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Innovation Zukunft-Trends & neue Denkmuster - Teil 1: Organisation verhindert Fortschritt!



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Bildmaterial von Musterbrecher. Der Text stammt aus dem gleichnamigen Buch..

Eines muss uns klar sein: Ohne Organisation wäre heute vieles nicht möglich, was zu einer Selbstverständlichkeit geworden ist. Aber sie verhindert Innovationen auch.



Hier schreibt für Sie: Dr. Stefan Kaduk ist Managementforscher & Bestsellerautor. Profil

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Organisation als Innovationsverhinderer

Organisation bringt uns zweifelsohne viel Fortschritt und erleichtert das Leben. Ihre Bedeutung erkennen wir oft erst dann, wenn sie nicht funktioniert. Allerdings muss uns in unserer durchorganisierten Welt auch bewusst sein, dass Organisation einiges, vieles, manchmal auch Entscheidendes verhindern kann.

Wir machen anlässlich der Vorbereitung eines Strategie-Workshops einen Firmenrundgang. In dem Werk werden Strukturen und Komponenten für den zivilen und militärischen Flugzeugbau gefertigt. Stolz zeigt man uns eine Halle, in der mit Verbundwerkstoffen Druckkalot­ten und Frachttore gefertigt werden.

Innovationen schaffen, indem man Verbotenes tut

Nur wenige Hersteller sind in der Lage, mit dieser Technik wichtige Bauteile zu produzieren. Dass man hier diese Herstellungsmethode beherrscht, ist keine Selbstverständlichkeit. Durch die Verarbeitung von Verbundwerkstoffen können erhebliche Gewichtseinsparungen erzielt werden.

Doch eigentlich hätte diese Kompetenz im Werk nicht vorhanden sein dürfen. Aufgrund der strategischen Ausrichtung von vor einigen Jahren – das Werk gehörte noch zu einem anderen Konzern – gab es die Weisung von ganz oben, sich nicht mit der CFK-Leichtbauweise (Kohlenstofffaserverbundstoffe) zu be­fassen.

Wenn Innovation, dann sollte diese nicht an einem Produktionsstandort entstehen, sondern in den dafür vorgesehenen Abteilungen. Einige mutige Ingenieure vor Ort widersetzten sich und taten das Verbotene. Sie und die Werksleitung sahen es als überlebenswichtig für die Firma und den Standort an, in Zukunft mehr als nur Aluminium und Titan im Flugzeugbau zu verarbeiten. Das Heikle daran: Von diesem Versuch durften die Manager des Mutterkonzerns lange Zeit nichts wissen.

Vom Schandfleck zum Vorzeigeprojekt

Es wurde deshalb viel Energie in die Geheimhaltung gesteckt. Keine leichte Aufgabe, da der Platz am Standort sehr begrenzt war. Und so mussten Besuchergruppen geschickt um die »verbotene« Halle herumgeführt, Ausreden gefunden werden. Erst viel später, als man das innovative Produktionsverfahren beherrschte und sich zutraute, an diversen Ausschreibungen teilzunehmen, wurde das neue Können im Konzern publik gemacht.

Heute ist man sehr stolz darauf, dass unterschiedlichste Flugzeug­ strukturen aus CFK im Werk gefertigt werden können. Gerade diese Tech­nologie präsentiert die Konzernleitung gerne bei Politikerbesuchen. Ohne Zweifel ist für das Unternehmen daraus ein echter Wettbewerbs- vorteil entstanden.

Joseph Schumpeter & Innovation

Vor etwa 100 Jahren übertrug Joseph Schumpeter, der bekannte öster­reichische Ökonom, den lateinischen Begriff »innovare« auf den wirtschaftlichen Kontext. Er meinte damit die Erneuerung durch »kreative Zerstörung«. Zum damaligen Zeitpunkt wurde darunter das Hervorbringen neuer Kombinationen von Produktionsfaktoren verstanden. Im Fokus standen zunächst die Prozess- und nicht die Produktinnovationen.

Organisation ist aber alles andere als ein System, das für kreative Zerstörung und nachfolgende umfassende Erneuerung sorgt. Im Gegenteil: Verlässlichkeit und Wiederholbarkeit sind das Entscheidende der Organisation. In ihr wird Rationalität angestrebt. Sie will maximale Sicherheit vermitteln und kann deshalb die mit Innovation zwingend verbundene Unsicherheit nicht ernsthaft zulassen. Denn: Organisation muss sich immer wieder dafür rechtfertigen, dass etwas getan wird oder eben nicht.

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