TALK | Sandra Pietropaoli: “Arbeitslosigkeit ist erstmal ein Schock – aber wichtig ist, wie man damit umgeht!”


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Best of HR – Berufebilder.de®Die gelernte Kommunikations-Wirtin Sandra Pietropaoli, 40, hat 12 Jahre in verschiedenen Unternehmen im Marketing gearbeitet, bevor sie vor sechs Monaten arbeitslos wurde – zum dritten mal in ihrem Berufsleben.


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Die gelernte Kommunikationswirtin Sandra Pietropaoli, 42, aus Hamburg wurde arbeitslos Im Interview berichtet sie über ihre Erfahrungen als Arbeitslose, über die sie auch unter bloggt. Dazu gehören auch Schilderungen vom schwierigen Widereinstieg und warum Hartz IV keine Alternative wäre. Aktuell sucht Sandra Pietropaoli bundesweit einen Job im Marketing. 

Frau Pietropaoli, wie haben Sie sich gefühlt, als man ihnen kündigte?

Ich hatte einen befristeten Ein-Jahres-Vertrag, den jeder neue Mitarbeiter in dieser Firma bekam und von dem man mir bei der Einstellung versicherte, dass es die Norm sei, dass dieser Vertrag anschließend dann auch in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übergeht. Deshalb war ich sehr schockiert, als man mich zum Gespräch bat und mir eröffnete, der Vertrag werde nicht verlängert.

Wie war Ihre erste Reaktion?

Ich war fassungslos und habe geweint. Das war mir sehr peinlich, und ich fühlte mich erniedrigt.

Wie sind Sie dann mit der Arbeitslosigkeit umgegangen?

Ich war sehr deprimiert, weil ich mir einredete, beruflich versagt zu haben. Zunächst habe ich es deshalb nur im engsten Kreis erzählt. Dann habe ich aber langsam versucht, mein Netzwerk zu aktivieren. Es war ja noch etwas Zeit bis zum Vertragsende, knapp drei Monate, und bis dahin wollte ich Etwas neues gefunden haben.

Hatten Sie Angst vor den Reaktionen in Ihrer Umgebung?

Nein. Es ist bereits das dritte Mal in meinem Leben, das ich arbeitslos bin. Das erste Mal musste mein damaliger Arbeitgeber Ende 2001 schließen. Damals, nach dem 1September, verharrte die Wirtschaft in einer ähnlichen Schockstarre wie jetzt. Das letzte Mal war 2007.

Wie waren denn die Reaktionen Ihres Umfeldes?

Gut. Glücklicherweise habe ich Menschen um mich, die Verständnis für meine Situation zeigen und mich immer wieder motivieren, wenn ich das mal vergesse. Es gibt auch eine Handvoll ehemaliger Kolleginnen und Kollegen aus der letzten Firma, zu denen anfangs noch freundschaftlicher Kontakt bestand. Mittlerweile ist das jedoch eingeschlafen. Aber es ist natürlich auch für beide Seiten nicht ganz einfach, diese Kontakte zu pflegen.

Und wie verhalten Sie sich heute anderen Menschen gegenüber, wenn es um Ihre Arbeitslosigkeit geht?

Seit ich den ersten Schock verdaut habe, also etwa nach drei bis vier Wochen, gehe ich mit dem Thema sehr offensiv um: Ich besuche Veranstaltungen, auf denen ich mit Leuten ins Gespräch kommen könnte und knüpfe viele neue Kontakte. Außerdem interessiere ich mich für Social Networking und auch hier habe ich viele interessante Menschen kennengelernt.

Was machen Sie da genau?

Ich habe eine zum Beispiel eine Stadtteil-Gruppe gegründet, bei der es nicht primär um Arbeitslosigkeit geht. Aber meistens ergibt es sich, dass man im Gespräch auch bei beruflichen Themen landet. Außerdem bin ich beim Online-Netzwerk XING Mitglied in allen Gruppen, deren Thematik mich interessiert, so auch in der Gruppe “Arbeitslos – mach dich nicht kleiner als Du bist”.

Welche Erfahrungen haben Sie dort gemacht?

Für mich persönlich ist es interessant, wie andere Betroffene mit diesem “Schicksal” umgehen. Die Bandbreite zwischen Frustration und unerschütterlichem Glauben an sich selbst ist da erstaunlich groß.

Mit manchen Gruppenmitgliedern stehe ich in persönlichem Kontakt. Da schickt man sich dann schon mal gegenseitig die aktuellen Bewerbungsunterlagen zu, um Feedback zu geben oder bekommen. Oder man motiviert sich im Bewerbungsprozess. Die Kommunikation und Vernetzung auch auf der privaten Ebene finde ich gut.

Themenwechsel: Welche Erfahrungen haben Sie mit der Arbeitsagentur gemacht?

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man sehr stark von dem jeweiligen Sachbearbeiter abhängig ist. Da ich umzugsbedingt auch das zuständige Amt wechseln musste, stand ich außerdem bei meiner erneuten Arbeitslosigkeit vor einer komplett neuen Situation, was die Arbeitsagentur betraf.

Konnte man Ihnen dort bei der Jobsuche helfen?

Bisher nicht.

Wie hilft Ihnen die Arbeitsagentur, einen besseren Job zu finden?

Die Agentur für Arbeit lässt es sich nicht nehmen, mir Vermittlungsvorschläge mit Jobs zu schicken, in denen z.B. ein Gehalt von 7,50 EUR pro Stunde angegeben wird. Einen solchen Brief bekam ich kürzlich. Für eine Stelle als Marketingfachkraft, wohlgemerkt.

Wie gehen Sie bei der Jobsuche vor?

Ich recherchiere im Internet, nutze mein Netzwerk und versuche, auch ein wenig abseits meiner bisherigen Tätigkeiten nach Möglichkeiten zu suchen.

Nach einem vollen Jahr der erfolglosen Jobsuche nahm ich beispielsweise das Angebot einer Bekannten wahr. Sie ist Personalchefin in einer Werbeagentur. Dort habe ich für einige Monate im Bereich Rollout Management gearbeitet (Rollout = Ausrollen verschiedener Länder-/Sprachversionen einer Master-Website). Die Tätigkeit besteht zum Großteil darin, per Copy und Paste Texte und Bilder in ein Content Management System (CMS) zu implemetieren. Ich habe dabei viel gelernt. Aber schließlich habe ich dann gekündigt.

Warum?

Weil ich plötzlich extreme Existenzängste bekam: Wenn ich mir morgen beim Sport einen Arm bräche oder sonstwie erkrankte, würde ich meinen Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten können.

Und nach Abzug der Steuern und Sozialversicherungen blieb mir noch weniger als während meiner Arbeitslosigkeit. Zudem zahlte ich zwar alle Steuern und Sozialversicherungsbeiträge, hatte aber qua Vertrag keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung. Ich bekam zunehmend regelrechte Panikanfälle.

Wie ging es weiter?

Durch eine Bekannte, die eine Teamassistentin suchte, fand ich einen neuen Job. Seit Mitte November arbeite ich nun als “Mädchen für alles” in einer Zeitarbeitsfirma. Die Tätigkeit an sich ist relativ frustrierend.

Da wir hier überwiegend gewerbliche Hilfskräfte vermitteln, hat man es zu 90% mit extrem arbeitsunwilligen Menschen zu tun, die genau wissen, wie oft sie morgens aufstehen müssen, um dann erstmal wieder eine ganze Weile nichts tun zu müssen, weil der Staat für sie sorgt. Allerdings ich einen regulären unbefristeten Angestelltenvertrag.

Sind Sie mit Ihrer Situation nun zufrieden? Haben Sie mittlerweile einen Job gefunden?

Ja und Nein. Ich bin gut ausgebildet und habe 20 Jahre Berufserfahrung. Jetzt bekomme ich das selbe Gehalt wie vor 10 Jahren. Das Schlimmste aber ist: Ich sehe nicht, dass sich an meiner beruflichen Situation irgendetwas zum Besseren wendet.

Ich bewerbe mich immer wieder aufs Neue. Zweimal nacheinander habe ich einen Job angenommen, der mit meinem erlernten Beruf nichts zu tun hat, nur um überleben zu können. Aber mit jeder dieser Stationen in meinem Lebenslauf wird meine Biografie zum Zick-Zack und erweckt den Anschein, als wüsste ich nicht, was ich will oder als halte ich es nie lange bei einem Arbeitgeber aus. Die wenigsten Personaler werden meine Flexibilität und meinen “Kampfgeist” darin erkennen.

Ist das nicht etwas negativ gedacht?

Ich finde es eher realistisch gedacht. Denn ich sehe meinen beruflichen Stillstand inzwischen nicht mehr als “Phase, die irgendwann vorbeigeht”. Meine Ausbildung und meine Berufserfahrung sind inzwischen offenbar nichts mehr wert.

Für eine Stelle als Marketingassistentin oder Marketingreferentin ist offenbar kein Arbeitgeber mehr bereit, mehr als 2.000 Euro brutto zu investieren. In der Zeitarbeit bekommen ungelernte Hilfskräfte einen Mindestlohn von 7,60 EUR. Die Angabe eines Stundenlohns für qualifizierte Fachkräfte, zumal in dieser Höhe, sind ein Schlag ins Gesicht derer, die wie z.B. ich zwei privat finanzierte Ausbildungen und mehrere Jahre Berufserfahrung vorzuweisen haben.

Wie viele Bewerbungen haben Sie geschrieben?

Bislang an die 80.

Was machen Sie derzeit?

Fortbilden, Netzwerken, Bewerben. Mein Leben hat sich komplett auf links gedreht. Wegen meines geringen Einkommens seit Beginn der Arbeitslosigkeit war ich in ein WG-Zimmer gezogen.

Inzwischen wohne ich immerhin wieder in einer eigenen Wohnung, die ist allerdings halb so groß wie die zuvor. Ich habe mich von allem getrennt, was in irgendeiner Weise Kosten verursachen könnte und beschränke mich auf das Nötigste. Letztes Jahr habe ich dann auch noch schweren Herzens mein Auto verkauft.

Was haben Sie für die Zukunft vor?

Ich suche unermüdlich weiter nach Alternativen. Denn so kann es nicht weitergehen. Ich weiß um meine Fähigkeiten und bewerbe mich auch auf Stellen, die vermeintlich unter meinen Qualifikationen liegen, denn ich bin ja der Meinung, dass man in jedem Job etwas lernen kann. Und selbst wenn das nicht der Fall ist, dann kann ich mit meinen Fähigkeiten vielleicht die Dinge dort etwas vorantreiben. Hauptsache, ich finde wieder zurück in ein langfristiges Beschäftigungsverhältnis, das mir meinen Lebensunterhalt sichert und zudem auch noch ein bißchen Spaß macht. Ich finde, das ist nicht zuviel verlangt.


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  1. Holger Moller

    Betroffene: “Arbeitslosigkeit ist erstmal ein Schock – aber wichtig ist, wie man damit umgeht!" #arbeitslos

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