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Die Lüge der digitalen Bildung – Teil 5: Wie Medien die Sensomotorik schädigen



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Viele Eltern würden sich freuen, „dass sie ihren Kleinkindern etwas zeigen können, was garantiert keine Gewalt und keine unverständlichen Szenen enthält.“ Doch ist das wirklich so wichtig? Kommt es nicht viel mehr auf die sensomotorische Entwicklung an?

sensomotorik


Hier schreibt für Sie:

 

Prof. Gerald LembkeProf. Gerald Lembke ist Studiengangsleiter für Digitale Medien an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Mannheim und Präsident des Bundesverbandes für Medien und Marketing e. V.

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Teletubbies mit Humor nehmen?

Die BpB akzeptiert zwar auch als mögliche Position die Forderung „Babys gehören nicht vor die Glotze!“. Aber: Wer eine positive Einstellung zum Fernsehen habe, „werde sicher auch weniger Schwierigkeiten haben, sich auf die Teletubbies einzulassen.“ Zusätzlich gibt es noch den Tipp, humorvoll mit der Sendung umzugehen: Zum Abendessen könnte es einen „Tubby-Toast“ geben, das „Zubettgeh-Knuddeln“ ließe sich auch „Tubbie-Schmusen“ nennen.

Eine wachsweiche Position, der wir ein klares Nein entgegensetzen, wie bei unserer ersten These – und zwar ganz im Sinne der amerikanischen Kinderärzte: Je jünger die Kinder sind, desto sinnvoller ist es, sie überhaupt nicht dem Einfluss elektronischer Medien auszusetzen.

Das Medium ist die Botschaft

Wir sollten nicht diskutieren, ob die Teletubbies mehr oder minder kindgerechte Inhalte transportieren. Vielmehr sollten wir diskutieren, ob unter Zweijährige nicht wertvolle Lebenszeit verschwenden, wenn sie vor Tablets und Co. geparkt werden. Eine Zeit, in der sie krabbelnd beginnen, unsere komplexe Welt zu erforschen.

Dazu stellt der amerikanische Psychologe Dr. Jim Taylor fest: „Wir konzentrieren uns auf die Inhalte der Technologie (Videos, Postings, Social Media), unterlassen es aber zu diskutieren, wie uns die intensive Nutzung selbst verändert.“ Das habe bereits 1964 Marshall McLuhan gemeint, als er die berühmte Formulierung fand: „The medium is the message“ („Das Medium ist die Botschaft“). Das bedeutet:

„Hinter dem vermittelten Inhalt hat das Medium selbst eine Wirkung, weil es einzigartiger Natur ist und mit speziellen Ei- genschaften in Erscheinung tritt“, so Dr. Taylor.

Verschwendete Lebenszeit

Welche Wirkung haben elektronische Medien auf unter Zweijährige? Jede Minute vor einem Tablet oder Fernseher fehlt dem Kind, um in seiner sensomotorischen Entwicklung voranzukommen.

Diesen Begriff hat Jean Piaget (1896–1980) geprägt, der ein Modell der kognitiven Entwicklung entworfen hat, und zwar für Kinder zwischen Geburt und Pubertät. An dieser Stelle zoomen wir die erste Phase heraus, die drei weiteren Phasen werden in Kapitel 5 (Denken lernen) auftauchen. Denn Piagets Überlegungen sind für uns der rote Faden, um die Entwicklung des kindlichen Denkens zu verfolgen.

Von der Importanz der Sensomotorik

Schließlich gilt der Schweizer Psychologe als „Übervater der Entwicklungspsychologie“, wie 2002 Spektrum der Wissenschaft festgestellt hat.

Zurück zur sensomotorischen Phase: Der Wortteil „senso“ steht für Sinneserfahrungen, das heißt das Kind sammelt seine ersten Erfahrungen in der Welt, indem es schaut, hört, schmeckt, riecht und tastet. Der zweite Wortteil „motorisch“ bedeutet, dass unter Zweijährige neben den Sinnen ihren Bewegungsapparat einsetzen, um die nähere Umwelt zu erkunden.

Vom Tun zum Wissen

Sie krabbeln, greifen oder klatschen ins Wasser. „Das Kind baut sich sein Wissen von dieser Welt auf, indem es durch aktives Tun zunächst Erfahrungen an seinem eigenen Körper, später an Gegebenheiten seiner Umgebung sammelt“, fasst Gerd Mietzel diese Vorgänge zusammen. Und weiter schreibt er:

„Die einzige Möglichkeit des Denkens besteht darin, etwas mit den vorgefundenen Dingen zu tun, d. h., sie zu betrachten, zu berühren, in den Mund zu stecken und nach ihnen zu greifen. Während es in seiner ObjektWelt hantiert, empfängt es über seine Sinnesorgane Rückmeldungen; es wiederholt diejenigen Aktivitäten, die interessante Effekte auslösen.“

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  1. naja.. muss ja nicht teletubbies sein! sendung mit der maus hilft in meiner sicht schon bei der entwicklung!

  2. Om

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    Nicht bestimmte Inhalte, sondern elektronische Geräte schädigen Kinder @Gerald_Lembke
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