Seine neun Kanus hat der Stamm selbst hergestellt – und ist dabei weitgehend der traditionellen Bauweise gefolgt. Die modernen Kanus sind allerdings aus Fieberglas.

Hone hat gerade einen Motor für sein Kanu gekauft – “falls die Touristen müde werden”. Und auch sein Baströckchen hat er heute nicht angworfen. “Zu kalt” wie er sagt.

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 Kleine Missgeschicke auf historischem Boden

Ich begleite ihn auf eine Tour mit Schülerinnen einer Elite-Mädchenschule aus Auckland. Größer könnten Kontraste kaum sein. Und während Hone uns erzählt, von James Cook, der 1769 als erster Europäer die Bay of Island besuchte und ihr den Namen gab, von der frühen europäischen Besiedlung und vom Vertrag von Waitangi, der 1840 hier unterzeichnet wurde – da wirft er in der Euphorie seines Vortrags in hohem Bogen seinen Autoschlüssel ins Wasser.

Und findet ihn natürlich nicht wieder. Nun muss er sich von der Lehrerin ein Handy leihen, um seine Frau anzurufen, damit sie ihm den Ersatzschlüssel bringt. Zu den Hararu Falls schaffen wir es heute nicht mehr. Aber die Mädchen hatten trotzdem Spaß. Kein Zweifel, eine große Rolle spielen für ihn seine Kultur und seine Traditionen.

Durch Traditon gefestigt

Früher, sagt Hone, habe er nicht gewusst, wer er war: Er habe irgendwie versucht zu überleben, mehr als 20 Jahre lang ziellos an verschiedenen Orten Neuseelands und schließlich in Auckland. 1997 dann die Heimkehr in die Bay of Islands.

Seitdem hat sich Hone immer stärker mit den Traditionen seines Stammes beschäftigt und seine ganz eigene Lebensphilosophie entwickelt.

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Seine Ahnenreihe kennt er auswändig

So kennt er seine ganze Ahnenreihe bis 1819 auswändig. Damals reiste einer seiner Vorfahren nach London, besuchte King George und lernte die Lebensweise der Europäer kennen. Und übersetzte die Bibel mit 14 Buchstaben des englischen Alphabeths in das Te Reo, die “von den Göttern geschenkte Sprache” der Maori. Englisch sei hingegen eine von Menschen gemachte Sprache, sagt Hone – und es klingt ein wenig abfällig.

In der Garage, die als Wohnzimmer dient, sind seine Ahnen als Fotos aufgereiht und blicken beim Essen auf uns herab. Der Respekt vor den verstorbenen ist so groß, dass ich diese Bilder nicht fotografieren darf.

Echte Werte oder nur für den Tourismus

Und doch: Hat diese Rückbesinnung auf familiäre Traditionen nicht auch damit zu tun, dass er mit dem Tourismus sein Geld verdien? Das bestreitet Hone energisch – und nennt als ein Gegenbeispiel seine Ta moko, die traditionellen Tatoos der Maori, die er am ganzen Körper trägt.

“Wenn ich sie nur für Touristen tragen würde, wären sie aufgemalt wie in anderen Regionen Neuseelands” erklärt der Maori-Häuptling. Tatsächlich sind die Tatoos, die Geschichte seiner Familie erzählen, Zum Teil noch auf die traditionelle Maori-Weise eingeritzt – mit Knochen, die in Farbe eingetaucht und dann in die Haut gestochen wurden. Nebenbei nicht die einzige blutrünstige Sitte der Maori, die in früheren Zeiten auch den Kanibalismus pflegten. Das sei aber längst vorbei, versichert man mir.

Blutige Angelegenheit

Heute, sagt Hone, bevorzugen aber auch die Maori die moderne Tätowierungsmethode, auch wenn sie mehr Schmerzen: “Beim traditionellen tätowieren verliert man zu viel Blut und das Infektionsrisiko ist wegen der Umweltverschmutzung größer. ”

“Wer darf denn ein Ta moko, tragen?” frage ich. “Jeder”, sagt Hone und erzählt von seinem deutschen Freund, der Tätowierer ist und sein Ta moko mehr schätzt als andere Tatoos. Denn ein Ta moko kenne keine Vorurteile erklärt er mir und fügt hinzu: “Menschen sind rassistisch und diskriminieren, Kultur nicht.”

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“Ich versuchte, irgendwie zu überleben”

Hone trägt heute mit Stolz seine Familie auf seinem Körper, wie er sagt. Und doch ist er selbst erst spät zu seinen Ta moko gekommen. Als er jung war, habe sein Vater in gefragt, ob er es tragen wollte – und er hat abgelehnt. “Kultur und Traditionen interessierten mich nicht, ich versuchte nur in einer ungerechten Gesellschaft, die uns Maori unterdrückt, zurechtzukommen!

Heute versuche ich Wege zu finden, das zu ändern – das braucht aber Zeit.” Das Sozialsystem müsse stark verbessert werden, es müsse mehr tun für die unteren Schichten helfen. Deutschland, findet er, könne da ein Vorbild sein.

Nur keine Schönfärberei

Trotz dieses Optimismus ist ihm der tiefe Frust über die soziale und ökonomische Situation der Maori anzumerken. Dabei gilt der Vertrag von Waitangi weltweit als vorbildlich im Umgang mit Ureinwohnern und das Te Reo ist offizielle Amtssprache. Doch das neuseeländische Sozialsystem habe wenig für die Maori oder ihn getan, findet Hone.

Daher sei es noch heute oft so, dass die Maori die einfach, körperlichen Arbeiten machten – “und die Weißen die gut bezahlten Business-Jobs.” Die Maori seien für viele immer noch der Ausschuss der Gesellschaft sind, klagt er bitter. Gegen Schönfärberei hat er etwas: “Manche sagen, man soll vor Touristen nicht über die negativen Dinge, damit die Besucher einen positiven Eindruck von Neuseeland bekommen. Ich sage, man muss ehrlich sein!”, sagt er gelassen. Und hat auch keine Probleme damit, dass ich sein Haus mit der aufgehängten Wäsche fotografiere: “Das ist ja die Warheit!”

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Spaghetti Bolognese und Süßkartoffeln

Wahr sind aber auch die kleinen Brüche und Widersprüche zwischen Tradition und Moderne. Traditionelle Küche der Maori käme bei ihnen auf den Tisch – und ich bin sehr gespannt. Doch dann gibt es Spaghetti Bologness mit Süßkartoffeln uns Salat.

Hone redet auch gerne und viel über die Umweltverschmutzung, die die Weißen, die Pakeha, gebracht haben. Tatsächlich ist Neuseeland längst nicht mehr das unberührte Naturparadis, das es zu scheint: Rund 80 Prozent des ursprünglichen Regenwaldes wurden abgeholzt und auch so mancher See leidet unter der Umweltverschmutzung.

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Mercedes als Liebhaberstück

Doch auch Hone pflegt nicht gerade einen ökologischen Lebensstil: In einem Graben hinter seinem Haus liegt der Unrat der letzten Jahre – von Sportgeräten bis zu Küchenmaschinen. Und Hone besitzt vier Autos. Ein Van, in den die Kanus passen. Ein Van für die Familie. Ein Auto für seine Frau Judy. Und schließlich einen alten Mercedes.

Nun möcht Hone zwei Vans verkaufen und einen neuen, größeren kaufen, in den sowohl Kanus als auch Familie passen. Gebraucht versteht, so hat er alle seine Autos bekommen. Auch den Mercedes, dem ihn ein Freund vor Jahren günstig überlassen hat. “Ich habe nie gedacht, dass ich mal so ein Auto fahren kann”, schwärmt er und amüsiert mich, dass eine deutsche Automarke, die den Elchtest nicht bestanden hat, so viel Reputation am anderen Ende der Welt genießt.

Denn billig ist der Fahrspaß damit nicht, denn das Liebhaberstück verbraucht einfach unglaublich viel Benzin. “Wenn ich kein Geld habe, bleibt das Auto einfach stehen”, sagt Hone und lacht. Vermutlich müssen die Neuseeländer keine KfZ-Steuern zahlen.

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Internet – Fluch oder Segen?

Das Internet habe sein Leben sehr verbessert, stellt er fest: “Die Kunden können mich nun direkt buchen und finden mich sogar aus dem Ausland!” Aber er hat auch schon die Nachteile der modernen Kommunikation kennengelernt: “Man kann auch sehr viel Zeit damit verbringen.”

Wie zum Beweis gehen morgen nach dem Aufwachen erstmal die Telefonate los: Hone hat eine Buchung bekommen, muss Anfragen abklären, eMails beantworten. Auch seine Frau Judy telefoniert, teilweise mit zwei Mobiltelefonen gleichzeitig.

Ganz normale Geschäftsleute

Für Sozialromantik ist da kein Platz, die beiden Maori sind zwei ganz gewöhnliche Geschäftsleute, die auf mehreren Kanälen Kundenanfragen beantworten. Auch die Region, in der die beiden Wohnen, habe sich in den letzen 10 Jahren hat sehr verändert: “Früher gab es hier noch nichtmal Straßen,” erzählt mir Judy.

Die Kanu-Touren ernähren die ganze Familie. Hone hat zwei erwachsene Töchter und fünf Enkelkinder. Der Stamm, der aus 3.000 Leuten besteht und dreimal im Jahr zusammenkommt, ist der einzige, der Kanu-Touren anbietet.

Vom Kanufahrer zum Golfspieler?

Hone möchte indes das Kanu-Business noch ausbauen: Sein Wunsch ist, dass das Unternhemen noch wächst und etwa 80 bis 100 Leuten seines Stammes Arbeit gibt.

Dann will er die Geschäfte den jüngeren Leuten überlassen uns sich selbst neuen Plänen widmen – z.B. möchte er Golftouren anbieten und Golfspielern etwas über die Kultur der Maori vermitteln. Erstaunt nehme ich zur Kenntnis, dass Hone leidenschaftlicher Golfspieler ist.

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Selbst noch nichts von der Welt gesehen

Hone denkt allerdings schon an die Rente. In vier Jahren, wenn er und seine Frau 54 sind, will er aufhören zu arbeiten und mit einem Wohnmobil oder als Backpacker durch die Welt reisen. Und seine Familie mitnehmen. Nur seine Frau Judy ist nicht ganz glücklich mit der Idee.

In anderen Ländern ist Hone bislang kaum gewesen: Von seinem holländischen Reiseveranstalter Travelessence wird er einmal im Jahr nach Europa eingeladen, um auf der Vakantiebeurs Trade Fair Messe in Utrecht sein Heimatland zu präsentieren – ganz klassisch im Baströckchen. Dann fliegt er, wie er sagt, Business-Class, weil er das fliegen nicht gewohnt ist. Abgesehen von diesen Trips war Hone bisher nie außerhalb Neuseelands.

Teil einer Kultur sein oder die Kultur leben?

Dennoch hat Hone bei seiner Arbeit mit Touristen aus anderen Ländern auch deren Kultur studiert – und sich seine eigene Meinung darüber gebildet: Viele Weiße, hat Hone beobachtet, wollen wählen können, ob sie Teil einer Kultur sein wollen oder nicht.

Für Hone ist das absurd: “Ich wähle meine Kultur doch nicht und bin auch nicht nur ein Teil von ihr, ich BIN meine Kultur. Da hat man keine Wahl. ” Das ist für den Maori nicht nur eine theoretische Frage, sondern macht auch in der Praxis viel aus: “Ich bin nicht nur Teil dieser Erde, vielmehr bin ich die Erde, sie gehört unweigerlich zu mir. Wenn ich nur Teil von etwas bin, kann ich es auch kaputt machen.”

Mit dem Tourismus die Kultur verraten?

“Gebildete Menschen sehen Kultur oft distanziert, wollen nicht Teil von ihr sein.” sagt Hone. “So ein Quatsch. Man braucht doch keine Bildung, um zu wissen, wohin man Gehört. Vater Himmel, Mutter Erde, Wind sind die Geschwister. Da nützen auch die ganzen teueren Zertifikate nichts, für die Leute, viel Geld ausgeben.”

Dennoch verdient Hone nicht schlecht an diesen gebildeten Weißen: Eine Gruppe Touristen hat eine Woche mit seinem Stamm gelebt die Erfahrungen zu teilen und 2400 Dollar dafür bezahlt. “Doch nur weil er ich Tourismus arbeite”, sagt Hone, “heißt es nicht, dass ich meine Traditionen verrate. Ich lasse die Leute für einige Zeit in mein Leben und sie respektieren meine Sitten. Ich will, dass die Leute verstehe, weil sie etwas hören, was sie nicht kennen.

Maori: Back to the roots

Warum glaubt er, interessieren sich die Menschen derart für die Maorikultur? “Viele Menschen, sagt Hone, haben ihre Wurzeln vergessen. Die Maori haben etwas bewahrt, das andere verloren haben. Wie müssen immer wissen, woher wir kommen, um zu wissen, wo wir hingehen. Der Schlüssel für die Zukunft liegt in der Vergangenheit. Und genau danach suchen die Menschen.”

Tangata Phenua, People of the Land, so bezeichnen sich die Maori selbst. Phenua heißt Land in der Maori-Sprache. Maori ist ein englisches Wort und der Überbegriff für die verschiedenen Stämme. Das wäre etwas so, sagt Hone, als ob man alle Weißen Europäer nennt.

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Maori: Fortschrittlich in Toleranz

In einer globalisierten Welt ist Toleranz wichtig, sagt Hone – und genau in diesem Bereich sind die Maori ausgesprochen fortschrittlich, weil sie sich mit kultureller Identität und Identitätsverlust ausgiebig auseinandergesetzt haben. Maori sind sehr modern.

Maori schätzen ihre kulturellen Werte und Prinzipien, dadurch sind sie offen und fähig, andere Menschen zu verstehen, wie sich die Welt allmählich in eine Multikulturelle Gesellschaft wandelt. “Wenn wir das unseren Kindern beibringen, brechen wir Barrieren!”

Was, wenn die Touristen wegbleiben?

Was passiert, wenn die Touristen eines Tages wegbleiben? Hone macht sich keine Sorgen. “Mir geht es schon gut – im Gegensatz zu anderen.”

Bücher zum Thema

5 Antworten zu “Berufsbild Maori-Häuptling im Tourismus: Zwischen Tradition und Facebook”

  1. Boris sagt:

    Geil, man liest nicht jeden Tag etwas über einen Maorihäuptling. ist es normal, dass die Menüpunkte in der Navigation überlappen?

  2. Jessie Lipson sagt:

    Wow, Wow, Wow, sehr guter Beitrag.

  3. Holger Froese sagt:

    Berufs- und Lebensbilder weltweit: Der Maori-H äuptling und das Internet – 1/3 #Business

  4. Simone Janson sagt:

    Berufs- und Lebensbilder weltweit: Der Maori-Häuptling und das Internet – 1/3 #g

  5. Liane Wolffgang sagt:

    Berufs- und Lebensbilder weltweit: Der Maori-Häuptling und das Internet – 1/3: Hone Mihaka ist Maori und Häuptli…

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