Interview mit mir im Flensburger Tageblatt: „Niemand schafft es, immer 100 Prozent Leistung zu geben“


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Am 09. Mai erschien im Flensburger Tageblatt dieses Interview mit mir:

Interview mit mir im Flensburger Tageblatt:


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Das Streben nach Höchstleistung und Perfektionismus wirken sich negativ auf die Karriere aus, behauptet die Journalistin Simone Janson in ihrem neuen Buch „Die 110%-Lüge. Wie Sie mit weniger Perfektion mehr erreichen“. Wir haben mit ihr darüber gesprochen.

Frau Janson, warum soll Perfektionismus nicht zu besserer Leistung führen?

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Viele Perfektionisten schaffen es nicht, ihre Aufgaben rechtzeitig fertigzustellen, weil sie die Ergebnisse nie gut genug finden. Manche werden sogar nie fertig. Und was noch schlimmer ist: Solche Menschen haben nicht nur an sich übertriebene Ansprüche, sondern auch an andere.

Wann muss man sich denn als Perfektionisten bezeichnen?

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Perfektionisten handeln häufig nicht aus gesunder, positiver Leistungsbereitschaft, sondern aus Unsicherheit: Sie fühlen sich regelrecht dazu gezwungen, alles besonders gut und richtig zu machen, weil sie negative Konsequenzen befürchten. Perfektionisten grübeln viel, schieben Entscheidungen gerne auf, reagieren überempfindlich auf Kritik und Druck oder schaffen es nicht, Nein zu sagen.

Sollen wir also alle lieber schlampig und chaotisch werden?

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Interessanterweise kann übertriebener Perfektionismus auch zum Chaos führen – nämlich wenn man Aufgaben oder Entscheidungen immer wieder aufschiebt, weil alles ganz perfekt sein soll. Wenn ich immer alle Unterlagen in die Ablage lege, weil ich denke „das könnte ich vielleicht nochmal brauchen“, um dann irgendwann alles ganz ordentlich zu sortieren, ist das auch eine Form von perfektionistischer Kontrollsucht – aber eine, die dazu führt, dass ich bald nicht mehr durchblicke. Wenn ich hingegen loslasse, gleich aufräume und riskiere, auch Dinge wegzuschmeißen, die ich noch brauchen könnte, passiert das nicht.

Sie fordern: Nur 80 Prozent Leistung bringen, statt 100. Wie soll das funktionieren?

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Untersuchungen zeigen: 80 Prozent bringen in vielen Fällen tatsächlich mehr als das absolute Optimum. Denn niemand schafft es, immer 100 Prozent zu geben – schon aus Zeitgründen nicht. Wer das versucht, ist bald derart gestresst, dass er automatisch Fehler macht und schlampig arbeitet. Das nennt man Distress. Schweizer Forscher haben herausgefunden, dass Distress sogar unser Gedächtnis blockiert. Dann ist klares Denken schwierig, die Motivation leidet und man absolviert oft nur noch ein Pflichtprogramm. Es ist also überhaupt nicht produktiv, sich derart zu überfordern.

Deswegen ist Perfektionismus auch nicht gut für die Karriere?

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Naja, natürlich kann der Wunsch alles richtig machen zu wollen, erstmal gut für die Karriere sein: Man gilt dann als Leistungsbereit, zuverlässig und verlässlich. Und sicherlich schätzen Chefs solche Züge auch. Allerdings zeigen Untersuchungen, dass Menschen mit typisch perfektionistischen Verhaltensweisen, also der nervöse Typ, der ständig gestresst versucht, alles auf die Reihe zu kriegen, vor allem auf der mittleren Managementetage anzutreffen ist. Meist sind diese Leute nämlich relativ unsicher und erbringen nicht aus Freude an der Arbeit Höchstleistungen, sondern aus Angst vor den Konsequenzen. Und da sie selbst nie ganz mit sich zufrieden sind, verkaufen Sie sich auch entsprechend schlecht. Das wirkt alles andere als souverän. In Top-Positionen finden sich eher gelassenere Naturen.

Das Buch „Die 110%-Lüge. Wie Sie mit weniger Perfektion mehr erreichen“ ist im Redline Verlag erschienen und kostet 17,90 Euro. ISBN: 978?3?86881?027?1


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