Ob an der Spitze ist man schnell einsam und alleine. Vielleicht kann Social Media da helfen?

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Die erste Standortbestimmung

Endlich hat sich auch das Unternehmen von Hannes zur Personalbeurteilung auf das 360-Grad-Feedback eingeschworen. Hannes ist erleichtert. Der Druck, nur “von oben” und nach Zahlen beurteilt werden, lässt nach. Das soziale Verhalten gegenüber Untergebenen, Kollegen und Kunden erhält mehr Gewicht. Er ist überzeugt, dort dank seiner einfühlsamen Art zu punkten. Meint er.

Doch schon beim ersten Vergleich muss er hinten anstehen. Eine persönliche, inoffizielle Vor-Marktanalyse von Hannes zeigt, dass er noch Potenzial hat. Um seine Werte im 360-Grad-Rating abzutasten, zählte er klammheimlich wie viele eMail-Ausdrucke seine Geschäftsleitungskollegen am White-Board unter der Rubrik “positive Rückmeldungen von Kunden und Mitarbeitern” hängen haben. Von den fünf Kollegen auf der gleichen Führungsstufe belegt er Rang 5.

Soziale Medien?

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Er geht dieses Ergebnis strategisch an und bespricht sich mit seinem Coach. Die Blitzanalyse ergibt: Hannes hat zu wenig Kollegen und/oder Freunde. Nicht, dass er solche vermissen würde. Als geselliger Mensch ist ihm auch in der Freizeit nie langweilig.

Aber eine klaffende Lücke öffnet sich, als ihn der Coach auf “Soziale Medien” anspricht. “Wie viele Freunde haben Sie auf facebook?”, “wie viele Kontakte zweiten Grades haben Sie auf XING gelistet?” “wieviele Verfolger haben Sie auf twitter” und “wie gefällt Ihnen das Album auf Google+”? Hannes versteht nichts.

Die erste Weiterbildung

Er braucht eine Fortbildung zum Thema Social Media. Im Unternehmensforum in der nahen Stadt findet ein Vortrag dazu statt. Hannes hört zu, schreibt mit. Als pflichtbewusster Manager stürmt Hannes anschliessend ins Büro und eröffnet Accounts bei Xing, twitter und facebook. Doch selbst als geübter, PC-affiner Mensch kriegt sein Elan einen Knick. Schon in der Installation scheint der digitale Wurm zu stecken.

Und es wird noch schlimmer: Profil verwalten, auf Informationen bearbeiten, Beziehungsstatus und ‚über dich‘ einsetzen, Zugriffsberechtigungen in Kategorien festlegen, politische und religiöse Ansichten nur engen Freunden sichtbar machen, ehemalige Wohnorte und Aktivitätenprofil komplettieren… Nach vier Stunden ist alles solide und korrekt hinterlegt. Hofft Hannes.

Die ersten Schritte im Facebook

Am nächsten Morgen im Büro gestaltet er sein “Start-to-work-Ritual” neu. Zuerst öffnet er alle Plattformen und schaut, was sich in der Nacht getan hat. Spannend, was er alles entdeckt. “Ach – Kollege Hubert ist auch auf XING”. Der war letztes Jahr drei Monate ‚auf Suche‘ und ist jetzt ‚Chief Distribution of the Division outgoings‘.

Wie früher, er hat auch damals die Post gemacht. “Den klicke ich an” meint Hannes und freut sich, einen neuen Kontakt zu haben. Auf Facebook erfährt er, wer der Typ ist, der ständig bei seiner Nachbarin, unterdessen auch eine Facebook-Freundin, sitzt. “Danke für die schöne Nacht” schreibt der Typ im Pinnwandeintrag 1. Pinnwandeintrag 2: “Ja Schatz, war super” beschreibt sie die nächtliche Aktivität. Ein Vorteil, dass gleich alle Freunde Bescheid wissen…

Die ersten Folgen

Hannes erkennt den Nutzen. Als wieder einmal die Vorbereitung für ein Meeting zäh ist, weil ihm die Ideen fehlen, kann er das mitteilen. Zusammen leidet es sich einfacher. Auf der Pinnwand von Facebook teilt er seinen unterdessen 237 Freunden mit: “Sch…-Meeting. Ich komm nicht weiter. Die wollen hier immer alles genau haben, um es dann doch zu zerreden. Da fällt einem ja nichts ein dazu. Langweilig!”.

Interaktiv schalten für “Kommentar abgeben” oder “gefällt mir” anzuklicken. Kurz darauf sieht er das Resultat: 16 seiner 237 friends finden es gut, dass ihm nichts einfällt. Dazu der Kommentar seines Chefs: “Ich werde mir was überlegen, dass Ihnen nie mehr langweilig ist!” Hoppla! Jetzt hat Hannes ein Problem. Der Chef ist einer seiner 237 Freunde. Kurz bevor er der Facebook-Gruppe “Kann-mir-jemand-sagen-warum-alle-Chefs-doof-sind” beitritt, durchzuckt ihn ein Gedanke: Was, wenn auch meine Mitarbeiter in dieser Gruppe sind?

Die erste neue Software

Hannes begreift, dass Soziale Medien begriffen werden müssen. Wer sieht, was er schreibt und warum erhält er alle von ihm verfassten Twitter-Infos selbst, aber nie jemand anders? Die IT muss her. Sie soll eine kleine Applikation entwickeln, mit der man Einträge in alle Sozialen Medien verwalten kann.

Nur ein einziges Tool für alle Plattformen! SOMEKO (Soziale-Medien-Koordination)-Software. Freunde soll man nicht nur haben, sondern sie auch verwalten können. Das Weltbild von Hannes gerät allmählich wieder in geordnete Bahnen. Das feiert er für sich ganz persönlich in der Betriebskantine bei einer Tasse Kaffee. Bis er merkt, dass ein Mitarbeiter davon einen 40-Sekunden-Film macht und ihn bereits auf youtube gestellt hat, als er wieder im Büro ist. Nobody is perfect….


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