Bahnfahren geht auch billig: Sparpreise Flatrates und Co auf reisen


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“Ganz Deutschland ab 49 Euro” und “weil die Bahn günstiger ist” – so wirbt die Deutsch Bahn derzeit in einem TV-Spot für das Dauer-Spezial Familie. So einfach ist es dann leider doch nicht: Wer mit dem günstigen Tarife fahren will, muss genau planen und rechtzeitig buchen. stern.de zeigt, worauf es beim Fahrkartenkauf ankommt.

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Simone Janson Simone JansonSimone Janson ist Verlegerindeutsche Top20 Bloggerin und Beraterin für HR-Kommunikation.

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Bahn statt Auto

Die Benzinpreise steigen und steigen, gerade in der Urlaubszeit. Doch zu Hause muss deswegen niemand bleiben: Die Bahn lockt mit Sondertarifen, die tatsächlich billiger sein können als mit dem Auto zu fahren. Vorausgesetzt, man bekommt die günstigen Fahrkarten auch wirklich. Das allerdings kann schwierig sein, wenn man sich auf die Bahn-Angestellten am Schalter verlässt: Denn die finden, so ein Testergebnis der Stiftung Warentest, nicht immer das günstigste Angebot.

Auf eigne Faust im Internet zu suchen, ist da möglicherweise die bessere und billigere Variante, denn häufig verlangt die Bahn auch einen Aufpreis für den Kauf am Schalter. Allerdings muss der Reisende sich dann im Tarifdschungel alleine, ganz ohne Beratung, zurechtfinden. Dabei kann es schwierig sein, unter all den Sparpreisen, Spezial-Angeboten und Ländertickets auch wirklich das günstigste Angebot herauszufiltern. Wir erklären Ihnen, wie es trotzdem klappt und wie Sie den besten Preis finden.

Dauer-Spezial

Als besonders günstig wird momentan das Dauer-Spezial beworben. Damit können Sie ab 29 Euro pro Person eine einfach Fahrt mit dem IC, dem ICE oder dem City Night Line quer durch Deutschland machen. Dabei ist es egal, wie lang die Strecke ist. Beispielsweise kostet Hamburg-München mit ICE genau so viel wie die Strecke Frankfurt-München mit IC. Allerdings: Es gibt nur eine bestimmte Menge Billigtickets: Sind die Züge stark ausgelastet, werden die Tickets in Zehnerschritten teuerer – bis zu 69 Euro pro Strecke. Bonus: Kinder unter sechs Jahren fahren umsonst mit. Im Dauer-Spezial Familie fahren ab 49 Euro sogar zwei Erwachsene und Kinder unter 15 Jahre reisen sogar kostenlos mit.

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Die Fahrkarte müssen Sie spätestens drei Tage vor Reiseantritt kaufen – je früher desto besser und am besten Automaten oder im Internet, denn am Schalter wird es nochmals fünf Euro teuerer. Die günstigen Tickets sind ab drei Monate vor Fahrtantritt erhältlich und wer zu spät kommt, muss teuerer fahren. Außerdem legen Sie sich mit dem Dauer-Spezial auf einen bestimmten Fernzug fest, Umtausch und Erstattung ausgeschlossen. Wenn Sie jedoch für einen Teil der Strecke auch einen Nahverkehrszug nutzen, können Sie diesen frei Wählen.

Weiterer Pluspunkt: Sie können die Reise auch für 24 Stunden unterbrechen und sogar kleinere Umwege machen: Beispielsweise können Sie auf dem Weg von Nürnberg nach Berlin für das gleiche Geld sogar einen Tag und eine Nacht in Hannover bleiben. Das wissen selbst die Angestellten der Bahn häufig nicht. Wenn Sie das im Internet buchen wollen, müssen Sie bei der Auswahl des Zieles die Option “Über” anklicken und dann eine entsprechende Aufenthaltsdauer eingeben. Aber Achtung: Ist diese zu lang, bekommen Sie kein Dauer-Spezial.

Sparpreis 25 und 50

Das Dauer-Spezial ist aber nicht in allen Fällen die günstigste Variante. Wenn Sie beispielsweise von Dortmund nach Hamburg und zurück reisen, zahlen Sie mit dem Dauer-Spezial in der günstigsten Variante 58 Euro. Es kann aber auch 118 Euro kosten – damit wäre das Dauer-Spezial genau so teuer wie der Normalpreis auf dieser Strecke im IC. Weitaus billiger gehts mit dem Sparpreis: Mit dem Sparpreis 25 zahlen Sie nur 93,75 Euro, mit dem Sparpreis 50 sogar nur 58 Euro. Noch günstige ist es, wenn Sie noch die Bahncard 25 haben: Dann können Sie jeweils nochmal 25 Prozent abziehen. Schon für 44,95 Euro können Sie dann im IC von Dortmund nach Hamburg und zurück reisen und genau wie beim Dauer-Spezial noch einen Umweg machen oder die Fahrt für einen Tag und eine Nacht unterbrechen.

Wie auch beim Dauer-Spezial gibt es nur ein bestimmtes Kontingent von Fahrkarten, dass Sie bis drei Tage vor Abreise kaufen können und Sie müssen sich im Fernverkehr auf bestimmte Züge festlegen. Allerdings muss beim Sparpreis 50 zwischen Hin- und Rückfahrt eine Nacht von Samstag auf Sonntag liegen oder eine Woche von Sonntag bis Samstag liegen (so genannte Wochenendbindung). Und der Mindestpreis muss ohne BahnCard 38 Euro betragen. Dafür können Sie die Fahrkarten im Sparpreis bis einen Tag vor Abreise für 15 Euro umtauschen. Beide Sparpreise können Sie in Kombination mit dem Mitfahrerrabatt nutzen. Bis zu vier Mitfahrern reisen so zusätzlich für den halben Preis.

Fast gleiche Kondtitionen gelten für die Sparpreise 25 und 50 Europa: Nur dass die Wochenendbindung hier fast immer gilt und der Mindestpreis 19 Euro betragen muss.

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Spontane Vielfahrer: BahnCard 50

Was bringt da eigentlich noch die Bahncard, wo es doch Sparpreise und Dauer-Spezial gibt? Die BahnCard 50 für 220 Euro (ermäßigt 110 Euro) pro Jahr in der zweiten Klasse ist für Sie dann interessant, wenn Sie spontan viel fahren oder häufig im Nahverkehr unterwegs sind. Dann bekommen Sie nämlich 50 Prozent Preisnachlass, ohne vorher buchen zu müssen. Da die BahnCard in vielen Verbünden nicht gilt, können Sie hier zu einem Trick greifen, wenn Ihr Start- oder Zielort nahe der Verbundgrenze liegt: Kaufen Sie einfach eine Station mehr als Sie fahren möchten oder nehmen Sie auch für kurze Strecken den IC – und schon gilt die BahnCard, was den Fahrpreis erheblich mindern kann. Beispielsweise kostet die einfache Fahrt von Neuwied-Engers nach Bonn im Verkehrsverbund Rhein Sieg 6,30 Euro. Wenn Sie eine Station vorher in Vallendar starten, zahlen Sie für die gleiche Strecke mit BahnCard 50 nur 5,45 Euro.

Doppelt gespart: BahnCard 25

Doch die BahnCard 25 kann unter Umständen deutlich mehr Ersparnis bringen als die Bahncard 50 – und kostet mit 55 Euro in der zweiten Klasse im Jahr auch nur ein Viertel so viel. Denn die BahnCard 25 wird auf beide Sparpreise angerechnet. Bis zu 62,5% Ersparnis des Normalpreises sind möglich. Und auch in vielen Verkehrsverbünden wird die BahnCard 25 angerechnet. Die Jugend BahnCard 25 kostet sogar einmalig nur 10 Euro bis zum 19. Lebensjahr.

Mit der BahnCard können Sie außerdem Bonuspunkte sammeln und kostenlos die City-Ticket-Funktion nutzen. Das heißt, Sie können in vielen Deutschen Städten kostenlos mit öffentlichen Verkehrsmitteln vor Ort weiterfahren. Voraussetzung: Sie kaufen ein Ticket mit BahnCard-Rabatt, der Zielbahnhof Ihrer Zugreise ist über 100 Kilometer entfernt und Ihr Zielort liegt im Geltungsbereich von City-Tickets. Letzteres ist manchmal nicht ganz einfach zu erkennen: Beispielsweise gilt das City-Ticket in Berlin nur im Bereich A und nur in den S-Bahnen, nicht jedoch in der U-Bahn.

Fahren zum Flatrate-Preis?

Das bekannteste Bahn-Angebot für das Ausland ist Interrail. Aber auch national hat die Deutsche Bahn einige Sparangebote im Gepäck. Man kann z.B. tatsächlich zum Flatrate-Preis fahren. Wie das geht erfahren Sie hier.

Noch bis zum 31. August gilt der Deutschland-Pass: Damit könne Sie für 299 Euro (Jugendliche unter 26: 249 Euro) einen Monat lang durch ganz Deutschland fahren. Wenn Sie häufig bestimmte Strecken fahren, spontan sein wollen oder eine Deutschland-Tour mit mehreren Etappen planen, ist dieses Angebot für Sie richtig: Denn es gilt für ganz Deutschland und Sie sind weder an einen festen Zug gebunden noch an keinen bestimmten Wochentag. Doch es gibt auch Einschränkungen: Fernzüge wie etwa Interconnex und der Vogtland-Express sowie rein touristische Bahnen und Sonderzüge sind von der Nutzung ausgeschlossen.

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Wer mit dem Nachtzug City Night Line fahren möchte, zahlt einen Aufpreis. Und da es keinen Mitfahrerrabatt gibt, ist das Angebot am ehesten etwas für Einzelreisende. Wenn Sie nur gelegentlich reisen oder vorausbuchen, fahren Sie mit Sparpreis oder DauerSpezial günstiger. Und selbst die BahnCard kann sich für spontane Reisen mehr lohnen. Beispielsweise zahlen Sie für die Strecke Hamburg – München hin und zurück im Normalpreis 244 Euro, wenn Sie dann noch einen Wochendtripp untenehmen, hat sich der Deutschland-Pass schon gelohnt. Andererseits können Sie eine BahnCard ja das ganze Jahr über einsetzen. Rechnen Sie das also gut durch.

Ländertickets

Während sich in Anbetracht der Sparmöglichkeiten im Fernverkehr das Schöne-Wochenende-Ticket für mittlerweile 35 Euro nur noch für Gruppen lohnt, die viel Zeit mitbringen, können die Ländertickets für den regionalen Verkehr eine echte Alternative sein. Bis zu fünf Personen können hier ab 25 Euro (je nach Bundesland verschieden) einen Tag lang durch die Region reisen. Eigene Kinder der Enkelkinder unter 15 Jahren reisen sogar in unbegrenzter Anzahl mit.

In fast allen Bundesländern – außer in Hessen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein – gibt es auch den Single-Tarif: Hier können Sie ab 18 Euro alleine fahren. Die Ländertickets gelten allerdings nur im Nahverkehr, IC und ICE sind von der Benutzung ausgenommen. Dennoch macht gerade auf kürzeren Strecken der Zeitunterschied oft nur einige Minuten aus.

Freizeitticket

Preiswert und schneller kommen Sie auf kürzeren Strecken mit dem Freizeitticket zum Ziel:

Das Angebot gilt beispielsweise zwischen Nürnberg und Stuttgart oder zwischen Hannover und Göttingen und auf vielen anderen Strecken montags bis donnerstags sowie samstags bis 3.00 Uhr des Folgetages im ICE und IC. Für 19 bis 39 Euro können Sie hier jeweils hin- und zurückreisen, wenn beide Fahrten am selben Tag stattfinden.

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Es gibt keine Vorverkaufsfrist, am Schalter sind die Karten jedoch 5 Euro teuerer. Allerdings: Oft ist ein Länderticket günstiger und die Fahrt dauert auch nicht viel länger. Beispiel Hamburg-Bremen: Mit dem Niedersachsen-Ticket Single zahlen Sie nur 19 Euro und sind pro Strecke nur 20 Minuten länger unterwegs als mit dem Freizeit-Ticket im IC oder ICE. Bei Reisen in der Gruppe sind die Ländertickets sogar deutlich günstiger.

Quer durch Europa: Interrail

Das bekannteste Bahn-Angebot für das Ausland ist Interrail: Den Global-Pass für einen Monat freie Fahrt in ganz Europa gibt es für mittlerweile 399 Euro (Reisende bis 26 Jahren) bzw. für 599 Euro für alle anderen. Sogar in der ersten Klasse ist Interrail mittlerweile möglich: Für 899 Euro. Für Schnell- und Nachtzüge sowie Fähren gelten vielerorts allerdings Zuschläge und Reservierungspflichten. So kostet die Strecke Berlin-Warschau im Berlin-Warszawa-Express 3,50 Euro extra. Für Nachtzüge verlangen die Bahnen zwischen 4 Euro im Sitzwagen und 150 Euro im Schlafwagen.

Wenn Sie keine Zuschläge zahlen wollen, müssen Sie sich auf Bummelzüge und Umwege einstellen. Insgesamt lohnt sich Interrail nur, wenn Sie in einem Monat wirklich kreuz- und quer durch Europa reisen – ein stressiges Unterfangen, dass Sie unter Umständen besser mit dem Flugzeug durchführen. Wenn Sie nicht ständig unterwegs sein oder nur einzelne Länder bereisen wollen, gibt es fast immer bessere Angebote.

Billig ins Ausland

Für kürzere Reisen bietet Interrail inzwischen auch preiswertere Tickets. So ist eine 22-Tage-Variante für 309 Euro (für Jugendliche unter 26) bis 629 Euro (in der ersten Klasse) erhältlich. Wer in dieser Zeit nur an zehn Tagen Zug fährt, spart noch einmal zwischen 90 und 140 Euro. Im Preis enthalten sind trotzdem Bahnfahrten in allen 30 mitwirkenden Ländern, darunter auch entfernte Staaten wir Finnland, Irland und die Türkei.

Daneben gibt es die Ein-Land-Pässe: Sie gelten einen Monat lang an 3 bis 8 Reisetagen in jeweils einem europäischen Land. Die Länder teilen sich in vier Gruppen auf: Pässe für Frankreich, Großbritannien, Norwegen und Schweden sind am teuersten, Bulgarien, Mazedonien, Slowenien und die Türkei am billigsten. Drei Tage Frankreich schlagen dagegen mit 189 Euro zu Buche – kein Schnäppchen.

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Wenn Sie einzelne Tickets kaufen, kommen sie häufig billiger weg, z.B. mit SurfundRail International (3 Tage Vorverkaufsfrist, je nach Verfügbarkeit ab 19 Euro für eine einfache Fahrt) oder mit dem Europa-Spezial ab 39 Euro für eine einfache Fahrt nach Italien, Österreich, Dänemark, Belgien, den Niederlanden und in die Schweiz sowie nach Paris.

Aber es lohnt sich auch, sich bei den Nachbarn direkt umzusehen: Beispielsweise hält auch französische Bahn, SNCF, günstige Fahrkarten für Frühbucher und für Deutsche Kunden ein Onlineangebot in Deutscher Sprache bereit Eine Frankreichrundreise von Straßburg über Paris nach Nizza und zurück nach Straßburg gibt es schon ab 123 Euro – inklusive aller Zuschläge. Und auch mit dem Thalys kommt man ab 25 Euro nach Paris.

Augeschlafene reisen nachts?

Wenn Sie gerne nachts reisen, können Sie ab 49 Euro im Liegewagen im City Night Line auf 29 Verbindungen in neun europäische Länder reisen. Und ab 280 Euro können Sie sich auf ausgewählten Strecken sieben Tage lang jede Nacht in eine andere Metropole fahren lassen – im Liegewagen mit fünf anderen Mitschläfern.

Einen Platz in einem Schlafwagenabteil inkusive Frühstück schlägt allerdings schon ab 455 Euro zu Buche. Dabei stellt sichaber auch die Frage, ob Sie in einem sich bewegenden Zug mit Zwischenstopps und möglicherweise lauten Mitfahrern tatsächlich so viel Ruhe finden wie in einem Hotel.

Mitfahrer suchen

Viele Angebote, etwa die Sparpreise oder die Ländertickets sind in der Gruppe günstiger. Wenn Sie keinen haben, der mit Ihnen fährt: Such Sie Im Internet und teilen Sie so den Preis. Mitfahrer finden Sie zum Beispiel unter mitbahnen.de/ oder mitbahnzentrale.de

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  1. Roger Stenslien

    Wow, dieser Artikel ist wirklich anspruchsvoll.

  2. Robert Vaneffen

    Was für eine gelungen Aufbereitung dieses wichtigen Themas. Vielen Dank dafür!#

  3. Kerstin Levat

    Bei dem was in Deutschland so alles schief läuft, ist es kein Wunder dass immer mehr hochqualifizierte abwandern. Dennoch finde ich Ihre Bemühungen, Ihre Leser zu informieren, bewundernswert.

  4. Mein Artikel in der Süddeutschen über Mobilitätsberater: Der Tickettüftler | Berufebilder by Simone Janson

    […] keiner mehr druckblickt, wie er am günstigsten von A nach B kommt. Ich habe darüber schon eine ganze Artikelserie […]

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