Digitale Aufmerksamkeits-Störung: Wichtigmacher abstellen!


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Bildmaterial erstellt im Rahmen einer kostenlosen Kooperation mit Shutterstock. .

Aufmerksamkeit ist ein begrenztes und deshalb hart umkämpftes Gut: Verführer lauern hinter jedem Tweet. Ideen zum ökonomischen Umgang mit einer unserer wertvollsten Ressource.

Digitale Aufmerksamkeits-Störung: Wichtigmacher abstellen! Digitale Aufmerksamkeits-Störung: Wichtigmacher abstellen!

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Hier schreibt für Sie: Simone Janson ist Verlegerin, deutsche Top20 Bloggerin und Beraterin für HR-Kommunikation. Profil

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Digitales Zeitmanagement: Zu viel auf einmal wollen

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Kürzlich in der S-Bahn, zurück vom Sport, las ich Twitter auf dem Smartphone. Leerzeiten effektiv nutzen und so! Mit der Entspannung war es schnell vorbei: Ich hatte gleich sieben Artikel entdeckt, die ich lesen oder bookmarken wollte.

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Als ich nun da saß, mit sieben Browserfenstern, und noch schnell meine eMails abgerufen hatte, fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Ich leide an einer digitalen Aufmerksamkeitsstörung!

Digitale Aufmerksamkeitsstörung: Wie schaffen wir es, aufzuhören

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Bis vor einiger Zeit wusste ich noch nichtmal, dass es so eine "Krankheit". Barbara Haag hat mich dann eines Besseren belehrt. Nun bin ich kein Freund solcher Klassifizierungen – schon über die "analoge"Aufmerksamketsstörung kann man trefflich streiten.

Wahr ist bei dem Thema allerdings eines: Im Internet kann man schnell vom Hölzchen aufs Stöckchen kommen: Hier noch eine Nachricht, da noch ein Klick und schon ist eine Stunde rum. Über das wie und warum kann man hunderte von Artikeln schreiben und wir haben uns ja hier auf  Best of HR – Berufebilder.de® ja auch immer wieder des wichtigen Themas eMail angenommen. Mir geht es hier um einen ganz bestimmten Aspekt: Was verleitet uns, immer weiter zu klicken? Und wie schaffen wir es, damit aufzuhören?

Aufpeitscher und Wichtigmacher identifizieren

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Die Lösung ist in der Theorie ganz einfach: Wir müssen die Aufpeitscher und Wichtigmacher Im Netz identifizieren – und uns von ihnen nicht verführen lassen. Das ist nämlich das Problem in der Praxis: Dass in der Regel Texte so gestaltet werden, dass sie genau das machen: Uns verführen. Jedenfalls, wenn die Texter ihr Handwerk verstehen. Das ist mir vorgestern abend bei Twitter sehr aufgefallen: In der 140-Zeichen-Vorschau klangen die Texte allesamt superinteressant. Nun, beim Überfliegen am heimischen Bildschirm war nichtmal die Hälfte lesenswert.

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Twitter-Virtuosen spielen gekonnt mit dem Neugiertrieb ihrer Leser. Zum Beispiel, wenn sie solche Vorankündigungen schreiben: "Ich weiß, dass ich diese App nie nutzen werde, aber ich muss sie mir trotzdem kaufen!" Und natürlich will jeder wissen, warum jemand Geld ausgeben will, für etwas, von dem er bereits im Vorfeld weiß, dass es unnötig ist. Hätte der betreffende einfach nur getwittert: "Das könnte eine wirklich spannende App sein!" – der Effekt wäre nicht derselbe gewesen.

Wie Medien funktionieren: Hauptsache populistisch!

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Medien funktionieren genau so. Sascha Lob hat vergangene Woche selbstkritisch den im Internet herrschenden Populismus beklagt und den Dadaisten Hugo Ball zitiert:

"Als deutscher Prophet muss man laut schreien und deutlich reden. Denn das Volk ist schwerhörig. Unendliche Wiederholungen weniger Gedanken verfehlen schließlich ihre Wirkung nicht."

Aufmerksamkeitsmacher wecken Begehrlichkeiten

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Das gilt längst nicht nur für Twitter: Es wird etwas spannend, wichtig und dringend gemacht, es werden Begehrlichkeiten geweckt, eine bestimmte Information jetzt unbedingt anklicken zu müssen, die dann in Wahrheit doch nicht so interessant ist. Oder die man nicht lesen muss, weil man den Inhalt in anderer Form schon oft gelesen oder gehört hat.

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Unser Gehirn ist schuld daran, dass wir immer wieder in die gleiche Falle tappen: Es will möglichst ökonomisch agieren und die Vielzahl von Informationen, die täglich auf uns einstürmen, so schnell wie möglich einsortieren oder verwerfen. Daher nehmen wir nur sehr selektiv wahr. Starke Reize, die Gefühle auslösen, werden schneller und besser verarbeitet als Informationen, an denen man nicht emotional beteiligt ist. Und daher reagieren wir auf spannungsheischende Meldungen viel eher als auf langweilige Botschafen – die vielleicht die interessantere Information enthalten.

Gegen Divided Attention Disorder – einfach nicht anklicken

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Die Lösung? Vor allem, dass wir uns diesen Mechanismus bewusst machen. Und weniger auf solche Tweets oder Artikel klicken. Wenn der Erfolg ausbleibt, werden die Texter uns vielleicht weniger mit solchen Meldungen nerven. Vielleicht eine idealistische Annahme. Vielleicht aber auch gar nicht weit hergeholt, wenn man auf Gunter Dueck hört, der über Dringendmacher sprach – und wie man mit ihnen fertig wird:

"Wir müssen der Welt beibringen, eigene Handlungen auf Zeitnoterzeugung bei anderen abzuchecken. Die Welt ist nicht naturgegeben hektisch.":

In  diesem Sinne: Einfach nicht anklicken!

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