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Warum „Die Datenfresser“ enttäuschen: Mehr Fakten, weniger Science Fiction!


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Von diesem Buch hatte ich viel erwartet. Vermutlich vor allem deshalb, weil ich eine Autorin, Constand Kurz, Sprecherin des Chaos-Computer-Clubs und technische Sachverständige der Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ mehrfach live und als sehr kompetent erlebt hatte.

Übrigens: Eine Übersicht über die wichtigsten Neuerscheinungen & Bücher im Bereich Karriere finden Sie in unserer Rubrik Business-Bestseller!


Hier schreibt für Sie:

 

Simone JansonSimone Janson, Auftritte in der ARD, gelegentlich Artikel für WELT, ZEIT, WIWO, t3n, W&V, macht Best of HR – Berufebilder.de & HR-Kommunikation.

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Lieber nicht involviert?

Nun ist das so ein Ding mit hohen Erwartungen: Sie werden oft schmerzlich enttäuscht. So auch in diesem Fall. Das fängt mit dem betont gleichgültigen Stil an. Gerade bei einem so heißen Thema wie Datenschutz und zwei so kompetenten Autoren erwarte ich, dass sie sich an der Diskussion beteiligen und persönlich involviert sind.

Ihr Buch hingegen wirkt so, als hätten sie mit der ganzen Sache lieber nichts zu tun. Dem Stil ist es auch zu verdanken, dass das Buch statt spannenden Lesevergnügen eher plätschernde Langweile bietet. Schade um den Titel.

Die Highlights

Aber gehen wir mal davon aus, dass es um den Inhalt, nicht um den Stil geht: Im Prinzip hatte ich mir von dem Buch versprochen, was der Untertitel verheißt: Informationen zu Datenschutzfragen – und dazu, wie ich die entsprechenden Probleme lösen, ruhig auch mit einigen technischen Ausführungen.

Zwar gibt es diese technischen Informationen auch – zum Beispiel, wenn die Autoren detailliert beschreiben, wie Funkzellenauswertung mit der freiwilligen Ortungswanze Mobiltelefon funktioniert oder welche Informationen sich in Bilddateien verbergen. Das sind die Highlights des Buches. Tipps gibt es übrigens in loser Folge auch auf der Website zum Buch.

Ausflüge ins Science Fiction

Leider werden sie immer wieder von langatmigen Schilderungen unterbrochen, mit denen wohl beispielhaft die zukünftige Entwicklung unserer Gesellschaft dargestellt werden soll – die bei mir aber vor allem den Eindruck hinterließen, die Autoren hätten sich mal eben zwischendurch als Science-Fiction-Autoren versuchen wollen.

Es ist natürlich gegen fiktionale Beispiele in Sachbüchern nichts zu sagen, ich habe in vorigen Büchern auch gerne selbst damit gearbeitet, um Sachverhalte klar zu machen. Im Zusammenhang mit dem Datenschutz entsteht durch dieses Stilmittel aber ein Problem:

Je weniger Beweise, desto bedrohlicher

Denn genau diese unbelegten und auf reinen Vermutungen der Autoren basierenden Schilderungen sind es aber, die besonders beängstigend wirken. Christian Buggisch hat dazu gerade vor drei Tagen den britischen Risiko-Forscher John Adams und seine Compulsive Risk Assessment Psychosis, also zwanghafte Risikobemessungspsychose, zitiert:

„Zwanghaft werde demnach für alles Erdenkliche das Risiko berechnet – nicht selten auf der Grundlage von pseudowissenschaftlichen und falschen Annahmen.“ Der Witz dabei: Je weniger sich eine Gefahr beweisen lässt, desto bedrohlicher wirkt sie.

Vom realen Beispiel Niederlande…

Genau das zeigt sich auch in „Die Datenfresser“! Etwa Seite 185: Hier soll am Beispiel der Niederlande gezeigt werden, was passieren kann, wenn der Staat sich zu sehr in das Leben seiner Bürger einmischt. Im Rahmen des „Projekts Gegenwirken“ wird bestimmten Bürgern besondere Aufmerksamkeit in Form von Steuerprüfungen, Parkkontrollen und sonstigem Behördenstress zuteil.

Dabei wird nicht klar, nach welchen Kriterien diese Opfer ausgewählt werden – aber die Autoren vermuten, dass hier vielleicht ein spezieller Algorithmus am Werke ist, der bestimmte Verhaltensmuster als problematisch identifiziert hat.

…zur haltlosen Spekulation

Und genau da liegt das Problem des Buches: Vom real existierenden „Projekt Gegenwirken“ zur reinen Spekulation über den Auswahlalgorithmus ist es für die Autoren nur ein kleiner Schritt. Für die Leser wirkt das Ergebnis aber ungleich bedrohlicher.

Ich gehe nun nicht soweit, dem Chaos-Computer-Club Wirtschaftsfeindlichkeit zu unterstellen, sondern bin im Gegenteil der Ansicht, dass man durchaus auch darüber nachdenken muss, wohin die Reise im Zuge einer immer neoliberaleren und durchtechnisierteren Gesellschaft geht – und dass man das kritisch beleuchten muss, auch mit solchen Beispielen.

Unbehagen und kleine Fehler

Wenn sich aber zu solch unbelegten Beispielen noch kleinere Fehler gesellen, dann wird die Sache ärgerlich: Auf Seite 253 schreiben die Autoren, das Facebook das unwiederrufliche Nutzungsrecht ans allen hochgeladenen Daten habe – und zwar sogar dann, wenn die Nutzer ihren Account löschen. Letzters allerdings stimmt nicht: Zwar wollte Facebook dies 2009 einführen, ruderte dann aber aufgrund massiver Proteste zurück.

Dennoch ist „Die Datenfresser“ aufgrund des technischen Sachverstandes der Autoren ein empfehlenswertes Buch – nur die Teile, in denen die Autoren weniger wissen und mehr vermuten, sollte man doch besser überspringen.

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