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Interview mit Mobile-Media-Experte Professor Dr. Stephan Böhm über Mobile-Recruiting – Teil 1 Sinn und Nutzen: “Echtes Mobile Recruiting liegt vor, wenn Unternehmen gezielt die Besonderheiten mobiler Endgeräte nutzen!”



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Bildrechte: Bildmaterial von unserem Interviewpartner.

Dr. Stephan Böhm ist seit 2006 Professor für Telekommunikation / Mobile Media am Studiengang Media Management der Hochschule RheinMain in Wiesbaden. Das dreiteilige Interview entstand bei Recherchen zu einem ZEIT ONLINE-Artikel. Im ersten Teil erzählt Böhm, was Mobile Recruiting ist und was man damit machen kann.

Nach seinem Diplom im Bereich Wirtschaftsingenieurwesen Elektrotechnik an der TU Darmstadt promovierte Dr. Böhm zum Thema Innovationsmarketing für UMTS-Mobilfunkdienste an der Universität Duisburg. Er war mehrere Jahre als Unternehmensberater für die internationale Strategie- und Technologieberatung Booz Allen Hamilton in Berlin und Düsseldorf tätig und verfügt über langjährige Erfahrung in Telekommunikations- und Medienmärkten. Als Experte für Mobile Media hält er Vorträge auf Fachveranstaltungen und ist Autor mehrerer Veröffentlichungen in den Bereichen Telekommunikation und innovative mobile Diensteangebote. Dr. Böhm ist zudem Mitinitiator des Mobile Media Forums in Wiesbaden und leitet seit 2008 gemeinsam mit Prof. Dr. Wolfgang Jäger das BMBF-Forschungsprojekt Remomedia zum Thema Mobile Recruiting.


Hier schreibt für Sie:

 

Simone JansonSimone Janson, Auftritte in der ARD, gelegentlich Artikel für WELT, ZEIT, WIWO, t3n, W&V, macht Best of HR – Berufebilder.de & HR-Kommunikation.

Profil


Wie genau definieren Sie Mobile Recruiting?

Mobile Recruiting ist nach meinem Verständnis eine elektronisch unterstützte Form der Personalbeschaffung, d.h. eine Variante des E-Recruiting, bei der die Kommunikation mit potentiellen Bewerbern über mobile Endgeräte (z.B. Featurephones, Smartphones) sowie auf der Grundlage von Mobile Media-Technologien bzw. über (Mobil-)Funknetze erfolgt und so auch eine Bewerberansprache in mobilen Nutzungssituationen bzw. „unterwegs“ ermöglicht.

Also praktisch jeder Internetauftritt, der sich an Bewerber richtet und für mobile Endgeräte optimiert ist…

Richtig. Mobile Recruiting liegt eigentlich schon dann vor, wenn Unternehmen ihre konventionellen Karrierewebsites für einen Zugriff über mobile Endgeräte optimieren. Auch darf nicht vergessen werden, dass Unternehmen und Jobbörsen bereits seit einiger Zeit SMS einsetzen, um beispielsweise über neue Stellenangebote zu informieren.

Das klingt aber ein wenig so, als würde man einfach das Stationäre Web auf das Handy übertragen?

„Echtes“ Mobile Recruiting bzw. Mobile Recruiting im engeren Sinne liegt erst dann vor, wenn Unternehmen nicht nur versuchen, die Limitationen mobiler Endgeräte zu bewältigen, sondern gezielt die spezifischen Besonderheiten und neuen Möglichkeiten nutzen, die ein solcher Zugriff in der mobilen Nutzungssituation bzw. über mobile Endgeräte erlaubt.

Warum braucht man denn überhaupt eine mobile Optimierung?

Bisher beträgt der Smartphone-Anteil in Deutschland erst um die 20 Prozent. Die große Masse der Nutzer mit einfachen Endgeräten und ohne Daten-Flat-Rate benötigt heute demnach noch mobil optimierte Webseiten. Ziel einer solchen Optimierung ist es, die Seiten an die Limitationen mobiler Endgeräte (kleines Display, geringere Datenraten, höhere Verbindungskosten) anzupassen.

Moderne Smartphones wie das iPhone können aber auch konventionelle Seiten gut darstellen – entfällt in Zukunft die Notwendigkeit einer Optimierung?

Auch bei modernen Smartphones ist es nicht unbedingt sinnvoll, für die Nutzung auf Desktop-Rechnern entwickelte Karriereseiten auszuliefern, um diese dann lediglich verkleinert oder in Ausschnitten zu präsentieren. Neben geringen Displaygrößen und eingeschränkten Eingabemöglichkeiten wird auch eine deutlich reduzierte Aufmerksamkeit bei der Nutzung „unterwegs“ weiterhin das mobile Medium prägen. Dies macht andere Konzepte der Ansprache und Information von Bewerberzielgruppen sowie der Präsentation von Inhalten notwendig.

Wie verbreitet sind mobile Recruiting-Angebote denn?

Mobil optimierte Karrierewebsites wurden Ende 2009 erst von weniger als 10 Prozent der Unternehmen angeboten, wie unsere Mobile Recruiting-Studie ergab.

Und wie viel Anwender nutzen Sie?

Dazu muss man sagen, dass nach einer Studie von Accenture (Mobile Web Watch 2010) Anfang 2010 erst jeder fünfte deutsche Internetnutzer (17 Prozent) auch mit seinem Mobiltelefon im Web surft.

Deswegen, und weil eben nur wenige Karrierewebsites überhaupt für mobile Endgeräte optimiert sind, ist bei dieser Mobile Recruiting-Technologie beispielsweise bezogen auf die Gesamtheit der Internetnutzer von einer Nutzungsrate noch eher im einstelligen Bereich auszugehen.

Woran liegt das?

Zwar steigt die Leistungsfähigkeit der Netze und Geräte zunehmend (s. iPhone oder anstehende Einführung des UMTS-Nachfolgestandards LTE). Auch die Preise für die mobile Datennutze sinken stetig bzw. verlieren durch die Verbreitung günstiger Pauschaltarife bzw. „Flat Rates“ ihre Bedeutung als Nutzungsbarriere….

…was eigentlich die Verbreitung erhöhen müsste…

Ja, aber Vertragskunden behalten ihre Endgeräte typischerweise zwei Jahre. Zusätzlich sinkt die Endgerätesubventionierung und viele Prepaid-Kunden müssen den Wechsel auf ein modernes Smartphone ganz aus eigenen Kosten bestreiten. Auf absehbarer Zeit wird daher ein großer Teil der in Nutzung befindlichen Endgeräte noch durch solche Einschränkungen gegenüber dem stationären Web gekennzeichnet sein.

Was sind denn typische mobile Anwendungen?

Dazu gehört die „Loslösung“ vom Desktop-Arbeitsplatz durch die Umsetzung crossmedialer Konzepte in Verbindung mit Out-of-Home-Medien – z.B. Quick-Response(QR)-Codes auf Plakaten wie hier (Link: Remomedia-Website) – oder auch die automatische Einbeziehung von Informationen mit Bezug zum augenblicklichen mobilen Nutzungskontext des Rezipienten, wie dies bei Location Based Services (ortsbezogene Jobsuche wie z.B. bei der Jobstairs iPhone-App) oder auch bei Augmented Reality-Anwendungen (z.B. Jobsuche von Tempo Team im Layar AR-Browser in den Niederlanden) erfolgt.

Welche Angebote werden am häufigsten eingesetzt?

Unsere Studie von 2009 hat gezeigt, das SMS und Mobile Internet/Web die bisher am meisten eingesetzten Technologien sind.

Und was erwarten User von mobilen Recruiting-Anwendungen?

Nutzerseitig liegen mir hierzu keine Befragungsergebnisse vor. Grundsätzlich ist aber zu erwarten, dass auch hier SMS, mobile Karrierewebsites und mobile Applikationen die am häufigsten genutzten Mobile Recruiting-Technologien repräsentieren. Um hier fundierter Informationen zu erhalten, forscht gerade unsere Projektmitarbeiterin, Frau Dipl.-Kff. Susanne Niklas, im Bereich der Akzeptanzfaktoren von mobile Recruiting-Anwendungen und erstellt hierzu projektbegleitend eine Dissertation.

Ich würde mir ja wünschen, dass ich Jobs nicht nur finde, sondern mich auch gleich bewerben kann…

Eine Interaktion – z.B. in Form einer Bewerbungsmöglichkeit – wir bisher noch nicht sehr häufig unterstützt. Vielfach steht noch die Aktivierung für eine mobile Nutzung (z.B. durch QR-Codes auf Print-Medien) im Vordergrund. Aber auch dies ist beispielsweise bei den Apps von Monster.de oder Jobs&More der Deutschen Telekom bereits möglich. Hier werden wir bereits in naher Zukunft mehr Angebote sehen – die sich auch zunehmend mit Social-Media-Plattformen vernetzen.

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