Die Diskussion um Fachkräftemangel hier im Blog: Ein Resümee zu meinem ARD-Interview



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Kürzlich wurde ich für eine ARD-Reportage zum Thema Fachkräftemangel interviewt - und zwar zur Diskussion hier im Blog. Die Sendung wird am 14. Juli ausgestrahlt. Hier der zweite Teil meines Resümees. Die Diskussion um Fachkräftemangel hier im Blog: Ein Resümee zu meinem ARD-Interview ingenieur

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Fachkräftemangel - ein geflügeltes Wort?

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Mich stört, dass das Thema Fachkräftemangel mittlerweile zu einem geflügelten Wort geworden ist, das als Argument für allerlei Maßnahmen herhalten muss – wie z.B. die Rente mit 67 oder die Frauenquote.

Dabei wird das Argument von Politikern völlig unreflektiert und undifferenziert verwendet. Wie sagte einer meiner Leser so schön:

„Es ist einfach nur die völlige Unkenntnis der Situation. Die lernst Du erst kennen, wenn Du selbst Ingenieur oder Ingenieurin auf dem Markt bist.“

Technik vs. Ausbildung

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Der Arbeitsmarkt spiegelt den gesellschaftlichen und technologischen Wandel wieder. Ein Problem ist z.B, dass sich die Technik schneller entwickelt als ausgebildet werden kann.

Mal ein Beispiel von einem meiner Leser:

Ein Unternehmen sucht einen Programmierer für berührungsempfindliche Bildschirme. Da es noch nicht so lange berührungsempfindliche Bildschirme gibt, ist die Anzahl der Leute, die das schon einmal gemacht haben, eher gering. Ein Informatiker oder Elektrotechniker kann diese Aufgabe sehr wohl erfüllen, wenn er sich in einer Firma ca. 1 Jahr mit diesem Thema beschäftigt. Die Firma kann aber aus Zeit oder finanziellen Gründen kein ganzes Jahr in einen neuen Mitarbeiter investieren, bis dieser produktiv arbeitet. Deshalb spricht die Firma von einem Fachkräftemangel, während es auf der anderen Seite viele Absolventen und Alt-Ingenieure gibt, die eine Stelle suchen.
Hier wären die Unternehmen selbst gefragt, ihre Mitarbeiter entsprechend weiterzubilden statt nach fertig ausgebildeten Fachkräften zu suchen.

Die 0-Risiko-Bereitschaft der Personalabteilungen

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Die Bereitschaft der Unternehmen und Personalabteilungen, bei Neueinstellungen Risiken einzugehen mit Leuten, die nicht 100% ins Bewerberprofil passen, ist auch ausgesprochen gering – m.E. auch eine Folge der allgemein herrschenden Unsicherheit.

So hat gerade kürzlich das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), das zur Bundesagentur für Arbeit gehört, gemeldet, dass die der Anteil sachgrundlosen befristeten Arbeitsverträgen 2013 auf 48 Prozent aller Arbeitsverträge gestiegen ist. Während es im Jahr 2001 rund 550.000 solcher Verträge gab, waren es im vergangenen Jahr 1,3 Millionen.

Sachgrundlose Befristungen nehmen zu

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Vor allem greifen laut IAB Unternehmen auf die sachgrundlose Befristung bei ganz neu geschaffenen Stellen zurück. Allerdings machen auch immer mehr Arbeitgeber von der sachgrundlosen Befristung bei bereits etablierten Stellen Gebrauch. Auf diese Weise wird die Probezeit ausgeweitet. Das zeigt aber auch, wie sehr Unternehmen mit den veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, Stichwort Globalisierung, zu kämpfen haben und wie groß die Unsicherheit in Deutschen Unternehmen ist:

Das IAB hält es für unwahrscheinlich, dass ein Verbot von Befristungen zu mehr Einstellungen führt. Stattdessen wird angenommen, dass Unternehmen dann verstärkt aufLeiharbeit oder freie Mitarbeit ausweichen, um zu prüfen ob sich eine neue Stelle überhaupt rentiert. Es will eben keiner den Fehler machen, den falschen Mitarbeiter einzustellen.

Wie sieht die allgemeine Stimmung aus?

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Im Rahmen des Interviews wurde ich auch gefragt, ob sich bei den Diskutierenden eine Stimmung z.B. gegen Zuwanderer abzeichnet. Dazu von mir ein ganz Klares "Nein".

Die Leute sind da sehr differenziert: Der Zorn richtet sich gegen die Arbeitgeber, die Zeitarbeitsfirmen und Ingenieurdienstleister sowie den Verein Deutscher Ingenieure (VDI) sowie die Politik: Ihnen wird zu Teil etwas polemisch unterstellt, absichtlich falsche Zahlen zu verbreiten um gezielt die Löhne zu drücken. Gegen Zuwanderer hingegen gibt es keine Stimmungsmache – die Leute wissen, dass die am allerwenigsten dafür können.

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  1. ABAP Entwickler

    Den immer wieder angeführten Fachkräftemangel - speziell in der IT Branche - hat es in Deutschland nie gegeben, gibt es aktuell nicht und wird es auch in der Zukunft nicht geben.

    Leider schaffen es die Unternehmen und Lobbyisten unsere Volksvertreter 'vor ihre Kutsche zu spannen' und mit dem Märchen Fachkräftemangel das eigentliche Ziel von wenig Geld für viel Arbeit (Lohndumping) kräftig voran zu treiben.

    Es ist traurig, dass unsere Politiker da mitspielen, anstatt an ihren Auftrag zu denken und zum Volkswohl solchen Machenschaften massiv Einhalt zu gebieten.

    Viele Möglichkeiten dem angeblichen Fachkräftemangel entgegen zu wirken - beispielsweise mittels Telearbeit [ http://home.arcor.de/j.smolka/Telearbeit.html ] - werden mit voller Absicht erst gar nicht genutzt...

  2. Heiko

    Der in der Sendung gemachte Vorwurf an die Arbeitgeber, mittels unrealistischer Stellenausschreibungen künstlich einen Fachkräftemangel herbei zu reden, deckt sich durchaus mit meinen eigenen Erfahrungen. Ich habe beim Lesen von Stellenangeboten in der IT immer wieder den Eindruck, das viele Unternehmen - metaphorisch gesprochen - einen fabrikneuen 7er BMW mit möglichst allen Extras suchen, aber nur für einen 3 Jahre alten Polo in der Basisausstattung bezahlen möchten.

    Ich habe es auch schon erlebt, das mir ein Arbeitgeber auf die Frage nach einer Gehaltserhöhung geantwortet hat, das er dann ja jedem der übrigen Kolegen auch das Gehalt erhöhen müsse und dafür wäre halt keine Geld da und deshalb würde ich auch keine Gehaltserhöhung bekommen. Was will man da noch erwiedern?

    • Simone Janson

      Hallo Heiko,
      genau, Plug-&-Play für Arbeitskräfte eben. Zum Thema, was man bei der Gehaltsverhandlung erwiedern soll, hier noch einige Tipps:
      https://berufebilder.de/verdienen-gehaltsverhandlung/ (auch weiterführende Links beachten)
      Sowie diese Serie:
      https://berufebilder.de/serie/erfolgreich-preise-verhandeln/

  3. Gerhard

    Interessante Sendung insbesondere zur Thematik wie Verbändeinteressen in die Politik getragen werden. Fühle mich als Sozialwissenschaftler jetzt auch etwas besser, man ist ja sonst immer nur Fachkraft zweiter oder dritter Klasse, schön, dass es den Ingenieuren und MINT eigentlich auch nicht viel besser geht ;-)

    • Simone Janson

      Naja, bei Geistes- und Sozialwissenschaftlern ist es tatsächlich noch schlimmer.

  4. Pingback: Heute abend Simone Janson in der ARD: Das Märchen vom Fachkräftemangel | B E R U F E B I L D E R

  5. Eva Maria Goldmann

    Ein hausgemachtes Problem RT @HT_UCS Das Thema #Fachkräftemangel hat viele Facetten von @SimoneJanson #ingenieur #job

  6. Simone Janson

    Die Diskussion um Fachkräftemangel hier im Blog - Teil 2: Ein Resümee zu meinem ARD-Interview -

  7. KompetenzPartner

    Die Diskussion um Fachkräftemangel hier im Blog – Teil 2: Ein Resümee zu meinem ARD-Interview:... #Beruf #Bildung

  8. Jörg Baumann

    RT @SimoneJanson: Die Diskussion um Fachkräftemangel hier im Blog - Teil 2: Ein Resümee zu meinem ARD-Interview -

  9. Simone Janson

    Die Diskussion um Fachkräftemangel hier im Blog - Teil 2: Ein Resümee zu meinem ARD-Interview -

  10. Simone Janson

    Die Diskussion um Fachkräftemangel hier im Blog - Teil 1: Ein Resümee zu meinem ARD-Interview -

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