Berufswahl 2018 neu denken: Märchen Lebenslanges Lernen?


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Eine Forsa-Studie im Auftrag der Lernplattform Udemy zeigt: Aktuell sind ca. 60% der Berufstätigen unzufrieden mit ihrer Berufswahl. Müssen wir die Berufsausbildung neu Denken? Ein Diskussionsbeitrag!

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Müssen wir Berufswahl neu denken?

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Die Frage hat Joachim Diercks auf seinem Recrutainment-Blog aufgeworfen. Und da das mit dem Kommentieren technischerseits nicht recht geklappt hat, habe ich daraus gleich einen Blogbeitrag gemacht.

Nun klingt die Forsa-Studie erstmal erschreckend. Forsa fand laut SPON heraus, dass rund ein Drittel der Erwerbstätigen heute, hätten sie nochmal die Wahl, fachlich-inhaltlich etwas anderes machen würden. 60% der Berufstätigen unzufrieden mit ihrer Berufswahl. Über 25% würden sich rückblickend für eine andere Ausbildungsform, also Studium statt Ausbildung oder umgekehrt, entscheiden.

Kurze Kritik zur Studie

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Allerdings hat Forsa überhaupt nur 1.000 Vollzeitarbeitnehmer gefragt, also z.B. keine Selbständigen, die sich tendenziell ohnehin schon eher selbst verwirklichen.

Und Udemy als Lernplattform und Auftraggeber hat natürlich ein gewisses Interesse daran, an den Grundfesten der Berufsausbildung zu rütteln. Denn in der digitalen Bildungs-Szene ist es gerade in, die traditionellen Bildungsinstitutionen zu hinterfragen und so den Bildungsmarkt zu disruptieren. Das muss nichts heißen, aber man sollte es im Hinterkopf behalten.


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Unzufriedenheit im Job: Das Kind nicht mit dem Bade ausschütten

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Zunächst wird m.E. bei der Berufszufriedenheit oft das Kind mit dem Bade ausgeschüttet: Tatsächlich fühlen sich laut der Forsa-Studie 69 Prozent der Arbeitnehmer durch Studium und Ausbildung gut auf ihren Job vorbereitet. Drei Viertel fühlen sich grundsätzlich ausreichend qualifiziert für ihre berufliche Tätigkeit. Die Gründe liegen häufig woanders: Viele Leute sind so unzufrieden mit ihrem Job, dass sie am liebsten alles hinwerfen möchten, wo es oft helfen würde ein paar Kleinigkeiten zu ändern.

Andere Kollegen, anderer Chef, andere Kunden, flexiblere Arbeitzeiten, weniger Stress, regelmäßig Spazierengehen oder die eigenen Ängste hinterfragen - mir ist klar dass nicht alles sofort umsetzbar ist, aber es ist doch einfacher als den Beruf zu wechseln. Und es ist weniger eine Frage der Berufswahl als der Arbeitsbedingungen - hausgemacht und vom Arbeitgeber vorgegeben.

Traumjob: Keine Garantie für Glücksseeligkeit

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Umgekehrt bringt auch der vermeintliche Traumjob, z.B. Reiseblogger auf Bali, nicht zwingend die erhoffte Glücksseeligkeit - wenn z.B. das Geld fehlt oder man dann doch die Aufträge abarbeiten muss.

Mir z.B. wurde vor etwa 25 Jahren erzählt, man solle machen, was einen wirklich interessiert. Daher habe ich ein geisteswissenschaftliches Fach studiert, wo ich von heute aus gesehen Jura für mich sinnvoller gefunden hätte. Aber die Beratung abseits der üblichen Berufe (Lehrer, Medizin, Bankausbildung) war eher schlecht, der digitale Wandel noch nicht am Horizont und dann macht man, was man denkt was man kann. Und wie soll man überhaupt wissen, was einem liegt und wofür man sich eignet, wenn man es nicht ausprobiert hat? Daher finde ich die Sache mit dem "wirklich interessieren" eher zweischneidig. Und manchmal kommt der Appetit ja auch beim Essen. Zwar mache ich heute irgendwie etwas Ähnliches mir damals vorschwebte, aber die Ausgestaltung ist doch ganz anders.

Berufswahl hat sich in 25 Jahren kaum verändert

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Erschreckend ist, dass sich an dieser Art der Berufswahl, was ich so mitbekomme, gar nicht so viel geändert hat: Man macht, was man kennt, durch Eltern, Lehrer, Freunde, Medien. Das große Angebot an Ausbildungsgängen und Beratungsangeboten überfordert viele mehr als dass sie es wahrnehmen - wenn sie es überhaupt kennen.

Bei manchen Träumen müsste man mal schauen, ob es die eigenen sind oder doch aufgepfropfte. Und manche Studiengänge betreiben auch geschicktes Marketing - etwa solche, die neben Sprachen, Kultur auch Jura und BWL enthalten, viele ansprechen, weil suggeriert wird damit alles machen zu können, aber bei Arbeitgebern gar nicht gefragt sind.


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Endlich ernst machen mit Lebenslangem Lernen

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Spannend finde ich daher die Diskussion, die zu dem Beitrag von Joachim Diercks entstand. Henrik Zaborowski etwa meint:

Das ganze Gefasel vom „lebenslangen Lernen“, das aber nie wirklich ernst gemeint war, muss jetzt langsam wahr werden. Einfach weil es in Zukunft Berufe / tätigkeiten gibt, die heute noch kaum jemand kann. Wenn ich im Job lernen dürfte, könnte ich alle 5 Jahren meinen Tätigkeitsschwerpunkt ändern, wenn ich das will und das Zeug dazu habe. Und so herausfinden, was ich wirklich kann und will.

Bleibt doch alles beim Alten?

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Joachim Diercks hingegen glaubt nicht, dass sich das Berufswahl- und Ausbildungssystem grundsätzlich verändern wird:

Wir haben ein ständisches Ausbildungssystem, zumindest in der Dualen Berufsausbildung, das sich erstens durchaus als Erfolgsmodell bewährt hat (zumindest für die Volkswirtschaft, für den Einzelnen gibt es Luft nach oben…) und das sich zweitens tief in das kollektive kulturelle Bewusstsein eingebrannt hat.

Der Digitale Wandel braucht schneller neue Berufe

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Und beide haben irgendwie recht: Ich finde auch, dass diese Haltung "eine Ausbildung ein Leben lang" ein wenig veraltet ist und nur unglücklich machen kann, weil sich die eigenen Wünsche und Bedürfnisse ja ständig ändern.

Denn die Welt/Technologie verändert sich immer schneller und so sterben ja vielleicht auch klassische Traditionsberufe wie Banker oder sogar Mediziner demnächst aus - wenn man Gunther Dueck folgt - auch wenn man sich das noch gar nicht recht vorstellen kann. Und die Technik entwickelt sich ja schneller als die Ausbildungsberufe nachkommen, siehe Fachkräftemangel in der IT. Selbst Professoren in einschlägigen Studiengängen fragen mittlerweile verzweifelt, was sie ihren Studenten beibringen sollen. Daher wäre etwas Flexibilität und Durchlässigkeit bei Berufen sinnvoll.


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Fazit: Ein Problem der Kompetenzmessung

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Aber natürlich hat das bislang alles sehr gut funktioniert in Deutschland und deshalb wird es sich wohl auch nicht so schnell ändern. Zudem stellt sich die Frage der Kompetenzfeststellung - wie wollt Ihr denn als Personaler erkennen, was jemand kann, wenn die Leute ständig den Beruf wechseln? Bei einer Expertenrunde mit Frau Engelen-Kefer und Damen & Herren von BIBB & Bitkom haben wir das vor einigen Jahren übrigens mal diskutiert und tatsächlich gibt es auch Forschungsansätze dazu, sogenannte Large Skale Assessments.

Insgesamt ein sehr spannendes Thema, ich bin gespannt auf weitere Diskussionen.

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  1. Thomas Eggert

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