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Beruflicher Neuanfang – 1/2: Vom Elitestudium zum Karatelehrer



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„Ichi! Ni! San! Yon shi! Go! Roku! Nana shichi! Hachi! Kyu ku! Ju!“ Laut zählt Malte Loos immer wieder, mal auf Japanisch, mal auf Deutsch, von eins bis zehn. Vor ihm stehen etwa 14 Frauen und Männer, die meisten zwischen 30 und 40 Jahren alt, und folgen seinen Anweisungen. Seine Schüler lernen bei ihm Karate!

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Christoph Berger ist Journalist.

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Sich fallen lassen

In seiner Karateschule üben sie Tritte und Blocks, Schläge und Sprünge. Und sie versuchen, sich innerlich fallen zu lassen.

Malte Loos wünscht sich beim Ausharren in bestimmten Ständen von ihnen: „Lasst euch fallen, zittert alles in den Boden, macht euch frei!“ Er meint das Freiheit finden in sich selbst.

Der Weg zur inneren Wahrheit und Stille

Auf dem Weg in die Freiheit befindet sich auch Malte Loos beziehungsweise auf dem Weg hin zu einem Zustand innerer Wahrheit und Stille, wie er selbst sagt. Lange Zeit verfolgte er jedoch einen anderen Lebensentwurf. Er dachte, sein Glück bestünde aus seiner begonnen wissenschaftlichen Karriere, aus wirtschaftlichem und finanziellem Erfolg.

Dies erwies sich aber als eine Fehleinschätzung. Aggressivität und ein aufbrausender Charakter bestimmten noch vor zehn Jahren sein Leben. Dieses Verhalten plus das Gefühl, insgesamt das Falsche zu tun, wurden schließlich so stark, dass er es mit sich selbst nicht mehr aushielt.

Leben, wie das Umfeld es will

Er brach die bereits fortgeschrittene Laufbahn ab, durchlief Zeiten innerer Ängste und Unsicherheiten – immerhin standen plötzlich existentielle Fragen im Raum: Wie soll ich weiterleben, wie meinen Lebensunterhalt verdienen, was machen?

Klar war ihm nur, dass er sich bis dahin etwas vorgemacht hatte, gelebt hatte, wie es sich sein Umfeld gewünscht und vorgestellt hatte, wie er vielleicht selbst gerne gewesen wäre. Aber nicht ist.

Studium in der Kaderschmiede zukünftiger Eliten

Nach dem Abitur leistete Malte Loos seinen Wehrdienst ab, studierte Volkswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Mathematik an den Universitäten des Saarlands und in Bonn, machte 1994 sein Diplom, absolvierte ein Masterprogramm an der London School of Economics and Political Science.

Schließlich landete er als Doktorand am Massachusetts Institut of Technology (MIT) in Boston – einer der Kaderschmieden künftiger Wirtschaftseliten.

Ein geradliniges Leben aus Zahlen, Daten und Fakten

Sein Leben bestand aus Zahlen, Daten und Fakten, aus mathematischen Formeln, die nicht abstrakt und formal genug sein konnten. Und hätte sich Malte Loos auf dieses Geflecht logischen Denkens weiterhin verlassen können, sein Leben wäre bestimmt gradlinig weiterverlaufen.

Er wäre zu einem Paradebeispiel avanciert, hätte einen Lebenslauf par excellence präsentieren können, einen wie ihn Unternehmen gerne nachkommenden Generationen präsentieren.

Top-Job, aber die innere Stimme zweifelt

Die meisten seiner ehemaligen Kommilitonen haben heute Lehrstühle inne oder besetzen gutbezahlte Führungssessel in Unternehmensberatungen und Industriekonzernen. Und auch Loos bearbeitete sein erstes Projekt bei JP Morgan im Bereich Finance Research.

Doch da ist das „Hätte“. Hätte deshalb, weil sich in dem Umfeld eines solch rationalen Lebens, in dem es vor allem um oberflächliche Umstände, Zustände und Entwicklungen geht, bei manchen Menschen entweder schleichend anpirschend, bei anderen mit Blitz und Donner aufziehend, eine innere Stimme meldet, die all das, was man bisher getan hat, anzweifelt.

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