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Existenzgründung, aber bitte disruptiv – Teil 3: Patente ohne Innovation



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Für Deutschland gilt das Motto: Statt Innovation – Aus Alt macht Neu! Denn Deutschland ist zwar Spitzenreiter bei Patenten – besonders innovativ ist das aber nicht.

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Simone JansonSimone Janson, Auftritte in der ARD, gelegentlich Artikel für WELT, ZEIT, WIWO, t3n, W&V, macht Best of HR – Berufebilder.de & HR-Kommunikation.

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Patente sind nicht gleich Innovation

Deutschland nach Informationen den Europäischen Patentamtes nach wie vor Spitzenreiter: 25 100 deutschen Patentanmeldungen gab es hier 2009, 2013 waren es 33 088.

Doch selbst wenn die Anmeldungszahl in den Jahren seit 1990 kontinuierlich nach oben kletterte, hängt das nicht zwingend auch mit einem Plus an Innovation zusammen:

Alte Ideen im neuen Gewand

Denn viele Patente seien, so erklärt der Journalist Lars Reppesgard in seinem Buch „Wild Economy“ kein Garant für wirklich neue Ideen, im Gegenteil:

Weil die Zahl der Patentanmeldungen die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung bei Weitem übersteigt, folgert Reppesgard, dass es sich häufig nur um alte Ideen in neuem Gewand handelt:

Weltmeister in Wirkungsgradoptimierung

Denn es lohne sich für Großkonzerne viel mehr, das, was man ohnehin verkauft, schrittweise etwas besser zu machen, als neue, revolutionäre Produkte zu entwickeln, bei denen die Verkaufsstrategie unklar ist und die, schlimmer noch, eingespielte Märkte durcheinander bringen.

Deutsche Unternehmen sind laut Reppesgard Weltmeister in Wirkungsgradoptimierung und patentieren seit Jahren jede noch so kleinste Detailneuerung, die Geräte nur ein wenig effektiver oder umweltfreundlicher macht. Und das nur sicherheitshalber, um bei Bedarf Verhandlungspositionen zu stärken.

Perfektionismus & Stillstand

Was dabei herauskommt, sind Perfektionismus und Stillstand statt Risikofreude und Lust an Veränderung. Und eine gewisse Ironie, bei der einem das Lachen im Halse stecken bleibt: Viele solcher Schutz-Patente liegen dann ungenutzt herum, blockieren aber Weiterentwicklungen.

Schrittweise Verbesserungen lohnen sich mehr als große Innovationen. Allerdings: Sie könnten später einmal an Gründer mit Kapital, aber ohne Ideen verkauft werden.

Innovationsverhinderung auf Raten

Insgesamt also das glatte Gegenteil von innovativem Verhalten, viel mehr Innovationsverhinderung mit System, wie Johann Füller im Blog des Harvard Businessmanagers so treffend kritisiert:

„Bei der Umsetzung neuer Ideen gehen sehr viele Manager noch immer erstaunlich konservativ vor. Sie setzen auf traditionelle Instrumente wie den Stage-Gate-Prozess, der den Innovationsprozess in bestimmte Schritte unterteilt, auf Portfolio-Management-Ansätze und streng hierarchische Entscheidungs- und Berichtsstrukturen. Den sich veränderten Rahmenbedingungen wird das aber kaum gerecht. Viele Führungskräfte ignorieren moderne Ansätze, das Wissen außerhalb des Unternehmens zu nutzen.“

Nach Außen öffnen

Unternehmen müssten sich viel mehr nach innen und außen öffnen, so Füller, und dabei die Ideen und Erfahrungen von Kunden und Mitarbeitern einbeziehen. Denn Forschungsergebnisse zeigten, dass vor Unterschiedliches Wissen und Sichtweisen die besten Ideen hervorbringen.

So machte ein Experiment von Scott E. Page, Professor an der University of Michigan, klar, dass nicht etwa eine homogene Gruppe hervorragender Experten, sondern eine Gruppe zufällig ausgewählter und eher durchschnittlicher Personen die besten Ergebnisse erzielte. Vor allem müssten Unternehmen aber auch Experimente zulassen und Fehler nicht bestrafen.

Das Todesurteil vieler Unternehmen

Wenn das nicht geschieht, könnte das langfristig das Todesurteil vieler Unternehmen sein – wie derzeit eindrucksvoll die Medienbranche beweist: Das neue Medium Internet wurde jahrelang belächelt und verachtet.

Über ernsthafte Geschäfstmodelle hat man sich keine Gedanken gemacht. Jetzt, wo klar ist, dass immer mehr Leser vom gedruckten Papier ins Internet wechseln, werden hektisch Finanzierungsideen diskutiert. Dabei ist möglicherweise der Zug schon längst abgefahren, denn Player wie Google oder Facebook haben das das Ruder im Internet bereits fest in der Hand.

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