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Wie Frauen in Führungspositionen scheitern - 4/4: Weibliche versus männliche Solidarität



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Neben der eben beschriebenen Einstellung, dass man Leistung doch sehen müsse, gibt es noch eine weitere relevante Ursache für die weibliche „Beißhemmung“, sich mit Leistung „hervorzutun“: Die weibliche Solidarität.

Solidaritaet


Hier schreibt für Sie: Cristina Muderlak Leiterin des Instituts DIALOG - Coaching und Stimme. Profil

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Weibliche Solidarität

Meine Tochter Felicitas, eine kommunikative Frohnatur, hat kein Problem, sich im Familienkontext der vier Schwestern zu behaupten. Sie berichtete mir neulich stolz, dass ihre Kommilitonin Bettina sie zum Bouldern mitgenommen hatte. Felicitas hatte bisher nur geklettert, nicht aber gebouldert. Bettina hingegen war schon einige Male dort gewesen.

Dennoch stellte sich schnell heraus, dass Felicitas Routen schaffte, an denen Bettina sich erfolglos abmühte. Felicitas beschrieb, dass sie dann bewusst andere Routen gewählt hatte, damit Bettina nicht bemerkte, dass sie, die Anfängerin, besser sei als sie.

Als ich Felicitas fragte, warum sie nicht wolle, dass Bettina das bemerkt, antwortete sie nur irritiert: „Na, was glaubst du, wie die sich gefühlt hätte, wenn sie sieht, dass ich das besser kann, obwohl sie schon eine Weile geübt hatte? Das wäre doch frustrierend für sie gewesen!“

Der Wunsch nach Gleichheit

Felicitas’ Rücksichtnahme könnte typischer kaum sein: Denn „unter Mädels“ ist es undenkbar, der Freundin das Gefühl zu geben, sie sei schwächer, langsamer, schlechter als man selbst. Selbst, wenn das offensichtlich so ist, „frau“ will auf keinen Fall, dass die andere sich deswegen schlecht fühlt. Unter Frauen gibt es, wenn einem die anderen wichtig sind, eine Form von Solidarität, in der jede darauf bedacht ist, dass sich alle zugehörig und „gleich“ fühlen.

Arbeiten im Dreamteam

Bei vielen Frauen ist der eigene Wunsch nach Gemeinschaftlichkeit durch Gleichheit und (gefühlter) Ebenbürtigkeit sehr stark ausgeprägt. Diese sehr weibliche Solidarität ist in vielen Variationen erkennbar.

Antonella, junge und engagierte Mitarbeiterin in einem Verlag, hat klare Vorstellungen, in ihrer Firma Karriere zu machen. Eingestellt wurde sie von Daniela, einer Kollegin, die ihre Vorgesetzte war, der sie aber mittlerweile gleichgestellt ist.

Die beiden verstehen sich gut und arbeiten gut Hand in Hand. Sie vertreten sich jeweils, wo es nötig ist, und decken andererseits auch jeweilige Spezialbereiche ab, die die andere nicht so mag. Eine Art „Dreamteam“ wie Antonella es nennt.

Die Kollegin im Stich lassen?

Daniela ist ca. 15 Jahre älter, genießt ihren Job, so wie er ist, und will auf keinen Fall irgendeine Art von Veränderung. Sie ahnen vermutlich schon den Konflikt? Ihr beider Chef hatte Antonella bereits eine attraktive Beförderung avisiert.

Als Antonella zu mir kam, steckte sie in einem großen Zwiespalt: Einerseits reizte sie die angebotene Stelle ungemein, da sie genau ihren Vorstellungen entsprach und sie sich mit ihrem Engagement und Kompetenzen sehr „gesehen“ fühlte.

Andererseits quälte sie die Vorstellung, Daniela dann nicht nur im Stich zu lassen, sondern sie auch noch „zu überholen“. Wo diese sie damals doch ausgesucht hatte, wofür sie ihr heute noch sehr dankbar war.

Lieber fühlt man sich selbst schlecht?

Wie Felicitas kommt auch Antonella nicht mal auf die Idee (oder scheut es?), die Freundin/Kollegin damit zu konfrontieren und mit ihr darüber zu sprechen. Zu groß sind die Bedenken, dass „die andere“ sich schlecht fühlen könnte. Lieber fühlt man sich selber schlecht?

Unter Frauen ist Zugehörigkeit eng mit dem Gefühl verknüpft, „gleich“ zu sein. Frauen, die sich „hervortun“, haben unter Frauen oft einen schlechten Stand. Eine Wesensart, die der männlichen sehr konträr gegenübersteht!

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