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8 Tipps für Existenzgründer – 1/2: Sozialversicherung im Überblick



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Wer selbstständig ist, muss sich auch selber um seine Absicherung kümmern. Dabei hat man die Qual der Wahl zwischen den gesetzlichen Sicherungssystemen oder einer privaten Vorsorge. Wie soll man sich entscheiden?


Hier schreibt für Sie:

 

Simone JansonSimone Janson, Auftritte in der ARD, gelegentlich Artikel für WELT, ZEIT, WIWO, t3n, W&V, macht Best of HR – Berufebilder.de & HR-Kommunikation.

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Update

Dieser Beiträg enthält Inhalte und Angaben, die möglicherweise nicht mehr aktuell sind, z.B. aufgrund gesetzlicher oder statistischer Veränderungen. Weil er dennoch hilfreich sein kann, einen Überblick zum Thema zu bekommen, stellen wir ihn Ihnen weiterhin zur Verfügung.

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Wie muss man sich versichern?

Die Qual der Wahl besteht sowohi im Bereich der Krankenversicherung, als auch in der Altersvorsorge und bei der Arbeitslosenversicherung. Ein Überblick:

Selbstständige müssen sich krankenversichern. Aber sie haben die Wahl: Sie können sich entweder privat oder freiwillig gesetzlich versichern. Was für Sie günstiger ist, hängt u. a. von Alter, Geschlecht und von Familienplanung ab.

1. Gesetzliche Krankenversicherung

Wer zuvor in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung war, kann dort bleiben. Er zahlt dafür einen fixen Prozentsatz seines Einkommens, hat aber eine Reihe von Vorteilen wie zum Beispiel Familienversicherung oder Krankengeld bei längerer Krankheit.

Außerdem ist eine ermäßigte Beitragszahlung möglich, wenn Sie unterhalb bestimmter Einkommensgrenzen verdienen oder nur nebenberuflich selbständig sind.

Fein raus sind Arbeitnehmer, die nur nebenher selbständig arbeiten: So lange sie damit nicht mehr verdienen als in ihrem Hauptjob, hat ihr Einkommen keinen Einfluss auf die Versicherungsbeiträge.

2. Private Krankenversicherung

Die Entscheidung für eine Private Krankenversicherung (PKV) sollten Sie gut überlegen. Grundsätzlich ist ein späterer Wechsel in die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) nicht möglich.

Als junger Unternehmer zahlen Sie in der privaten deutlich niedrigere Beiträge bei einer besseren Absicherung, aber eine große Familie kann später erhebliche Zusatzkosten verursachen. Auch sollten Sie die Erstattung von Kosten im Krankheitsfall in Form von Krankengeld bedenken.

Wer zuvor nicht in der gesetzlichen Krankenversicherung oder nie gesetzlich versichert war, muss sich privat versichern.

3. Pflegeversicherung

Einen weiteren Bestandteil der sozialen Absicherung stellt die Pflegeversicherung dar. Im Bedarfsfall werden pflegebedürftige Personen in häuslicher oder stationärer Pflege finanziell unterstützt. Die Pflegeversicherung ist verpflichtend, egal ob Sie als freiwilliges Mitglied in der gesetzlichen Krankenversicherung sind oder sich privat versichert haben.

Wenn Sie Ihre Situation heute betrachten, ist das Thema der eigenen Pflege für die meisten noch ganz weit weg. Gerade Selbständige haben soviel zu beachten – das Unternehmen erfolgreich führen, Konjunkturabhängigkeiten mindern, Work-Life-Balance, eigene Geldanlage und Altersvorsorge klären….

Was passiert im Pflegefall?

Wenn Sie jedoch in Ihrer Familie oder Ihrem Bekanntenkreis erlebt haben, was passiert, wenn jemand dauerhaft auf Hilfe angewiesen ist, wissen Sie sicherlich, welche finanziellen Folgen eine Pflegebedürftigkeit haben kann. Sie kennen dann das Problem, als erwachsenes Kind, gerade mitten im Aufbau neben der ganzen psychischen Belastung auch finanziell einspringen zu müssen, wenn Eltern pflegebedürftig werden.

Da können schnell eigene Pläne unfreiwillig über den Haufen geworfen werden. Damit es Ihren Kindern nicht so ergeht, ist eine rechtzeitige Absicherung nötig.

Gesetzliche Pflegeversicherung

Die Gesetzliche Pflegeversicherung ist sowohl für gesetzlich als auch für privat Krankenversicherte vorgeschrieben. Geld von der Pflegeversicherung erhält ein Versicherter dann, wenn er in eine der drei Pflegestufen eingestuft wurde.

Die Einstufung wird vom medizinischen Dienst vorgenommen und hängt davon ab, wie viel Hilfe jemand bei Verrichtungen des täglichen Lebens benötigt. Dabei wird die Unterstützung für hauswirtschaftliche Belange berücksichtigt und die Unterstützung für die so genannte Grundpflege. Unter Grundpflege versteht man Hilfe beim An- und Auskleiden, Essen und der Körperpflege.

Übrigens: Die Leistungen der Pflegeversicherung wurden seit ihrer Einführung im Jahr 1995 bislang nur einmal erhöht. Von einem Inflationsausgleich kann man also nicht sprechen.

Private Vorsorge

Aber Vorsicht: Die Zahlungen der Pflegeversicherung reichen meist nicht aus, wenn man durch Krankheit oder Unfall zum Pflegefall wird. Wer eine Familie absichern muss, sollte eine private Pflegezusatzversicherung abschließen.

Eine weitere Möglichkeit, für den Pflegefall vorzusorgen, ist der Aufbau von Vermögen. Ihr Unternehmen stellt beispielsweise einen Wert dar. Egal wie Ihr privates Vermögen angelegt ist, ob es sich beispielsweise um Rentenversicherungen, Kapitallebensversicherungen oder Aktienvermögen handelt:

Werden Sie zum Pflegefall, können und müssen Sie Ihr Vermögen liquidieren und aufbrauchen. Vielleicht ist es sogar so groß, dass Sie es nicht aufbrauchen müssen, sondern dass die Erträge reichen, die Lücke zwischen Lebensunterhalt im Pflegefall, und den Leistungen Ihrer gesetzlichen Rente und der gesetzlichen Pflegeversicherung zu füllen.

Ein Vermögen kann aufgezehrt werden

Wenn dem so ist: Glückwunsch, dieses Thema ist für Sie erledigt. Behalten Sie aber im Hinterkopf, dass auch ein hohes liquides Vermögen durch besondere Umstände, wie Hausrenovierungen, hohe selbst zu tragende Krankheitskosten, etc. aufgezehrt werden könnte.

Meist ist ein ausreichendes Vermögen, gerade in jungen Jahren, noch nicht vorhanden. Die Absicherung der Arbeitskraft für das Unternehmen, vielleicht eine eigene Immobilie und die Familiengründung haben oftmals Ihr Vermögen zeitweilig völlig gebunden. Das Risiko Ihres eigenen Pflegefalls können Sie dann nur, wie für den Berufsunfähigkeitsfall, mittels einer Versicherung absichern.

4. Rentenversicherung

Als Selbstständiger sind Sie in der Regel nicht versicherungspflichtig, d.h. Sie müssen sich selber um Ihre Altersvorsorge kümmern. Ausnahmen bestehen jedoch bei einigen Berufsgruppen.

Alle anderen können sich freiwillig versichern und ihre Beiträge frei wählen. In den ersten fünf Jahren nach der Gründung haben sie die Chance, sich durch eine Pflichtversicherung den Anspruch auf Riester-Förderung zu erwerben. Es kann natürlich Sinn machen freiwillig, in die gesetzlichen Sicherungssysteme einzahlen, aber ob sich das auch wirklich lohnt, muss in jedem Einzelfall geprüft werden.

5. Arbeitslosenversicherung

Das Risiko der Arbeitslosigkeit sollten sie in Ihrer Honorarfindung berücksichtigen. Neuerdings haben Sie jedoch als Existenzgründer die Möglichkeit, sich freiwillig gegen Arbeitslosigkeit zu versichern, sofern Sie zuvor in die staatliche Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben – und zwar in Form eines festen Monatsbeitrags.

Bedingung: Sie müssen vor der Gründung auch in der staatlichen Arbeitslosenversicherung gewesen sein. Eine private Arbeitslosenversicherung lohnt hingegen in der Regel nicht. Für Akademiker, die während Ihres Studium nicht sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren, ist diese Möglichkeit daher ausgeschlossen.

6. Der Gründungszuschuss

Erinnern Sie sich noch an die Ich-AG? Sie war bald derartig in Verruf geraten, dass die Bundesregierung sich dazu entschloss, diese Gründungsförderung wieder abzuschaffen. Mittlerweile gibt es statt Ich-AG und Überbrückungsgeld neue Förderinstrumente.

Der Gründungszuschuss ist ein Betrag in Höhe Ihres zuletzt bezogenen Arbeitslosengeldes I zum Lebensunterhalt. Er wird neun Monate lang gewährt. Außerdem erhalten Sie während dieser Zeit einen Zuschlag von 300 Euro/Monat für die soziale Absicherung. Sollte die Arbeitsagentur nach neun Monaten Ihren Antrag noch einmal verlängern, wird für weitere sechs Monate nur noch der Zuschlag von 300 Euro/Monat für die soziale Absicherung gezahlt, nicht mehr aber der Betrag in Höhe des zuletzt bezogenen Arbeitslosengeldes I.

7. Einstiegsgeld

Wer Arbeitslosengeld II (Hartz IV) bekommt, kann ebenfalls gefördert werden – und zwar mit dem Einstiegsgeld. Zweck des Einstiegsgeldes ist es allerdings nicht, Selbständigkeit an sich zu fördern. Es soll vielmehr Empfängern von ALG II helfen, den Schritt aus der Langzeitarbeitslosigkeit heraus in die Selbständigkeit zu wagen. Das Einstiegsgeld wird zusätzlich zum Arbeitslosengeld II gezahlt. Entscheidend für einen erfolgreichen Antrag ist es, den Fallmanager persönlich zu überzeugen, dass das Einstiegsgeld helfen wir, die Arbeitslosigkeit dauerhaft zu beenden.

8. Ergänzendes Arbeitslosengeld II

Wer schon selbständig ist, aber nicht genug zum Leben verdient, kann ergänzendes Arbeitslosengeld II in Höhe des normalen ALG II-Satzes bekommen. Wie viel »nicht genug« ist, lässt sich nur grob sagen: Der genaue Wert richtet sich u.a. nach den tatsächlichen Miet- und Heizkosten und den persönlichen Freibeträgen. Als Richtwert gilt: Die Einkommensgrenze, unterhalb derer Selbstständige ergänzendes Alg II bekommen können, liegt z.B. für Alleinstehende im Westen bei rund 950 Euro, für ein Paar mit einem Kind im Osten bei rund 1.600 Euro.

Allerdings dürfen Antragsteller nur sehr wenig Vermögen auf der Bank haben. Alle Einkünfte werden außerdem auf das Arbeitslosengeld angerechnet. Auch wenn der Lebenspartner zu viel verdient, bekommen man in der Regel nichts. Und nur wer nachweist, dass mit diesem Geld die Chance besesteht, mit der Selbständigkeit irgendwann wieder halbwegs vernünftig Geld zu verdienen, ist weitestgehend von den Verpflichtungen normaler ALG-II-Empfänger befreit.

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