MEINUNG! Verena Pausder über Frauen-Quote, Rollenvorbilder & gegenseitige Unterstützung

Von Simone Janson (Mehr) • Zuletzt IT-aktualisiert am • Zuerst veröffentlicht am 01.09.2011 • Bisher 5182 Leser, 1209 Social-Media-Shares Likes & Reviews (5/5) • Kommentare lesen & schreiben • Offenlegung & Urheberrechte: Sie finden bei uns Statements & Interviews von und mit Prominenten & wichtigen Persönlichkeiten – darunter Hollywoodstars, Ex-Regierungschefs & Manager. Das Bildmaterial wurde vom jeweiligen Meinungsgeber zur Verfügung gestellt. 

Verena Pausder

Verena Pausder wurde 2006 von der UnternehmensBeratung McKinsey als CEO of the Future ausgezeichnet. Sie ist Gründerin und CEO von Fox & Sheep und der HABA Digitalwerkstatt. Bereits mit 20 gründete Verena Pausder, geboren Delius, ihr erstes Unternehmen – eine Sushi-Bar in ihrer Heimatstadt Bielefeld, gemeinsam mit ihrer Schwester. Sie studierte Betriebswirtschaftslehre an der Universität St.Gallen und war dann Trainee bei der Münchener Rückversicherungsgesellschaft. Im Anschluss gründete sie „Delius Capital“, das auf die Konzeption und Prospektierung geschlossener Fonds spezialisiert war. Mit 25 wechselte sie in die OnlineBranche und verantwortete bei der Partnervermittlungs-Plattform be2 als Regional Manager den gesamten deutschsprachigen Markt. Anschließend baute sie den Vertrieb der ehemaligen Bertelsmann-Beteilung scoyo auf, einem Lernportal für Kinder im Internet. Ihr Unternehmen Fox & Sheep ist der größte Entwickler für Kinder-Apps in Deutschland und gehört mit über 20 Millionen Downloads europaweit zu den Top Ten. Die HABA Digitalwerkstatt wurde als Ort im Land der Ideen ausgezeichnet.

Frau Pausder, Frauen als Chef im Internet-Bereich sind immer noch selten – woran liegt das?

Das Internet ist nach wie vor eine männerdominierte Branche. Was fehlt, sind weibliche Vorbilder, gerade auch in Führungspositionen, damit Frauen sich trauen ihre mentalen Barrieren überwinden.

Welche mentalen Barrieren?

Viele Frauen zweifeln immer noch an sich, ob sie wirklich die Fähigkeit und Persönlichkeit haben, um als Unternehmerin erfolgreich zu sein. Und sie lassen es dann allzu oft lieber sein.

Die Frauen sind also selbst schuld?

Von Schuld würde ich nicht sprechen. Aber sie lassen sich eben gern abhalten. Zum Beispiel auch, weil Rollen-Vorbilder fehlen.

Wie möchten Sie das ändern?

Ich möchte jungen Frauen Mut machen, dass ein Weg an die Spitze möglich ist, wenn sie an sich glauben und diesen Weg wirklich gehen möchten. Mein Ziel ist es, dass gute Frauen im Unternehmen genau so aufsteigen wie Männer.

Ein gern genanntes Karriere-Hindernis sind Kinder…

Wenn man Frauen das Selbstvertrauen entgegenbringt, dass sie alles schaffen können, dann werden sie niemals an den Punkt kommen, dass sie glauben sich zwischen Kind und Karriere entscheiden zu müssen.

Das klingt sehr idealistisch. Haben Sie selbst Kinder?

Ja, ich habe zwei Söhne.

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Wie bekommen Sie selbst den Spagat hin?

Die Kinder werden unter der Woche, während ich arbeite, von einer Kinderfrau betreut. Für mich ist die unternehmerische Herausforderung im Job genauso wichtig wie meine Rolle als Mutter, daher stellt sich die Frage nach „Entweder oder?“ nicht.

Die Frauenquote wurde ja unlängst heftig diskutiert – auch z.B. unter dem Aspekt der Vorbildfunktion. Wie ist ihre Position dazu?

Ich bin für eine Übergangsquote, die viele Frauen in Führungspositionen heben würde. Danach würde die Quote dann wieder abgeschafft und die Unternehmen könnten selbst entscheiden, ob sie die Frauen in Führungspositionen halten und neue nachholen. Wenn die Frauen dann gezeigt haben, dass es für die Unternehmen kein Zugeständnis und erst Recht kein notwendiges Übel war, sondern ein echter Mehrwert ist, gemischte Vorstands- und Führungsteams zu haben, werden sich diese „Quotenfrauen“ langfristig oben halten und mehr gute Frauen nachholen. Dann hat es für alle nur Vorteile.

Und die wären?

Die gesunde Mischung an der Spitze von Unternehmen führt zum idealen Mix aus männlichen und weiblichen Stärken und zum Erfolg. Aber: Damit dieser Mix bald Realität wird, müssen die Frauen, die bereits oben angekommen sind, andere Frauen nachholen. Diesbezüglich können sie noch sehr viel von Männern lernen, die sich viel selbstverständlicher und mit weitaus größerem Erfolg gegenseitig befördern und unterstützen.

Weshalb ist es noch wichtig, dass mehr Frauen in Führungspositionen arbeiten?

Aus rein ökonomischen Gründen. Auch in männerdominierten Branchen ist die Zielgruppe häufig zu einem großen Teil weiblich. Die Produkte oder Dienstleistungen werden aber immer noch sehr häufig von Männern verantwortet. Frauen verstehen sich selbst häufig besser und können damit auch die Kundenkommunikation und die Produkte frauenaffiner gestalten. So braucht es auch gerade in Technologieunternehmen Frauen in entscheidenden Positionen, da gerade bei den großen E-Commerce-Unternehmen die Käufer häufig Frauen sind und sich weibliche Führungskräfte besser in diese hineinversetzen können.

Wie sah das in Ihren früheren Jobs aus? Wie arbeitet es sich allein unter Männern?

Als weibliche Führungskraft in männerdominierten Branchen sehe ich kaum Nachteile, eine der wenigen Frauen unter vielen Männern zu sein. Im Gegenteil: Die Chance, dass man auffällt, in Erinnerung bleibt, eine Ausnahme ist, ist ein immenser Vorteil. Ich kann also jeder Frau in männerdominierten Branchen nur raten, ihre Ausnahmerolle zu zelebrieren und sie für das Branding ihres Unternehmens zu nutzen.

Also auf typisch-weibliche Eigenschaften setzten?

Wenn wir in Stereotypen denken, dann assoziieren wir folgende berufliche Attribute bei Frauen in Führungspositionen: Emotionale Intelligenz, hohe Kommunikationsbereitschaft, geringere Risikoaffinität zugunsten langfristiger Unternehmensziele. Das ist natürlich nur ein Auszug. Vor allem in männlich dominierten IT-Unternehmen kommen diese Merkmale häufig zu kurz. Dabe stellen sie einen echten Wert dar.

Auch in der Führungsetage?

Fehler zugeben zu können, Schwächen zu zeigen, menschlich zu sein, eine offene Unternehmenskultur und Transparenz zu leben und Einfühlungsvermögen zu besitzen, kann gerade in männerdominierten Branchen über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Natürlich sind auch Analytik, Fokus, Strukturen und Prozesse absolut wichtig, aber die Kür ist eben beide Fähigkeiten zu vereinen und in einer gesunden Balance zu halten.

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Wie sollte sich eine Frau nach außen darstellen?

Besonders wichtig ist, dass sie sich selbst treu bleibt. Frau bleiben eben! Man muss sich nicht wie ein Mann benehmen oder weibliche Stärken unter den Teppich kehren in der Angst sie würden als Schwächen ausgelegt, um ernst genommen zu werden. Viel mehr ist es gerade in männerdominierten Branchen wichtig, dass man stolz auf seine weiblichen Eigenschaften ist, denn sie machen einen einzigartig, anders, erfolgreich.

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11 Antworten zu „MEINUNG! Verena Pausder über Frauen-Quote, Rollenvorbilder & gegenseitige Unterstützung“

  1. Dieter

    Super! Mehr Worte braucht man eigentlich nicht, um dieses Blog zu beschreiben.

  2. Robert Franken

    Verena Delius ü. Frauenquote, Vorbilder, gegenseitiges Unterstützen & wirtschaftlichen Nutzen via @SimoneJanson

  3. MashupCommunications

    RT @SimoneJanson: Interview mit Verena Delius (@verenaDE), Geschäftsführerin der Young Internet GmbH (@younginternet):

  4. Heike Bedrich

    Verena Delius ü. Frauenquote, Vorbilder, gegenseitiges Unterstützen & wirtschaftlichen Nutzen via @SimoneJanson

  5. Elke König

    Finde ich gut: Verena Delius für Übergangs-Frauen-Quote bis Ende 2013 via @SimoneJanson #frauenquote #kinder&karriere

  6. Simone Janson

    Verena Delius ü.Frauenquote,Vorbilder, gegenseitiges Unterstützen & wirtschaftlichen Nutzen v. Frauen an der Spitze

  7. mitte_babe

    RT @SimoneJanson: Interview mit Verena Delius, Geschäftsführerin Young Internet GmbH, über Frauen in Führungspositionen

  8. Hauptsache Bildung

    RT @SimoneJanson:"Frauen in Führungspositionen bringen wirtschaftliche Vorteile" Interview mit Verenia Delius

  9. Young Internet GmbH

    Interview mit CEO Verena Delius zum Thema Frauen in Führungspositionen.

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