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10 Gründe, ein totes Pferd zu reiten: 4. Füchse, Trauben & andere kreative Ausreden



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Diese Strategie bedeutet einen gewissen Fortschritt gegenüber der zuletzt vorgestellten. Denn immerhin wird jetzt anerkannt, dass das eigene Pferd tot und es generell möglich ist, sich aktiv um ein lebendigeres Pferd zu bemühen. Mit einer klitzekleinen Einschränkung: Das gilt selbstverständlich nur für andere Menschen!


Hier schreibt für Sie:

 

84Tom Diesbrock ist Psychologe, Berater, Teamentwickler und Buchautor.

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Wie der Fuchs mit den Trauben

Dabei könnte es doch so einfach sein: Wenn ich nämlich nicht mehr an der Tatsache vorbeisehen kann, dass andere wirklich mit ihrem Beruf zufrieden sind, könnte ich sie mir zum Vorbild nehmen und versuchen, dasselbe für mich zu erreichen. In der Praxis sieht das dann so aus:

„Ich sehe ein, dass mein Job ein Auslaufmodell ist. Ich akzeptiere auch die Tatsache, dass Menschen sich Jobmodelle schaffen können, die ihnen Spaß und vielleicht sogar Erfüllung bringen. Aber das hat überhaupt nichts mit mir zu tun, denn ich habe mit Sicherheit diese Chancen nicht!“

Nein, diesen Eisbecher bekomme ich nicht!

Wenn ich jemanden mit einem leckeren Eisbecher sehe, liegt es doch auf der Hand, mich umzuschauen, wo die nächste Eisdiele ist. Warum sollte man mir dort kein Eis verkaufen? Aber auch hier bietet sich ein Ausweg an, mögliche Veränderungen zu vermeiden:

Ich erkläre mir und anderen ganz einfach, dass meine Ausgangslage eine viel schlechtere ist. Andere mögen ihren Traumberuf finden – aber die sind ja sicherlich kreativer, mutiger, jünger, finanziell unabhängiger, besser ausgebildet, stärker, intelligenter, gebildeter, … als ich. Oder sie haben keine Verantwortung oder einen Beruf, in dem das geht. Ich nicht!

Der Klassiker mit dem Alter

Ich erlebe oft Menschen, die sich auf diese Weise davor schützen, aktiv zu werden. Meist versuchen sie zuerst, die Möglichkeit einer beruflichen Neuorientierung generell abzustreiten.

Ein Klassiker: „In meinem Alter geht das nicht mehr.“ Wenn ich darauf mit Beispielen von ähnlich alten Menschen antworte, denen dies sehr wohl gelungen ist, kommt dann: „Ja, aber bei dem ist es doch etwas ganz anderes.“

Kreative Selbstbeausnahmung

Viele Leute investieren viel Energie und Kreativität, um Argumente für ihre Selbstbeausnahmung zu finden. Würden sie damit nach Möglichkeiten einer Neuorientierung suchen, wären sie bestimmt schon ein ganzes Stück weiter.

Der »Nutzen« dieser Strategie liegt darin, dass ich auf diese Weise jedes noch so gute Beispiel für mich persönlich entwerte und ungültig mache. Und ich stabilisiere damit ein Selbstbild, das man sehr kurz beschreiben könnte mit: »Ich bin nicht genug.«

Willkommen im Teufelskreis

Wie jedes Vermeidungsverhalten hat diese Strategie die Tendenz, sich immer wieder selbst zu bestätigen und damit zu stabilisieren: Wenn ich mir immer wieder einrede, weniger Chancen als andere zu haben, und deshalb nichts an meiner Situation ändere, kann das Resultat nur sein: Alles bleibt, wie es ist.

Und dies bestätigt mir, dass ich ja anscheinend Recht habe, wenn ich mir so wenig zutraue. »Ich sitze noch immer auf meinem toten Pferd? Das beweist doch, dass es für mich kein lebendigeres gibt.« Willkommen im Teufelskreis!

Keine reine Glaubensfrage

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Ob wir uns erfolgreich beruflich verändern oder nicht, liegt in meinen Augen an vielen Faktoren und nicht ausschließlich an einem positiven Selbstbild!

Es gibt ja so einige Propheten des positiven Denkens, die uns glauben machen wollen, dass jeder Mensch jedes Ziel erreichen kann – er müsse es nur stark genug wollen. Ich halte dies für gefährlichen Unsinn, weil es etwas sehr Komplexes auf eine schlichte Frage des Glaubens reduziert.

Nicht alle haben die gleichen Chancen – aber…

Ich denke nicht, dass die Welt für uns alle gleich große Chancen bietet. Ein Fünfzehnjähriger hat beispielsweise deutlich bessere Chancen, in diesem Leben Astronaut zu werden, als jemand wie ich in der Lebensmitte.

Aber selbst wenn wir alle die gleichen optimalen Ausgangsbedingungen und Fähigkeiten hätten, wären unsere beruflichen Erfolge wahrscheinlich sehr unterschiedlich, solange sich unser Selbstbild unterscheidet.

Keine reine Glaubensfrage!

Der Glaube an die eigenen Möglichkeiten ist ein sehr wichtiger Erfolgsfaktor! Sieht man sich die Biografien beruflich erfolgreicher Menschen an, stellt man fest, dass deren Ausgangsbedingungen nicht unbedingt optimal waren. Aber fast immer zeigten sie ein hohes Maß an Begeisterung und Optimismus und hatten ein klares Ziel vor Augen.

Wenn ich glaube, dass ich nicht in jeder Hinsicht ganz vorn bin, dass mein Profil Schwächen und Defizite aufweist, mag das nicht nur Einbildung sein. Es wird immer Menschen geben, die mir in einigen Aspekten voraus sind. Okay.

Das Selbstbild ist verzerrt

Aber dass ich gar nicht erreichen kann, was andere sich geschaffen haben, klingt doch nicht wirklich überzeugend. Wenn ich mich dabei beobachte, dass ich sehr pauschal und schwarz-weiß über mich und meine Möglichkeiten denke, und ich anscheinend immer die ganz schlechten Karten habe, muss meine Wahr- nehmung doch verzerrt sein, oder?

Leider erkennen wir bei anderen Menschen sehr viel leichter als bei uns selbst, wenn sie sich und ihre Möglichkeiten kleinreden. Denken Sie manchmal, dass Sie sich niemals so viel berufliche Erfüllung schaffen können wie andere Menschen aus Ihrem Bekanntenkreis?

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