Entgelttransparenzgesetz im Realitätscheck


Personalisierbare Infos von Best of HR – Berufebilder.de®! Verlag, eingetragene Marke, eLearning on Demand Plattform, News-Dienst der deutschen Top20-Bloggerin und Beraterin Simone Janson, referenziert in ARD, ZEIT, Wikipedia.
Bildrechte: Bildmaterial erstellt im Rahmen einer kostenlosen Kooperation mit Shutterstock. .

"Gleiches Geld für gleiche Arbeit – geschlechtsunabhängig": So lässt sich das Ziel des Entgeldtransparenzgesetztes (EntgTranspG) zusammenfassen. Dieses Gesetz soll vor allem Frauen dabei unterstützen, ihren Anspruch auf gleiches Entgelt bei gleicher oder gleichwertiger Arbeit besser durchzusetzen. So der Wille des Gesetzgebers – aber wie steht es mit der gelebten Realität?

Entgelttransparenzgesetz im Realitätscheck Entgelttransparenzgesetz im Realitätscheck

Buch zum Thema mit Rabatt, einzelner Text als PDF, eKurse oder Beratung


Hier schreibt für Sie: Jasmin Martensmeier ist Head of Recruiting DACH, Italy und Nordics bei Publicis.Sapient. Profil


Mehr Wissen? Diesen Text herunterladen oder eKurs zum Thema buchen. Insider-News per Newsletter oder für Mitglieder!

Der Status Quo

Zur Übersicht

Das statistische Bundesamt stellte kürzlich eine Lohnlücke zwischen Frauen und Männern von ca. 22 Prozent fest. Andere Erhebungen betrachten zudem Faktoren wie häufige Teilzeitarbeit, Pausen durch Schwangerschaft und Familienarbeit sowie die Tatsache, dass Frauen seltener in Führungspositionen und wesentlich häufiger in schlechter bezahlten Berufen arbeiten als Männer.

Rechnet man diese Effekte aus der Statistik heraus, verbleibt immer noch eine Lohndiskrepanz von ca. sieben Prozent für vergleichbare Arbeit und Qualifikation – das ist schlimm genug und muss schnellstmöglich korrigiert werden.

Wie zielführend ist das Gesetz?

Zur Übersicht

Knapp ein Jahr nach Beschluss, ist das Gesetz nach wie vor viel diskutiert und kommentiert und tatsächlich bleibt es fraglich wie zielführend das EntgTranspG im Hinblick auf tatsächliche Lohngerechtigkeit wirklich ist.

  • Sicher haben Unternehmen das Gesetz zum Anlass genommen, sich auf mögliche Anfragen vorzubereiten, aber wieviele Anfragen hat es tatsächlich im letzten Jahr gegeben?
  • Und ist nicht jeder Fall am Ende doch Auslegungssache, wenn man sich die Kriterien genau anschaut?
  • Handelt es sich letztlich doch (‚nur‘) um einen bürokratischen Prozesschritt, der im Kern gut gemeint aber an der Realität vorbei gelebt ist?

Bewusstseinschärfung als erster Schritt

Zur Übersicht

Den einzigen reellen Wert sehe ich persönlich in der Bewusstmachung für Lohngerechtigkeit, die durch die neu festgelegte Transparenzpflicht im EntgTranspG eingefordert wird. So werden Unternehmen gezwungen, sich wirklich mit dem Thema zu beschäftigen. Sie müssen endlich eigene Strukturen hinterfragen, Benachteiligungspotenziale erkennen und Diskrepanzen identifizieren. Unternehmen müssen sich also für interne Nachfragen wappnen und diese auch begründet beantworten können.

Tipp: Zum Thema Buch mit Rabatt kaufen. Oder Text als PDF bzw. eKurs herunterladen. Regelmäßige Sonderaktionen oder News per Newsletter!

Dennoch: Wirkliche Diskriminierung nachzuweisen bleibt schwierig – es gibt keine absolute Vergleichbarkeit. Bei Teilzeitbeschäftigten beispielsweise treffen gewisse Stufensteigerungen wie häufiges Reisen oder Stellenanforderungen wie wechselnde Einsatzorte nicht zu. Diese Vergleichsfaktoren sind aber nötig, um eine allgemeine Gleichwertigkeit in der Bezahlung herzustellen. Nur so kann geklärt werden, in welchen Fällen ein bestimmtes Gehalt ungerechtfertigt geringer ist und ob ein Geschlechtertrend vorliegt.

Unternehmen können sich Unterschiede nicht mehr leisten

Zur Übersicht

Kein Unternehmen, gleich ob Mittelständler, Beratung oder Großkonzern, kann es sich heute mehr leisten, beim Gehalt nachweislich starke Unterschiede zwischen den Geschlechtern zu machen. Dafür ist der aktuelle Arbeitsmarkt viel zu stark von den Arbeitnehmern und Kandidaten getriebenen. Und diese fordern die gesetzlich zugesicherte Lohntransparenz auch zunehmend ein. Diese Transparenz nützt aber auch den Arbeitgebern: Sie schafft Vertrauen und zeigt, dass sich Unternehmen an Anforderungen und Qualifikationen orientieren und nicht am Geschlecht.

Aus meiner Sicht ist Transparenz aber auch ein Spiegel der Unternehmenskultur – und kein Selbstzweck. Wird Offenheit gelebt oder nur in die Firmenwerte geschrieben? Ein faires, kompetitives Gehalt, ob für Mann oder Frau, gehört genauso dazu, wie Work-Life-Balance-Modelle. Diese sind bereits seit Jahren fester Bestandteil einer jeden Mitarbeiterzufriedenheitsbefragung, wie sie etwa das Great Place to Work-Institut durchführt.

Transparenz ist kein Selbstzweck

Zur Übersicht

Zudem sind alternative Familienstrukturen längst keine Ausnahme mehr. Männer nehmen nicht nur Elternzeit, sondern Familien entscheiden sich immer öfter bewusst dafür, abwechselnd im Beruf zu stehen und den Familienalltag wechselweise zu meistern – oder eben komplett gleichverteilt in Teil- oder Vollzeit zu arbeiten. Diese veränderten Rollenmodelle machen Gehaltsgleichheit und -transparenz nicht mehr zu einem reinen "Frauen-Thema".

Trotz all dieser Veränderungen warte ich noch immer auf die Bewerberin, die mutig fragt: "Frau Martensmeier, was verdienen denn im Schnitt die Männer in dieser Position?" Trauen sich die Bewerber(innen) nicht oder ist diese Frage in Zeiten der Gleichstellung bereits verpönt bzw. total überholt? Mein Appell gilt insbesondere den Frauen: Lasst euch nicht nachsagen, ihr hättet einfach schlecht verhandelt. Informiert euch, lest marktvergleichende Studien, holt Vergleichsdaten aus euren Netzwerken ein und erarbeitet euch die Pole-Position. Diese Informationen zu haben, gibt firmenübergreifende Einblicke in Gehälterstrukturen und Mut offensiv zu verhandeln.

Ein erster Schritt zur Bewusstseinsschärfung, aber noch ein langer Weg zur wirklichen Lohngerechtigkeit

Zur Übersicht

Trotz dieser Verbesserungen stellt sich die Frage, ob das Entgelttransparenzgesetz das richtige Mittel dafür ist, Lohngerechtigkeit zwischen Männern und Frauen herzustellen. Denn durch die Einführung hat sich im ersten Moment nicht viel geändert. Ein neues Gesetz alleine führt nicht zu einem grundsätzlichen Umdenken bei den Unternehmen oder zu anderen Lebenswirklichkeiten für die Menschen.

Tipp: Zum Thema Buch mit Rabatt kaufen. Oder Text als PDF bzw. eKurs herunterladen. Regelmäßige Sonderaktionen oder News per Newsletter!

Es gilt vielmehr eine gesamtgesellschaftliche Diskussion anzuregen, um Lohngerechtigkeit herzustellen. Kurz: Das EntgTranspG ist einer erster, aber bei weitem nicht der letzte notwendige Schritt auf dem Weg zur Lohngleichheit.

Buch zum Thema mit Rabatt, einzelner Text als PDF, eKurse oder Beratung

Zur Übersicht

Offline-Download: Diesen Text 24 Stunden lang als PDF herunterladen oder ausdrucken – keine Weitergabe oder Vervielfältigung! Beim im Kauf unter "Interessen" den Titel: eintragen, nach dem Kauf  Text unter dieser URL herunterladen. Mehrere Texte in einem PDF kaufen: Dazu mehrfach buchen und nach dem Kauf per eMail genaue Titel mitteilen. Premium-Mitglieder downloaden 1 Jahr lang gratis.

2,39 Jetzt buchen



Ihr eKurs on Demand: Wählen Sie Ihren persönlichen eKurs zu diesem oder einem anderen Wunschthema. Als PDF-Download. Bis zu 30 Lektionen mit je 4 Lernaufgaben + Abschlusslektion. Bitte unter "Interessen" den Titel eintragen. Alternativ stellen wir gerne Ihren Kurs für Sie zusammen oder bieten Ihnen einen persönlichen regelmäßigen eMail-Kurs inklusive Betreuung und Zertifikat – alle weiteren Informationen!

16,20 Jetzt buchen



Berater-Pakete: Sie wollen Ihre Reichweite erhöhen oder als Arbeitgber Bewerber ansprechen? Für diese und weitere Themen bieten wir spezielle Berater-Pakete (Übersicht) – zum Beispiel ein persönliches Telefonat (Preis gilt pro Stunde).

149,99 Jetzt buchen

berufebilder

Sie wollen hier kommentieren? Bitte die Debatten-Regeln einhalten, Beiträge müssen freigeschaltet werden. Ihre eMail-Adresse bleibt geheim. Mehr Informationen zur Verwendung Ihrer Daten und wie Sie dieser widersprechen können, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

  1. Debatte zu diesem Beitrag folgen
  2. Allen Debatten folgen
  3. Debatten per eMail abonnieren (Link hier eintragen!)
  1. Rosalia

    Die Gehaltstransparenz ist so ein wichtiges Thema. Und ich bin schlicht ziemlich begeistert von Ihrem Blog und musste das jetzt einfach mal loswerden.

  2. Alex Hurban

    Wow, eine richtig gute Seite, weiter so damit!

  3. Harlald

    Dieses Gesetz ist totaler Schwachsinn, sorry. Nur weil alle wissen, was man verdient werden die Löhne nicht gleicher!

  4. Wanda

    Das Entgelttransparenz gesetz ist gerade was Frauenfragen angeht so ein wichtiges Thema! Ich habe mich gefreut, diesen Beitrag bei Ihnen lesen zu können!

  5. Johannes

    Wirklich ein fabelhafter Beitrag!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ja, ich möchte regelmäßig über die neusten Aktionen & Angebote per Newsletter informiert werden.

Hiermit akzeptiere ich die Debatten-Regeln und die Datenschutzbedingungen mit der Möglichkeit, der Verwendung meiner Daten jederzeit zu widersprechen.