Deutsche Fachkräfte gestrandet in Amerika: Bewerber wollen zurück, aber finden keinen Job


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Wie ich letzte Woche schon geschrieben habe, war ich kürzlich auf der European Career Fair in Boston – und konnte mich dort erstaunlicherweise vor Anfragen von Fachkräften kaum mehr retten. Karriere Europa03

Hier schreibt für Sie:

 

Antje Rabenalt Best of HR – Berufebilder.de®Antje Rabenalt ist Interim Personalmanagerin.

  Profil

Die Unternehmen sind hier in der Minderheit

Denn mein Namensschild ist weiß, und damit bin ich eindeutig in der Minderheit. Weiß sind diejenigen, die Unternehmen vertreten oder wenigstens Informationen vom Arbeitsmarkt in Deutschland haben und damit als Gesprächspartner sehr begehrt sind. Rot, das sind diejenigen, die sich für diese Informationen interessieren.

Das ist zum Beispiel Tom, der auf pediatrische Intensivmedizin spezialisierte Neurobiologe, der extra aus Houston gekommen ist. “Wie sieht es aus da drüben, werden Kinderärzte gebraucht?”, fragt er mich. Er würde gern zurückgehen, aber es sei schwer, eine geeignete Stelle zu finden.

Wo findet man eine geeignete Stelle?

Wo soll er suchen? Einmal hatte er sich durchgerungen, eine Bewerbung zu schicken. Aber eingeladen wurde er nicht. Er  hat auch keine Absage bekommen. Irgendwie hat sich bei ihm das Gefühl festgesetzt, er sei nicht besonders willkommen.

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Auch Gernot, der Chemiker aus Pennsylvania, will zurück. Seine Frau, eine Amerikanerin, ist Zahnarzthelferin. Sie ist schwanger. Kinder aufziehen ist teuer in Amerika. Sie würden gern zurück. “Natürlich nach Berlin”, sagt er. Auch er war für zwei Semester in Berlin, bevor er sich durch die Welt studierte.

“Was macht die chemische Industrie in Berlin?”

Das Letzte, was er gehört hat ist, dass es Schering wohl nicht mehr gibt. Heute programmiert er, und eigentlich ist er auch Physiker und würde gern auch mal etwas ganz anderes machen. Wie die Arbeitschancen für seine Frau “Was macht die denn wären und ob das mit der Kinderbetreuung in Berlin noch chemische Industrie immer so gut sei, will er wissen.

Dass er die Fachkraft ist, die in den Reden gemeint war, und dass wir in Deutschland da einen in Berlin?” Mangel beklagen, das ist bei ihm noch nicht angekommen. Auch nicht bei seinen Freunden. Sie sind Ingenieure, Naturwissenschaftler, Ärzte, aber auch Finanzexperten und Ökonomen.

Sie wollen zurück, aber können nicht!

Auch sie wollen zurück, wenn sie könnten. Nach drei Stunden habe ich Hunger, doch das Buffet ist längst abgeräumt und der Politiker wieder auf dem Weg zum Flughafen. Mein Hals ist trocken vom Reden, teils mit 4 bis 5 Leuten gleichzeitig an einem der Stehtische.

Irgendwann schreibe ich meine Kontaktdaten nur noch auf Zettel und verspreche zu antworten. “Schick mir mal Jobanzeigen”, sagen sie beim Abschied. “Mache ich”, verspreche ich und kann es nicht begreifen.

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Ist der deutsche Mittelstand bereit für die Global Learner?

Hochqualifizierte deutsche Fachkräfte finden keinen Job? Was läuft hier schief? Im Internetzeitalter ist es schwierig, Jobangebote zu finden? Informationen über Branchen und Arbeitsmarkt in Deutschland zu bekommen unmöglich? Das ist doch alles lösbar. Oder?

Halt, da ist noch ein Problem. Denn die Frage ist: Ist der Mittelstand in Deutschland bereit, diese Generation der “Global Learner” zu beschäftigen? Sie sind selbstbewusst und gewohnt, in multikulturellen Strukturen zu arbeiten.

Sie kennen Leistungs- und Erfolgsdruck als Selbst- verständlichkeit. Veränderungen machen ihnen keine Angst. Kurz: sie sind die Generation Y. In interkulturellen Kompetenzteams fordern sie Feedback und haben gelernt, dieses zu geben. Kommunikativ, vernetzt und offen suchen sie nach Sinnhaftigkeit in der Arbeit, nicht nach Job-Titeln.

In Deutschland muss man klein anfangen

Wie Sophie, sie ist Virologin und würde gern ihre Erfahrungen nach Deutschland bringen. “Keime in einem Krankenhaus, das muss nicht mehr sein”, weiß sie. Es gibt Systeme, Hygienestandards und viele Neuentwicklungen, doch diese Begeisterung hat der Personaler schnell gebremst.

Zwei Jahre ist das her, dass sie auf eigene Kosten zu einem Bewerbungsgespräch nach Deutschland geflogen ist. Sie müsse erst mal klein anfangen. Die Warteliste für die angestrebte Position sei voll mit Kollegen, die schließlich schon länger hier arbeiteten. Frank, der Maschinen- und Elektroingenieur, nickt zustimmend und ergänzt: “Und wenn es das nicht ist, dann sind wir überqualifiziert”.

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Angst, Verantwortung in junge Hände zu geben?

Dass Unternehmen sich bei den Bewerbern bewerben, Umzugshilfen gewähren und Reisekosten übernehmen, das ist vielen Unternehmen noch fremd. Tradierte Gewohnheiten, auf Unterlagen zu schauen und lückenlose Lebensläufe zu fordern, sind, so scheint es, ebenso weit verbreitet wie die Angst, Verantwortung in junge Hände zu geben.

“Manchmal denke ich, die wissen nicht, wie sie mit mir umgehen sollen. Ich leite hier ein Team und trage Verantwortung”, sagt Sophie, die bei einem Pharma-Unternehmen arbeitet. In Amerika werden keine Zwischenzeugnisse über Arbeitsleistungen geschrieben und Referenzen mit Namen und Telefonnummern nur auf Nachfrage gegeben. Die Vita heißt Resumee” und hat kein Foto. Für viele Personaler in Deutschland ist das noch ein Problem, und sie verzichten dann lieber auf den Kandidaten.

Es ist schwer, zurückzukommen

Nach drei Tagen ist auch die letzte Berlin-Postkarte verteilt, das Berlin-Banner wieder verstaut. Zum Abschied treffe ich noch einmal Anna.

“Es ist leicht zu gehen, aber schwer zurückkommen zu können, damit hatte ich nicht gerechnet”, sagt sie mit gepresster Stimme. Die Tage des ECF haben gleichermaßen Hoffnung und Heimweh hinterlassen.

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