Tagen wie 1665 im Hotel Villa Stokkum: Zwischen Grimms Märchen, Industriegeschichte & Energiewende {Leser-Reise-Tipp}
Tagen in Räumen aus der frühen Neuzeit und das mit Solarstrom vom eigenen Dach: Das Best Western Premier Hotel Villa Stokkum in Hanau-Steinheim verbindet Jahrhunderte Baugeschichte mit einem klaren Bekenntnis zur Energiewende.

Ein Blick in die Sozialgeschichte des Rhein-Main-Gebiets
Am Hang des Hainbergs, unmittelbar an der historischen Stadtmauer Steinheims, steht ein Gebäudekomplex, der mehr Epochen in sich trägt als jede Denkmaltafel fassen könnte. Ein Tonnengewölbe mit der eingravierten Jahreszahl 1665, ein barocker Saal im Erdgeschoss, rote Backsteinbauten mit Wasserturm und Feuerglocke – und seit 1993 das Vier-Sterne-Haus Best Western Premier Hotel Villa Stokkum, das heute auch eine geschichtsträchtige Tagungslocation in zentraler Lage mit hervorragender Anbindung an den Frankfurter Flughafen darstellt.
Wer die Geschichte dieses Ortes aufblättert, liest zugleich eine komprimierte Sozialgeschichte des Rhein-Main-Gebiets: Adel, Industrie, Niedergang und schließlich eine Erneuerung, die das Haus heute wieder weithin sichtbar macht. Auch die Deutsche Fachwerkstraße – 2.900 Kilometer Kulturtourismus, aufgeteilt auf neun Routen, die von Buxtehude über Quedlinburg im Harz, Hessen, Franken und den Schwarzwald führen – läuft durch Steinheim. Hanau gilt außerdem als Geburtsort von Jacob und Wilhelm Grimm und ist daher der Startpunkt der Deutschen Märchenstraße, die von hier aus über 60 Orte und Regionen bis nach Bremen verbindet. Davon künden auch die jährlich in Hanau stattfindenen Brüder-Grimm-Festspiele.

Historische Meeting-Räume aus der frühen Neuzeit
Das älteste überlieferte Bauelement der Anlage ist ein sandsteinernes Architekturteil des Tonnengewölbes, das die Jahreszahl 1665 trägt – entstanden in einer Zeit, als Steinheim noch dicht an seine schützenden Stadtmauern gedrängt war und sich nur langsam wagte, außerhalb davon sesshaft zu werden. Dank des Westfälischen Friedens von 1648 wuchs allmählich das Vertrauen, jenseits der Mauern zu bauen. Der Gewölbekeller diente damals der Lagerung und Kelterung von Trauben aus dem angrenzenden Weinberg, heute kann es für Individuelle Meetings im kleinen Kreis und in außergewöhnlichen Ambiente gebucht werden.
Noch älter, errichtet 1473, ist die Zehntscheune des ehemaligen Frohnhofs nur drei Gehminuten vom Hotel entfernt. Es ist ein zweigeschossiger, 36 Meter langer Massivbau, der buchstäblich der mittelalterlichen Stadtmauer aufsitzt – als hätte er sich an sie gelehnt, um die Jahrhunderte zu überstehen. Was einst Getreidesäcke und Fassbinder kannte, beherbergt heute Events von der Hochzeit über Tagungen bis zum Kreativseminar. Im Obergeschoss spannen sich rund 270 Quadratmeter Eichendielen unter alten Balken – der historische Festsaal fasst bis zu 200 Gäste. Hinzu kommen der Herrenhof mit rund 100 Quadratmetern und eigenem Zugang zum Innenhof sowie das kleinere Frauenzimmer. Im Keller schließlich wartet ein Gewölberaum auf 90 Quadratmetern, der in seiner rohen Steinästhetik kaum seinesgleichen findet.
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Vom Adelssitz zur Zigarrenfabrik
Doch zurück zur Villa Stockum: Offiziell urkundlich als Gartenhaus erwähnt wird sie erstmals 1792, als Besitz der Familie von Reiss, das Gebäude selbst dürfte aber schon älter sein, wie Kupferstiche zeigen. Die Familie von Reiss geriet bald in Schulden und war gezwungen, das Anwesen zu verkaufen. Es folgten mehrfach wechselnde Besitzer: ein Freiherr von Weitershausen, ein Caspar Kämmerer sowie ein Steinheimer Amtsvogt desselben Namens werden in den Quellen genannt. Nach 1800 erwarb der aus Hanau stammende Baron Friedrich von Stockum-Sternfels das Gebäude. Von nun an bürgerte sich der Name ein, der bis heute trägt: „Gartenhaus des Herrn von Stokkum“ – und daraus wurde schließlich Villa Stokkum.
Das Anwesen diente der Adelsfamilie als Sommerresidenz, später war es ein Lazarett. Seit 1870 betrieb der Hanauer Fabrikant C.J. Hosse hier eine Zigarrenmanufaktur, ab 1885 entstanden zwei viergeschossige Fabrikgebäude, deren Baupläne vom Architekten J. Thyriot noch heute im Stadtarchiv Hanau verwahrt werden. Diese Backsteinbauten, im Untergeschoss aus heimischem Blasenbasalt gefügt, im Obergeschoss aus Ziegel gemauert, prägten das Bild der Anlage nachhaltig.
Überragt werden sie von einem polygonalen Treppenturm – dem Wasserturm mit Feuerglocke, der noch heute das weithin sichtbare Wahrzeichen des Hauses ist. Zur Blütezeit der Steinheimer Tabakindustrie arbeiteten rund 250 Menschen allein in diesem Betrieb. Diese industrielle Hochphase hielt bis in die 1920er Jahre an. Zwischen 1870 und 1926 wurden hier in mühevoller Handarbeit Zigarren gefertigt – dann trafen Weltwirtschaftskrise und struktureller Wandel die Branche zu hart.

Vom Wohnhaus zum Verfall
Nach dem Ende der Zigarrenproduktion wurde das Anwesen in den 1930er Jahren zu Wohnraum umgebaut. Für rund 60 Jahre diente es als Mehrfamilienhaus. In den 1980er Jahren folgte eine Phase des Leerstands und der Verwahrlosung. Das Kulturdenkmal – heute als solches vom Hessischen Landesamt für Denkmalpflege geführt – drohte dem schleichenden Verfall anheimzufallen.
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Inspirierende Orte und Menschen erleben dank unserem Shop, Rabatte dazu per Newsletter, mehr auf unseren Fokus-Seiten:[*Anzeige]1989 begannen an der Villa Stokkum die Umbauarbeiten. Bis 1993 wurde das Kulturdenkmal umfangreich und denkmalgerecht saniert sowie durch moderne Neubauten ergänzt, die das historische Ensemble zu einem geschlossenen Hofkomplex vervollständigten. Am 1. Februar 1993 öffnete das Hotel Villa Stokkum seine Türen für Gäste. Der Gewölbekeller von 1665 und der barocke Saal im Erdgeschoss wurden restauriert und in den Hotelbetrieb integriert.

Energiewende im historischen Gebäude
Was dem Haus nach der Wiedereröffnung Kontinuität gab, ist die Familie Krieger: Christoph Krieger leitet das Haus bereits in dritter Generation. Sein Großvater war es, der das Gebäude in schlechtem Zustand kaufte und zum Hotel umwandelte. Seit 2022 hat sich der gelernte Immobilienwirt allerdings aus dem operativen Geschäft zurückgezogen, um sich weiteren Immobilienaufgaben zu widmen. Doch er ist, das merkt man deutlich, niemand, der sich gerne auf seinen Lorbeeren ansteht.
So hat er sich als bekennender Technik-Freak sehr intensiv mit den Themen Energiegewinnung und Energieeffizienz beschäftigt, so intensiv, dass er beeindruckende Zahlen zitieren kann. Das Ergebnis ist sichtbar: Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach des Ensembles liefert hauseigenen Solarstrom, die immerhin 7 Prozent des Energiebedarfs abdecken und auf dem Parkplatz stehen acht Tesla-Supercharger, die quasi eine Verbindung schaffen zwischen dem geschichtsträchtigen Gebäude und moderner Elektromobilität. Dabei, sagt Krieger, sei Tesla von allen Anbietern am unkompliziertesten gewesen.
Der Hotelier kann genau vorrechnen, wo sich seine Investitionen mittelfristig amortisieren werden. Auch sonst überzeugt das Haus mit einer hervorragenden Servicequalität, zu der auch ein umfangreiches Frühstücksbüffet gehören. Der Erfolg gibt ihm recht: 2023 feierte das Unternehmen, das auch zum Netzwerk der Best Western Hotels gehört, sein 30-jähriges Bestehen – Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky stattete dem Traditionsbetrieb persönlich einen Gratulationsbesuch ab. Im selben Jahr wurde die Villa Stockum als „Beliebtestes Certified Conference Hotel“ deutschlandweit ausgezeichnet.

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Simone Janson ist Journalistin, Verlegerin, Beraterin und eine der wichtigsten deutschen Erfolgs-Bloggerinnen laut ZEIT und Blogger-Relevanz-Index. Sie initiierte die Marken Best of HR – Berufebilder.de® und Travel2s.de sowie das Institut Berufebilder Yourweb, mit dem sie Geld für nachhaltige Projekte stiftet. Mehr zu ihr im Werdegang. Alle Texte von Simone Janson.
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