Business-Alltag ist Zoo: Wie versäuft man sein Taschengeld?



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Abdruck: Dieser Text stammt aus dem Buch "Das Leben ist ein Zoo: Geschäftstüchtige Affen, gefiederte Panzerknacker und Fische in der Waschstraße. Die erstaunlichen Parallelen zwischen Mensch und Tier (2015)" von Professor Dr. Hanno Beck, veröffentlicht bei FAZ Verlag, und wurde uns zum Abdruck überlassen.
Bildrechte: Bildmaterial erstellt im Rahmen einer kostenlosen Kooperation mit Shutterstock. .

Mittlerweile verraten uns Studien genug über die Trinkgewohnheiten und -vorlieben von Ratten, auch, dass die meisten Ratten Root Beer und Tom Collins schnödem Wasser vorziehen – wer täte das nicht?

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Hier schreibt für Sie: Dr. Hanno Beck ist Ökonomie-Professor, Bestseller-Autor und früherer FAZ-Redakteur. Profil

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E4 jedenfalls sieht das genauso. Hätte sie unbegrenzten Zugang zu beiden Köstlichkeiten, würde sie den Wassernapf ignorieren – ähnlich wie Teenager, die ihre eisgekühlte Cola oder den Energy-Drink nie gegen stilles Mineralwasser tauschen.

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Aber Teenager haben Löcher in den Taschen, weswegen sie bisweilen Wasser statt brauner Brause trinken – das Taschengeld reicht nicht, um die Ernährung komplett auf Cola und Energy-Drinks umzustellen. Ähnlich geht es E4, auch ihr Taschengeld ist knapp bemessen. Und wie machen wir das? Ganz einfach: Statt Euros gibt es zwei Knöpfe – einen Knopf für Root Beer, einen für Tom Collins.

Das Teenager-Taschengeld-Problem

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Will E4 sich einen genehmigen, muss sie einen Knopf drücken, entweder den Tom-Collins-Knopf oder den Root Beer-Knopf. Und hier kommt das Taschengeld ins Spiel: Sie kann die Knöpfe nicht unendlich oft drücken, sondern sagen wir nur 300-mal. Damit haben wir die perfekte Imitation des Teenager-Taschengeld-Problems: Ich kann zwischen Root Beer und Tom Collins wählen, kann aber nicht unendlich viel Root Beer oder Tom Collins trinken, sondern nur 300 Stück von beiden zusammen.

Ok. Ersetzen wir „Knöpfe drücken“ durch „Euro“, und wir haben die Teenager-Situation: Wir können 300 Euro zwischen Root Beer und Tom Collins aufteilen. Sind die 300 Euro weg, müssen wir auf das von unseren Eltern kostenlos zur Verfügung gestellte Wasser zurückgreifen. Und wie die Teenager hat E4 ein Geldproblem: Wie teile ich meine knapp bemessenen Euros – also die 300 erlaubten Knopfdrücke – auf Root Beer und Tom Collins auf, wie viel Root Beer und Tom Collins soll ich bei gegebenem Ausgabenlimit von 300 wählen?

Wie versäuft man sein Taschengeld?

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Die Antwort auf diese Frage hängt von vielen Dingen ab – vor allem von den Vorlieben der jeweiligen Ratte. Aber nicht nur. Denken wir einmal an unsere Teenager: Wenn sie sich ihren individuellen Cola-Energy-Drink-Mix zusammenstellen, sind die Preise der beiden Getränke wichtig – je teurer Cola ist, umso mehr wird man den Energy-Drink statt der Cola trinken. Es ist der Preis eines Getränks, der darüber entscheidet, was

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man trinkt. Für unsere Freundin E4 bestimmt dieser sich über die Menge, die sie pro Knopfdruck ausgeschenkt bekommt – je mehr Root Beer pro Knopfdruck fließt, umso billiger ist die süße Plörre. Wie also verwendet E4 ihr Taschengeld, um möglichst viel Getränkespaß zu bekommen?

Angebot und Nachfrage

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In der herkömmlichen ökonomischen Theorie formuliert und löst man dieses Problem in der sogenannten Haushaltstheorie, und eines der Ergebnisse dieser Theorie ist einer, wenn nicht der Grundpfeiler der gesamten Wirtschaftswissenschaften: Bei steigenden Preisen sinkt die Nachfrage nach einem Gut. In unserem Alltag eine selbstverständliche Idee und Beobachtung: Steigt der Preis von Cola – oder Root Beer – werden wir mehr Energy-Drinks – respektive Tom Collins – trinken.

Und? Kennt E4 dieses Gesetz? Kennen Ratten dieses Gesetz? Und befolgen sie es? E4 tut es. Und ihre Artgenossen ebenfalls. Sobald wir den Preis für Root Beer erhöhen, beginnen die Ratten umzuschwenken – sie süffeln mehr Tom Collins und weniger Root Beer. Ratten kennen das Gesetz der Nachfrage, und sie halten sich daran: Mit steigenden Preisen sinkt die Nachfrage. Doch warum?

Relative Preisverhältnisse

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Die intuitive Antwort auf das „warum“ sind die relativen Preisverhältnisse: Wenn Cola verglichen mit Energy-Drinks teurer wird, schaltet man auf das billigere Getränk um. „Substitutionseffekt“ nennen Ökonomen das, man ersetzt – substituiert – das teurer gewordene Getränk durch das nun vergleichsweise billigere Getränk. Doch das ist nicht alles, es gibt noch einen Effekt, den Einkommenseffekt:

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Wenn der Preis für Cola sinkt, steigt das, was man das Realeinkommen der Teenager nennt. Weil Cola nun billiger ist, können Sie mit dem gleichen Taschengeld mehr Cola kaufen – konnten sie mit zehn Euro vorher fünf Colas á zwei Euro kaufen, so können sie nach einer Preissenkung von zwei auf einen Euro nun mit den gleichen zehn Euro zehn Colas kaufen. Dieser Effekt der Preissenkung führt zu einem Anstieg der Nachfrage nach Cola. In dieser Lesart trinken die Ratten mehr Tom Collins, weil sie nun mehr Getränke frei haben, nicht, weil sie erkannt haben, dass Root Beer teurer geworden ist. Oder?

Ratten als perfekte Konsumenten?

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Nein. Die Ratten erkennen und verstehen, dass der Preis für Root Beer gestiegen ist und satteln deswegen auf Tom Collins um. Das können wir zeigen, indem wir das Einkommen – die Anzahl, wie oft die Ratten den Knopf drücken dürfen – so erhöhen, dass die Ratten danach mit dem höheren Preis für Root Beer genau die gleichen Mengen Root Beer und Tom Collins trinken können wie vor der Preiserhöhung.

Sie könnten also ihren Mix aus Root Beer und Tom Collins so wählen, dass sie den gleichen Mix haben wie vor der Preiserhöhung. Tun sie aber nicht. Auch nach dieser Manipulation – Einkommenskompensation genannt – verändern die Ratten ihren Getränkeplan, das nun teurer gewordene Root Beer wird zumindest teilweise durch Tom Collins ersetzt. Ratten richten ihre Nachfrage an den Preisen ihrer Getränke aus. Sie sind perfekte Konsumenten – zumindest in den Augen eines Erstsemester-Lehrbuches zum Konsumentenverhalten.

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