Home Office: 7 Gründe Pro und Contra


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Vor einigen Jahren verlangte die damalige Yahoo-Chefin Marissa Mayer von allen Mitarbeitern, ihr Home Office aufzugeben und im Unternehmen zu arbeiten – und löste damit heftige Diskussionen aus.

Home Office: 7 Gründe Pro und Contra


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Simone Janson Simone JansonSimone Janson ist Verlegerindeutsche Top20 Bloggerin und Beraterin für HR-Kommunikation.

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Wieder “Seite an Seite arbeiten”

Der Wandel der Arbeitswelt scheint unaufhaltsam – hin zu mehr Flexibilität, Eigenständigkeit und Kollaboration auch über längere Distanzen hinweg. Doch damm verkündet ausgerechnet die jüngste Frau, die jemals die Leitung eine Fortune-500-Unternehmens übernahm, dass die Home-Worker ins Unternehmen zurückkehren sollen. Eine Trendwende?

Wie Kara Swisher damals auf allthingsd.com meldete, verkündete die damalige Yahoo-CEO Marissa Mayer in einem internen Memo, dass die Yahoo-Mitarbeiter zukünftig wieder Seite an Seite im Unternehmen arbeiten sollen und nicht mehr in ihren Home Offices. Ihre Begründung: Mehr Produktivität. So steht in dem Memo:

“To become the absolute best place to work, communication and collaboration will be important, so we need to be working side-by-side. That is why it is critical that we are all present in our offices. Some of the best decisions and insights come from hallway and cafeteria discussions, meeting new people, and impromptu team meetings. Speed and quality are often sacrificed when we work from home. We need to be one Yahoo!, and that starts with physically being together.”

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Müssen CEOs Rollenvorbilder sein?

Lisa Belkin kritisierte diesen Schritt in der Huffington Post scharf – weil Marissa Mayer als erste junge Frau, noch dazu schwanger, vergangenen Sommer die Leitung eines namhaften Unternehmens wie Yahoo übernommen hat und in dieser Rolle nun Vorbildcharakter habe: Als junge Firmenchefin ebenso wie als Mutter, die Kind und Karriere vereint. Statt Yahoo zum Modellunternehmen für familienfreundliches Arbeiten zu machen und damit die Vorteile des digitalen Arbeitens zu nutzen, würde Mayer genau das Gegenteil tun, klagt Belkin.

Nun war es nicht Mayers Aufgabe, einem Rollenvorbild zu genügen, sondern das Unternehmen, das ihr anvertraut wurde, zu führen: Diese Abkehr vom Home Office wird sie sich gut und zum Wohle des Unternehmens überlegt haben: Denn kollaboratives Arbeiten mag viele Vorteile haben, doch das persönliche Gespräch ist auch meines Erachtens nicht zu ersetzen – auch darüber haben wir bei imgriff.com schon ausgiebig diskutiert.

“So kann ich nicht arbeiten”

Die Gefahr der Vereinsamung und des Sich-Abschneidens von wichtigen Informationen ist groß. Genau das nennt Mayer indirekt als einen der Gründe für ihren Aufruf. In eine ähnliche Richtung weist der Zuspruch, den vielerorts Coworking und “Coffee-House-Working” von Freiberuflern erhalten, denen zu Hause die Decke auf den Kopf fällt. Dazu passt das Statement von Julia Seeliger, ehemalige TAZ-Redakteurin und Exmitglied der Grünen, die anlässlich ihrer Jobsuche bekannennt, wie gerne sie wieder Kollegen an der Kaffeemaschine treffen möchte.

Die Frage bleibt: Was hat Marissa Mayer zu ihrem Schritt bewogen?  Home Office: 7 Gründe Pro und ContraEinige Gründe für dieses Vorgehen nannte damals der Business Insider, informiert von einer mit Mayers Denkweise gut vertrauten Quelle. Ich habe mir zu den Begründungen und zur gesellschaftlichen Wirkung einige weitere Gedanken gemacht und eine Liste mit Pro- und Contra-Argumenten zusammengestellt:

7 Argumente gegen das Home Office

  1. Gemeinsames Arbeiten macht mehr Spaß: In ihrem Memo appellierte Marissa Mayer an das Gemeinschaftsgefühl der “Yahoos” und betont auch den Fun-Charakter der gemeinsamen Zusammenarbeit. Um den absolut besten Ort zum Arbeiten zu schaffen, sei es wichtig, Seite an Seite zu arbeiten, sagt sie.
  2. Austausch ist wichtig: Der Austausch im persönlichen Gespräch ist auch heute noch ungemein wichtig – trotz aller digitalen Kommunikationsmittel. Vor allem informelle Gespräche, Klatsch und Tratsch in der Cafeteria erhöhen Produktivität und Kreativität. Google, das Unternehmen, von dem Mayer kommt, hat bereits erfolgreich vorgemacht, wie wichtig Teamarbeit und ständiger kreativer Austausch bei der Entwicklung neuer Ideen sind.
  3. Meetings kann man effizient organisieren: Natürlich können Meetings nerven. Marissa Mayer ist allerdings dafür bekannt, dass sie ausgesprochen effiziente Meetings von kurzer Dauer abhält. Zum Beispiel nimmt sie nur Einladungen zu einem Meeting an, wenn sie ganz genau weiß, worum es geht und was ihre Rolle dabei ist. Und sie will vorher abschätzen können, worüber wie lange diskutiert wird. Mehr dazu in diesem Artikel von Gregor.
  4. Kommunikation kostet Zeit: Wenn Leute an weit entfernten Arbeitsplätzen zusammenarbeiten, dauert die Kommunikation aufgrund der geringeren Media Richness deutlich länger als wenn man im Büro nebeneinander sitzt. Zum Beispiel weil häufiger Missverständnisse entstehen.
  5. Heimarbeiter sind nicht zwingend produktiver: Laut Business Insider verfügte Yahoo damals über eine große Menge an Mitarbeitern, die niemand kennt, die nie ins Unternehmen kommen – und die nicht sonderlich produktiv sind. Denn Arbeiten im Home Office ist nicht zwingend produktiver als in einer konzentrierten Arbeitsumgebung. Ablenkung durch Kinder oder Haushalt schaden der Konzentration. Auch fehlende Strukturen erschweren diszipliniertes Arbeiten.
  6. Neue Arbeitsformen machen nicht zwingend glücklicher: Wer zu Hause arbeitet, wähnt sich anfänglich selbstbestimmt und flexibel – und scheint genau das erreicht zu haben, was er immer wollte. Doch bald schon merken die Heimarbeiter, dass ihnen zu Hause die Decke auf den Kopf fällt, und neue Arbeitsformen müssen her. Neulich verbrachte ich ein paar Tage in Austin, Texas. Als am schnellsten wachsende Stadt der USA mit zahlreichen IT-Firmen wird Austin auch Silicon Hills genannt. Hier fiel mir auf: Die Cafes waren voll von jungen Coffee-House-Workern. Allerdings auch: Die meisten Leute saßen allein am Tisch und arbeiteten vor sich hin. Kollaborative Arbeitsformen und Diskussionen waren nur selten zu beobachten. Das lässt mich an Shirly Turkles These von der gemeinsamen Einsamkeit denken. Zudem vergleiche ich seit Jahren international verschiedene Coworking-Modelle. Ob in Neuseeland, Kanada, Lettland oder Frankreich: Immer konnte ich beobachten, dass Coworking-Spaces gegründet wurden, weil den Inhabern, in der Regel Freelancern, zu Hause die Decke auf den Kopf gefallen war.
  7. Ein Unternehmen braucht feste Strukturen: Unternehmenschefs wie Marissa Mayer wollen mehr Kontrolle über ihre Mitarbeiter – das muss nicht schlecht sein. Ein Unternehmen braucht feste Strukturen und Hierarchien, um effizient zu funktionieren. Sind die Strukturen zu lose, dann bilden sich zwar ebenfalls Hierarchien, aber auf deutlich intransparentere Art.

7 Argumente für das Home Office

  1. Meetings sind oft unproduktiv: Meetings können, wenn sie nicht zielgerichtet strukturiert werden, schnell in unproduktive Diskussionsrunden ausarten oder zur Selbstdarstellungsplattform Einzelner werden. Ich kenne Unternehmen, bei denen Meetings eine beliebte Prokrastinationsmethode sind, weil sie gerade auch für den Chef so viel angenehmer sind, als einfach mal seine Aufgaben abzuarbeiten.
  2. In der Kaffeeküche wird mehr getratscht als inspiriert: Über die Jobsuche von Julia Seeliger habe ich ja oben schon berichtet. Freimütig schrieb sie in ihrem Blogpost auch darüber, dass sie gerne wieder Kollegen an der Kaffeemaschine treffen möchte. Mehr als einmal wurde diese Motivation von Kommentatoren kritisiert, die ihr vorwarfen, bei ihrer Jobsuche nicht die Arbeit, sondern allein den kleinen Tratsch an der Kaffeemaschine zum Ziel zu haben. Zumindest zeigt diese Aussage, wie wichtig das Schwätzchen am Arbeitsplatz und das Gefühl der Zugehörigkeit für Viele sind.
  3. “Durcharbeiten” bringt mehr als ständiger Austausch: In Houston habe ich vor einiger Zeit einen Raketenwissenschaftler interviewt, der in leitender Position am Space-Shuttle-Programm der NASA beteiligt war. Ein sehr erfolgreicher Mann also. Und was gibt er uns als Erfolgsrezpt auf den Weg? “Arbeite hart und suche die Herausforderung!” Nicht etwa: “Tausche Dich ständig mit anderen aus!” Mag sein, dass er zu einer anderen Generation gehört. Allerdings: Auch ich bin bei meiner Arbeit dann am erfolgreichsten (und übrigens auch am zufriedensten), wenn ich meine Aufgaben einfach konsequent durcharbeite. Schon um die losen Enden aus dem Kopf zu bekommen. Dazu gehört manchmal auch, mich von Ablenkungen abzuschotten und einfach stur meinem Plan zu folgen. Sicherlich geht mir so die eine oder andere Inspiration verloren. Aber gerade weil ich mich fokussiere, bringe ich meine Aufgaben auch zu Ende. Zuviel Austausch ist meiner Meinung nach störend. Und mir persönlich gelingt dieses effiziente Arbeiten am besten zu Hause, wo ich ungestört bin, und nicht etwa in einem Büro.
  4. Austausch macht nicht zwingend produktiver: Gerade weil ich immer wieder die Vorteile von kollaborativen Arbeitsformen gerühmt habe, möchte ich nun mal die Frage aufwerfen: Wie produktiv sind kollaborative Arbeitsformen wirklich? Und wie oft wird einfach sinn– und ziellos vor sich hindiskutiert? Als Beispiel komme ich noch einmal zu den Freelancern zurück, die sich z.B. in Cafes oder beim Coworking mit anderen treffen. Ich unterstelle, dass das gemeinsame, produktivere Arbeiten gar nicht der eigentliche Zweck dieser kollaborativen Arbeitsformen ist. Vielen geht es einfach darum, mit anderen zusammen zu sein. Und auch kein einziger Inhaber eines Coworking-Spaces nannte mir als Grundgedanken, dass er mit anderen gemeinsam produktiver ist oder mehr Inspiration benötigte. Diese Aspekte kristallisierten sich meist erst im Laufe der Zeit heraus, oder aber sie waren von Beginn weg hauptsächlich ein Marketing-Argument, um Kunden anzulocken.
  5. Wer zu Hause arbeitet, arbeitet mehr: Viele Leute, die zu Hause flexibel am Schreibtisch arbeiten, tun tatsächlich mehr für ihr Unternehmen, als mancher Chef vermutet. Das Problem ist nur, dass Chefs das häufig nicht mitbekommen und ihre Mitarbeiter lieber unter (scheinbarer) Kontrolle und damit direkt vor ihrer Nase haben wollen.
  6. Es geht um mehr Kontrolle: Wie Business Insider in seinem oben erwähnten Beitrag schreibt, ist es in erfolgreicheren Unternehmen wie Facebook oder Google nicht üblich, dass Mitarbeiter auch von zu Hause aus tätig sind. Denn dort herrschen trotz allem Spaßcharakter effizientere Strukturen, die Marissa Mayer auch bei Yahoo einführen wollte. Es ging ihr schlicht darum, die unüberschaubare Schar an Heimarbeitern zu kontrollieren und auch Kosten zu sparen, weil damit zu rechnen ist, dass ein Teil der Mitarbeiter jetzt tatsächlich kündigt.
  7. Die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben verschwimmen zusehends: Wenn Unternehmen allerdings mehr Kontrolle über ihre Mitarbeiter möchten, dann bietet es sich an, ein anderes Instrument zu nutzen, das schon bei Google erfolgreich wirkte: Den Fun-Faktor. Google ist ja dafür bekannt, dass es seinen Mitarbeitern Massagen, Sporträume und allerlei andere Spielereien anbietet. Ich erinnere mich an die Murmelbahnen, die über den Schreibtischen in der Google-Zentrale Hamburg hingen, die wir vor einigen Jahren als Journalistengruppe besuchten. Und wir folgerten betroffen: “Wer so arbeitet, hat kein Privatleben.” Denn getreu dem Motto “Wir sind ja so cool und wir haben uns alle lieb und wir haben alle Fun” werden die Leute dann dazu gebracht, freiwillig (auf keinen Fall wird jemand gezwungen!) länger und mehr zu arbeiten. Und für manchen wird der Arbeitsplatz damit zum Ersatz für das Privatleben. Diese vielbeschworene Vermischung von Berufs- und Privatleben ist jedoch der Irrweg einer perfiden Unternehmenslogik: Bei Ersterem geht es ums Geldverdienen, um Effizienz und Ergebnisse, ganz gleich wie spaßig man die Arbeit zu gestalten versucht. Im Privatleben sollten hingegen andere Dinge eine Rolle spielen.

Home Office Ja oder Nein? Es kommt auf die Unternehmenskultur an

Wie das Thema Home Office und virtuelles Arbeiten am Ende zu bewerten sind, hängt vom Standpunkt ab: Für ein Unternehmen dieser Größe ist ein gewisses Maß an Struktur notwendig, um den Überblick zu behalten. Daher muss es für Unternehmen nicht das Schlechteste ein.

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Auf die Arbeitsqualität, die Selbstbestimmung und die Flexibilität der Mitarbeiter wirkt sich diese Entscheidung aber ganz sicher negativ aus, und sie haben allen Grund, sauer zu sein. Das kann auch dazu führen, das gut qualifizierte Arbeitskräfte  Ob andere Unternehmen diesem Beispiel folgen und die Errungenschaften flexibler Arbeitsformen wieder zurückfahren, bleibt abzuwarten.


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