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Chef-Bashing & Manager-Mobbing - 2/2: Chefs in der Stigmatisierungs-Falle



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Chefs werden gerne als Alphatiere und Narzisten gebrandmarkt, deren vermeintlich Stärken schnell in zwischenmenschliche Schwächen umschlagen. Dabei haben diese Eigenschaften auch durchaus ihre konstruktiven Seiten, die viel zu selten beachtet werden.

Chef-Bashing & Manager-Mobbing - 2/2:  Chefs in der Stigmatisierungs-Falle


Hier schreibt für Sie: Dr. Regina Mahlmann ist als Coach und Beraterin Sparringspartner für das Top-Management. Profil

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Sozial inkompetente Alpha-Männchen?

Immer wieder liest man in den Medien von psychopathischen Chefs die sozial inkompetent ihre Mitarbeiter ausbeuten. Dieses Stigmatisierung hält sich ausgesprochen hartnäckig und entspricht der landläufigen Volksmeinung.

Kurze Popularität haben beispielsweise die Ausführungen von Kate Ludeman und Eddie Erlandson erreicht. Sie stellen vier Alpha-Mann-Typen vor. Zunächst werden die Stärken hervorgehoben und danach wird erläutert, wann die Stärken in destruktive Schwächen umschlagen.

Konstruktiv statt Destruktiv

Außerdem überlegen die Autoren, was die Alphas selbst und deren Partner tun können, um das Destruktive in Konstruktives umzuwandeln beziehungsweise das kontraproduktive Moment einer Stärke zu vermeiden.

Alpha-Manager erscheinen allerdings auch hier sozial wenig kompetent und benötigen zur Korrektur Nicht-Alphas als Lehrmeister. Diese Einschätzung ist allerdings zu sehr Schwarz-Weiß gedacht und greift zu kurz.

Studie zu Narzissmus unter Unternehmensgründern

Dass auch Narzissmus Wirkungsbereiche hat, in denen er förderlich sein kann, zeigt eine interdisziplinäre Studie der Universität Hohenheim, der Hochschule Reutlingen und der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster.

Untersucht wurde der Einfluss der sogenannten „Dunklen Triade der Persönlichkeit“ in der Phase vor der Unternehmensgründung. Dabei schnitten Narzissten, als „selbstverliebte Persönlichkeiten“ bezeichnet, insofern gut ab, als ihnen offenbar eine höhere Neigung zu eigen ist, Unternehmen zu gründen.

Selbstverliebtheit gut für unternehmerischen Erfolg?

Und dann folgt dieses Zitat: „Hochwertige Businesspläne stammen dagegen eher aus der Feder von Machiavellisten.“ Gut zu wissen.

Die Studie wurde übrigens im Rahmen der Jahreskonferenz der British Academy of Management (BAM) mit dem Best Paper Award ausgezeichnet und erhielt so auch internationale Anerkennung.

Narzissmuss und Machtstreben helfen bei Unternehmensgründung?

Ihr Hauptergebnis besteht darin: „Narzissmuss, Machtstreben & Co scheinen Existenzgründern zu helfen, zumindest in der Anfangsphase bis zum Erfolg“.

Tatsächlich werden und wurden die Interdependenzen von Narzissmus und Führung(serfolg) in der Vergangenheit immer wieder von Psychologen erforscht.

Führungskräfte als Virus?

Der Blick in die Medien zeigt auch: Gegenwärtig überwiegen bei Managern die Negativzuschreibungen. Führungskräfte sind demnach wahlweise wandelnde Inkompetenz, Idiotie, Narzissmus, Machiavellismus, Psychopathie.

Das ist aber noch nicht der Gipfel! Der neueste Schrei verwandelt Führende in einen Virus: Führende machen – so die naive monokausale Logik – Mitarbeitende krank:

Chefs mit Krankenschwester-Funktion

„Chef-Nieten gehen aufs Herz“; oder – die scheinbar konstruktivere Variante derselben Botschaft: „Burnout: Vorgesetzte können psychische Belastung der Mitarbeiter reduzieren“.

Das idealbild des Managers sieht anders aus. Führende werden verpflichtet, fürsorglich zu sein, indem sie „ihre Mitarbeiter bei der Arbeit sozial unterstützen“. Das allerdings müssen sie auf Dauer tun:

Alles, nur nicht ganzheitlich

„Beenden oder unterbrechen die Vorgesetzten ihre Unterstützung jedoch, steigen die durch Burnout bedingten Ausfälle in der Belegschaft schnell wieder auf den vorherigen Stand.“

Im Februar 2011 kommt eine Umfrage zu diesem Ergebnis: „den Chefs gelingt es nicht, die psychische Beanspruchung ihrer Mitarbeiter zu erkennen oder angemessen darauf zu reagieren.“

Chef-Versagen auf ganzer Linie?

Zwar „(spielen) Führungskräfte eine Schlüsselrolle“, aber sie versagen in der „ganzheitlichen Gefährdungsbeurteilung“.

Und – siehe oben – unter ganzheitlich wird verstanden: Körper, Seele, Geist, soziales Miteinander und weitere Kontextvariablen wie Handlungsspielräume und Umgebung (Branche, Unternehmen, Arbeitsplatz, Infrastruktur).

Chefs mit Psychostigma

Es zeigt sich: Bis auf die offenkundigen Abwertungen zeichnen sich Negativ-Wertungen dadurch aus, dass sie einem psychologischen Diskurs entspringen.

Insofern sind Führungskräfte bereits selbst psychologisiert und damit Empfänger oftmals unzureichend zutreffender psychologischer Labels.

Was Führungskräfte sollen

Überraschend allerdings ist dies: Die konkreten, gerade besprochenen Etikettierungen exkulpieren Führende allerdings nicht.

Vielmehr – und das ist die erstaunliche Festsstellung – sollen sie ihrerseits psychologisch denken und ihre Mitarbeitenden nach psychologischen Kenntnissen führen – „ganzheitlich“, versteht sich. Man darf sich nicht wundern, dass junge Menschen oftmals kein Interesse an Führungsaufgaben haben.

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