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Die Lüge der digitalen Bildung – Teil 8: Realität statt Digitalität



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Das Fazit am Ende dieser kleinen Reihe: Kinder brauchen reale Erfahrungen, um um ihre sensomotorische Phase (Piaget) gut zu durchleben. Und die sollten wir ihnen geben.

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Hier schreibt für Sie:

 

Prof. Gerald LembkeProf. Gerald Lembke ist Studiengangsleiter für Digitale Medien an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Mannheim und Präsident des Bundesverbandes für Medien und Marketing e. V.

Profil


Best of HR - Berufebilder

Die Bausteine der Umgebung

Kinder greifen nach der Welt – und begreifen so die ersten Bausteine ihrer komplizierten Umgebung. Dabei entstehen noch keine Begriffe, der kognitive Prozess setzt auf einer sehr basalen Ebene ein. Im Gehirn entwickeln sich erst die Grundlagen, um später gedankliche Probleme zu lösen.

Dazu bedarf es vielfältiger Anregungen aus der echten Welt – einfaches Spielzeug, Waldspaziergänge oder die direkte Interaktion mit den Eltern. Hellgard Rauh schreibt dazu:

„Die Vorstellungen von Gegenständen und Personen, von Abläufen und Gesetzmäßigkeiten entstehen also aus der han- delnden Erfahrung des Kindes mit seiner Umwelt und sind eine aktive geistige Leistung des Kindes.“

Handelnde Erfahrungen sind zwingend notwendig

Handelnde Erfahrungen sind zwingend die Grundlage für eine gesunde Entwicklung, die aber nicht passiv vor elektronischen Medien stattfinden kann. Passiv und eben nicht interaktiv, wie der Einwand lauten könnte.

Denn wenn Kleinkinder auf dem Tablet wischen oder auf dem Spiel-Laptop Tasten drücken, wird nur ein sehr eingeschränktes motorisches Repertoire eingeübt. Ganz abgesehen von der Tatsache, dass reale Sinneserfahrungen auf diese Weise nicht möglich sind.

Oder lässt sich ein Wald auf dem Bildschirm simulieren – mit grünen Bäumen, verrotteten Ästen und Ameisenhaufen? Mit dem modrigen Geruch des Bodens, dem Gesang der Vögel und den knackenden Geräuschen, wenn morsches Holz auseinanderbricht?

Das Leben einleben!

Nein – diese Welt ist so einzigartig, dass wir die wichtige Aufgabe haben, unsere Kinder von Anfang an in das Leben einzuleben.

Vor diesem Hintergrund erscheint fragwürdig, was die Firma Brill-Kids in Amerika ausgetüftelt hat: The Little Math Learning System. Es ist gedacht für Babys unter zweieinhalb Jahre – und soll mit Flash Cards mathematische Mengenvorstellungen vermitteln. Dazu heißt es in der Werbung: Das Kind würde sofort „mental calculations“ erlernen, was sich vielleicht mit „Kopfrechnen“ übersetzen lässt.

Das Genie von morgen?

Weiterhin heißt es: „Es wird für sein ganzes Leben ein selbstbewusster Mathematiker werden.“ Ja, da steht tatsächlich im englischen Original die Berufsbezeichnung „mathematician“!

Weitere Produkte nennen sich: Little Reader und Little Musician … Kein Wunder, dass der Claim der Firma lautet: »Kids are brilliant!« Doch so ein Programm schadet nur. Das ist so, als würde man beim Hausbau mit dem dritten Stock beginnen. Auf diese Weise werden Kinder völlig überfordert.

Brillante Babys? Da taucht sie wieder auf, die Sehnsucht nach dem perfekten Kind, das mehrere Nobelpreise abräumt. Brillante Babys werden später brillante Wissenschaftler, Künstler oder Manager… Wer nicht auf die Idee mit dem Pregaphone oder Ritmo Pregnancy Audio Belt gekommen ist, kann jetzt sein schlechtes Gewissen beruhigen.

Realität statt Digitalität!

Doch der Schuss geht leicht nach hinten los: Je länger Kleinkinder vor digitalen Spielzeugen sitzen, desto weniger erleben sie die reale Welt. Mit allen negativen Konsequenzen für ihre kognitive Entwicklung! Was sie scheinbar fördert, untergräbt ihre Fähigkeit, die Welt zu entdecken.

Digitalität statt Realität – das scheint ein sicheres Konzept zu sein, um Babys die Grundlage zu rauben, später gesund mit digitalen Medien umzugehen. Erst muss ein Keller gebaut sein, dann der erste und zweite Stock. Dann können wir unterm Dach einen Computer aufstellen – und müssen nicht fürchten, dass ihn später Jugendliche nur zum Daddeln nutzen.

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