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Gehirn & Kommunikation als Vereinfachungsfalle: 10 Tipps gegen Schubladendenken


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In Zeiten von Trump, AfD und polemischer Shitstorms in Sozialen Medien wird immer klarer: Vereinfachungen liegen im Trend. Denn immer mehr Menschen wünschen sich einfache Lösungen in einer immer komplexer werdenden Welt. Doch unser Gehirn trickst uns aus. Gehirn & Kommunikation als Vereinfachungsfalle: 10 Tipps gegen Schubladendenken


Hier schreibt für Sie: Simone Janson, deutsche Top20 Bloggerin, Auftritte in ARD, gelegentlich Artikel für WELT, ZEIT, WIWO, t3n, W&V, macht Best of HR - Berufebilder.de & HR-Kommunikation. Profil

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Vereinfachung & ihre Folgen

Menschen neigen dazu, ihr eigene Sichtweise zu verallgemeinern und in Kategorien zu denken. Schuld daran ist das Gehirn, das Informationen so schnell wie möglich verarbeiten will. Doch der Hang zum ökonomisch scheinenden Vereinfachen hat Nachteile, denn manchmal ist das Leben eben nicht so einfach.

Wohin das führen kann zeigte sich vielerorts in Sozialen Medien, gerade bei Shitstorms, in der politischen Diskussion und beim Wahlerfolg populistischer Politiker wie Trump oder der AfD.

Schubladendenken - woher es kommt

„Die Kollegin ist immer so unfreundlich!“ „Das Wetter ist immerzu schlecht!“ oder „Ich habe einen Fehler gemacht – ich bin völlig unfähig!“ - das sind Sätze, wie sie viele Menschen wahrscheinlich mehrmals am Tag denken:

Man macht eine schlechte Erfahrung oder ein negatives Erlebnis wiederholt sich – wie z.B. die Kollegin, die einen zweimal auf dem Flur nicht gegrüßt hat. Doch statt sich nun zu sagen: „Nun gut, sie hat eben ein paar mal einen schlechten Tag“ verallgemeinern viele Menschen solche Ereignisse und die Kollegin wird eben zur unfreundlichen Zicke.

Das Gehirn ist faul!

Den Grund dafür habe ich in meinem Buch "Die 110%-Lüge"  ausführlich beschrieben: Er ist im Gehirn zu suchen. Tagtäglich stürmt eine Vielzahl von Reizen auf den Menschen ein. Von dieser Masse an Sinneseindrücken nimmt das Gehirn aber nur einen kleinen Teil auf. Allerdings nicht zufällig: Das Gehirn wählt vor allem solche Informationen aus, die es in bereits bestehende Denkmuster eingliedern kann.

Im Klartext: Was wir wahrnehmen, wird sehr stark von unserer Überzeugung, unseren bisherigen Erfahrungen, Einstellungen und Interessen beeinflusst. Darüber hinaus werden Reize, die starke Gefühle auslösen, schneller und besser verarbeitet als Informationen, an denen man nicht emotional beteiligt ist.

Menschen nehmen selektiv auf!

Was Menschen sich also merken, ist keinesfalls objektiv, sondern sehr selektiv. Würde das Gehirn nicht derart ökonomisch arbeiten, könnte es gar nicht alle Reize bewältigen – der Mensch wäre schlicht überfordert.

Es ist daher in gewissen Grenzen sogar sinnvoll zu vereinfachen und zu verallgemeinern. Denn dadurch können Sie neue Informationen schneller verarbeiten, als wenn Sie versuchten, wirklich alle Aspekte zu berücksichtigen – schließlich ist es gerade im Job oft sehr wichtig, dass Sie neue Situationen oder andere Menschen richtig einschätzen und entsprechend reagieren.

Vorsicht bei Vorurteilen!

Probleme entstehen allerdings immer dann, wenn sich auf diese Weise Vorurteile in den Köpfen festsetzen: Wenn man beispielsweise nette Gesten der stets so unfreundlichen Kollegin gar nicht mehr wahr nimmt und fest daran glaubt, was man sich auf diese Weise selbst einredet. Oder wenn bei jedem kleinsten Fehler schon gleich einen völligen Misserfolg vor Augen hat.

Dann hilft eigentlich nur, die eigenen Erwartungen zu überprüfen und die Dinge etwas differenzierter zu betrachten. Und mit etwas Übung kann das auch gelingen!

10 Tipps gegen Schubladendenken

Schneller als man denkt, hat man Dinge kategorisiert oder Menschen in Schubladen gesteckt. Grund dafür: Unser Gehirn ist faul und will so ökonomisch wie möglich arbeiten. Doch dadurch kann alles unnötig schwerer werden. 10 Tipps, wie sie mit Übung übertriebenes Schubladendenken einschränken:

  1. Keine verallgemeinernden Vokabeln! Kommen in Ihrem Sprachschatz oft Worte wie „nie“ oder „immer“ vor? Vermeiden Sie solche Vokabeln in Denken und Reden – der erste Schritt zu einer differenzierteren Sichtweise
  2. Jedes Ereignis einzeln betrachten Nur weil die Kollegin Sie gestern und heute nicht gegrüßt hat, muss sie das nicht immer so machen. Vielleicht war sie einfach gestresst?
  3. Erwartungen überprüfen Erwarten Sie nicht schon förmlich, dass eine Sache so ausgeht? Überprüfen Sie, ob sie nicht schon Vorurteile haben.
  4. Einstellung ändern Manche Dinge können Sie nicht ändern. Mit einer positiven Einstellung zu der Sache wird aber vieles einfacher.
  5. Nicht kategorisieren Besonders beim Kennenlernen neuer Menschen stecken wir diese gerne in Schubladen. Schauen Sie genauer hin und überprüfen Sie ihre erste Einschätzung ggf. nochmals.
  6. Problem in Einzelprobleme aufsplitten Oft sieht man, weil man verallgemeinert, nur einen großen Problemberg. Lösen Sie Probleme in kleine Einzelprobleme auf, die Sie Schritt für Schritt lösen.
  7. Zwischentöne wahrnehmen Sie können eine Situation mit Extremen bewerten, etwa „absolut gelungen“ oder „eine absolute Katastrophe“. Wenn Sie aber auch die Zwischentöne wie „lustig“, „ok“ oder „nicht schlecht“ wahrnehmen, haben Sie ein viel breiteres Spektrum.
  8. Überlisten Sie Ihr Gehirn Ihr Gehirn will ökonomisch arbeiten und nimmt nur selektiv wahr. Überlisten sie es, indem Sie sich ganz bewusst auf Aspekte konzentrieren, die Ihnen vielleicht nicht sofort ins Auge springen.
  9. Gewohnheiten Schritt für Schritt ändern Natürlich wird es Ihnen nicht sofort gelingen, alte Gewohnheiten zu ändern. Geben Sie sich Zeit: Ändern Sie Schritt für Schritt Ihre Einstellung.
  10. Schreiben Sie es auf Bei allen Veränderungen, die Ihre Gewohnheiten betreffen, hilft es, diese aufzuschreiben, um sich über Ihre Einstellung und Fortschritte klar zu werden.

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  1. Iris

    Wie schnell unser Gehirn vereinfacht, wird leider oft unterschätzt. Dabei sieht man täglich in der Politik, wie wichtig das Thema ist.

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